Aufsatz 
Zur Geschichte des alten Gymnasiums zu Montabaur
Entstehung
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Stand ausgeſchloſſen ſeiner Zeit eintreten zu können. Der Lehrplan umfaßt für dieſeSection außer denjenigen Gegenſtänden, die auch in den Landſchulen gelehrt werden(nämlichdie gemein⸗ nützigſten Vernunftskenntniſſe aus der Natur, Religions⸗ und Sittenlehre, Rechnen: vorzüg⸗ lich Kopfrechnen und richtiges Sprechen, Leſen und Schreiben der Mutterſprache) vor Allem für die Knaben reiferen Alterseine Ueberſicht der mannichfaltigen Geſchäfte des Lebens, eine populäre Technologie mit Beſchreibungen der verſchiedenen Naturproducte, woraus unſere Nahrungs⸗ mittel, unſere Kleidungen, Wohnungen und Geräthſchaften hervorgehen, worin auch die Nutzbarkeit der einzelnen Handwerker, Künſte und Gewerbe beſchrieben werden. Hiermit wäre das Nöthigſte aus der Erdkunde zu verbinden, wo bey Erwähnung des Vaterlandes zugleich das, was von der Verfaſſung und den Geſetzen jedem Bürger bekannt ſein muß, beygebracht werden kann. Soweit das Unterrichtspenſum für die erſteSection der Knabenſchule. Für die zweite Klaſſe von Bürgern, die ihren Kindern eine etwas höhere Stufe der Ausbildung geben wollen, beſtimmt von Coll die lateiniſchen Elementarſchulen(Tirocinien)worin nebſt den erſten Anfangs⸗Gründen der lateiniſchen Sprache für die dahin beſtimmten Schüler in der oberſten Ordnung eine noch genauere Kenntniß der Religion und Moral, der Mutterſprache nach Regeln für Sprechen, Rechtſchreiben, und für Aufſätze aller Art, wie ſie für's gemeine und geſchäftliche Leben üblich iſt, eine höhere Keuntniß der Erdbeſchreibung, der allgemeinen Geſchichte, und beſonders der vaterländiſchen neben der Be⸗ lehrung über die Landesverfaſſung, die Naturgeſchichte, Naturlehre, die ganze Arithmetik und wiſſens⸗ würdige Technologie und die Fortſetzung der Tugend⸗ Geſundheits⸗ und Klugheits⸗Lehren die un⸗ terrichts⸗Gegenſtände ausmachen. Was die franzöſiſche Sprache, die Zeichenkunſt und Muſik, den Handlungs⸗ und Kunſt⸗Unterricht angehe, ſo erſcheine es zwar nützlich, auch dieſe Fächer in den unterrichts⸗Plan aufzunehmen;damit aber nicht in einer und einzigen Schnle die Gegenſtände allzu ſehr vervielfältigt würden, ſo ſei es rathſam, dies dem Privat⸗Unterrichte zu überlaſſen.

Der fünfte Abſchnitt enthält Vorſchläge zur Anlage einerNormalſchule, d. i. einer Bildungs⸗Schule für die Lehrer⸗ und Lehrerinnen der Stadt⸗ und Land⸗Schulen, und eine genauere Darlegung, wie a) der intellectuelle, p) der moraliſche, e) der pädagogiſche Unterricht für die Can⸗ didaten des Lehramts beſchaffen ſein müſſe. Namentlich wird ein großes Gewicht auf die mora⸗ liſche Bildung der Lehrer gelegt und bemerkt, daß Montabaur mit Rückſicht auf dieſen Punkt der geeignetſte Ort zur Anlage auch der Normal Schule ſei.Da ein förmliches Gymnaſium in Montabaur zu Stande kommen wird, begutachte ich aus eben den nähmlichen Beweggründen, warum man dieſen Ort dazu auserſehen hat, daß er auch zur Anlage der Normal⸗Schule zu wählen ſey. Die Verderbniſſe des Tons in größern Städten, welche auf junge Leute bey dieſen Zeiten ſo ſehr wirken, haben hier noch nicht ſo arg Wurzel gefaßt. Einfachheit der Lebensart und der Sitten Entfernung vom Luxus von den Verwehnungen von den Luſtbarkeiten und von ſo manchen üblen Beyſpielen der großen Welt kann in den Candidaten einen genügſamen reinen und einfachen Sinn erwecken und erhalten, ſie an Arbeitſamkeit Frugalität und biederes Betragen hier eher gewöhnen, als wenn ſie von dem allem um 1elich her das Gegentheil erblicken. 1