Aufsatz 
Zur Geschichte des alten Gymnasiums zu Montabaur
Entstehung
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Geographie, 3 St. Religion. VI. Klaſſe(Phyſik): 12 St. Phyſik, 6 St. Philologie, 6 St. Mathematik, 6 St. Geſchichte und Geographie, 3 St. Religion. 3

Dieſer Organiſations⸗Entwurf des Gymnaſiums iſt nie vollſtändig durchgeführt worden. Zunächſt tadelte der Fürſt den gänzlichen Ausſchluß des Franzöſiſchen vom öffentlichen Lehrplane und ordnetemit Rückſicht auf die dermalige politiſche Lage und die confinitas mit Frankreich an, daß für dieſes Fach wöchentlich 3 bis 4 Stunden anzuſetzen und ein eigener Lehrer anzuſtellen ſei. Außerdem ſprach er(ſ. S. 18) ſeine Meinung dahin aus, daß ein wiſſenſchaftliches Studium der Philoſophie wenigſtens in dem vorgeſchlagenen Umfange nicht in die Sphäre des Gymnaſiums, ſondern auf die Akademie gehöre; weshalb er die Frage zu einer näheren unbefangenen Erwägung der Schulkommiſſion nochmals anheimgebe. Dieſe treffende Bemerkung mußte in einer Zeit wirkungs⸗ los verhallen, in welcher auf vielen deutſchen Gymnaſien die Schüler mit halb oder gar nicht be⸗ griffenen metaphyſiſchen Brocken gequält, de omnibus rebus et de aliis quibusdam fauſt- dicke Hefte diktirt und dannParagraphi wohl einſtudirt wurden. Direktor Bauſch bewies weitläufig, daß esin dem jetzigen afterphiloſophieſchwangeren Zeitalter durch das Intereſſe des Staates wie der Kirche unbedingt geboten erſcheine, die Schüler möglichſt früh mit dem Weſentlichen einer reinen theoretiſchen wie praktiſchen Philoſophie bekannt zu machen. Die Schulkommiſſion und die Regierung ſchloſſen ſich dieſem Gutachten an, und der Fürſt gab den Vor⸗ ſtellungen nach. Frorath erhielt zu der Proſeſſur der Mathematik, welche er ſchon bekleioete, die der Philoſophie hinzu. Als Vergütung für die größere Arbeit wurden ihm aus dem Doctionsfonds 100 Gulden Gehaltszulage bewilligt und ſeitens der Stadt 2 Klafter Holz mehr geſtellt.

Die Einführung des Franzöſiſchen als obligatoriſchen Unterrichts⸗Gegenſtandes bewirkte, daß der vorgeſchlagene Lehrplan inſofern Umänderungen erfuhr, als die für dieſes Fach nöthigen Stunden dem Deutſchen und dem Griechiſchen entzogen wurden. Im erſten Jahre übernahm Profeſſor Pingeler den franzöſiſchen Unterricht; im folgenden wurde derſelbe proviſoriſch dem Weltprieſter St. George gegen eine Remuneration von 300 Gulden und 2 Klafter Holz über⸗ tragen. Eine definitive Ernennung des St. George lehnte der Fürſt ab, weil er in den probe⸗ weiſe von dem Bewerber gelieferten Uebertragungen aus Schillers Geſchichte des 30ährigen Krieges in das Franzöſiſche und aus J. J. RouſſeauEmil in das Deutſche mehrere nicht un⸗ erhebliche Fehler entdeckt hatte. Erſt gegen Ende des Jahres 1808 gelang es, eine geeignetere Perſönlichkeit zu ermitteln. Es war Conſtantiu Barbieux aus St. Amand, der damals in Neuwied als weltlicher Privatlehrer franzöſiſchen Unterricht ertheilte. Seine von Sereniſſimus höchſteigenhändig korrigirten Probearbeiten fielen beſſer aus, als die ſeines Vorgängers. Er wurde zuerſt verſuchsweiſe auf 2 Jahre und 1810 definitiv mit 400 Gulden Gehalt augeſtellt. Die Stadt gab ihm freie Wohnung und jährlich 2 Klafter Holz.

Wie wir geſehen, wurde das Gymnaſium zunächſt mit den drei Klaſſen Grammatika, Syntaxis und Humaniora eröffnet. Das Tirocinium war vor der Gründung des neuen Gymnaſiums von den Franziskanern geleitet worden. Dieſe weigerten ſich, die Anſtalt weiter zu übernehmen, wenn