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zu deſſen Vergrößerung das daranſtoßende ſehr großen Umfang habende Gebäude der Mägdger⸗ Schulen damit zu vereinbahren; wogegen für die Mägdger⸗Schule ein anderes Gebäude auserſehen werden ſolle. Auch könne der in 1600 Reichsthalern beſtehende hieſige Schulenfond zum Gehalt eines Lehrers verbleiben.“ Das in dem Schriftſtück erwähnte Gymuaſial⸗Gebäude war das im Jahre 1715 erbaute heutige Elementarſchulhaus; die Mädchenſchule befand ſich in dem daranſtoßen⸗ den Hauſe, welches jetzt Eigenthum der Herren Linz und Hannappel iſt.
Aus der Eingabe geht hervor, daß bereits vor der Vereinigung des Amtes Montabaur mit dem Fürſtenthum Naſſan⸗Weilburg in hieſiger Stadt ein ſog. Gymnaſium beſtand. Ueber die Geſchichte dieſer höheren Schule habe ich äußerſt wenig ermitteln können.
Nach Vogel„Beſchreibung des Herzogthums Naſſau“ S. 672. iſt im Jahre 1558 der Altar der Hoſpitalkapelle zur Errichtung einer Schule verwendet worden und im Jahre 1739 die Mädchenſchule eutſtanden. Wann die lateiniſche Schule ins Leben getreten, läßt ſich nicht mehr beſtimmen. Hofrath Linz erzählt in ſeiner„Beſchreibuug der Aemter Montabaur und Meudt“ vom Jahre 1787, daß in den 1740er Jahren„theils durch eigenen Beiſchuß theils durch Ver⸗ wendung des ehemaligen Amtsverwalter Bauer der ſogenanute Schulfundus zuſammengebracht ſei, um zu den vorher dahier allein beſtandenen 2 erſten Studentenſchuhlen 3 wei⸗ tere aufzuſtellen.“ 1210 Thaler wurden zuſammengelegt. Um die Erlaubniß zur Errichtung
der höheren Klaſſen zu exhalten, mußten ſich die Mitglieder des Stadtraths„mit Vorlegung von
Spezial⸗Unterpſfändern“ anheiſchig machen, den Fonds auf 2240 Thaler zu bringen. Allein man wartete nicht ab, bis das Verſprechen erfüllt wurde, ſondern ging mit Erweiterung der Anſtalt vor, noch ehe die Mittel vorhanden waren, um die Lehrer zu beſolden. Ein ſpäterer Verſuch, die Stadträthe oder deren Erben zur Zahlung zu zwingen, wurde aufgegeben, und die beſſere Dotirung der Schule beſchräukte ſich darauf, daß aus dem Hoſpitalfonds und dem Almoſenhof 100 Thaler, aus der Stadtkaſſe 30 Thaler jährlich zur Erhöhung des Gehaltes der Profeſſoren zugeſetzt wurden, und daß der Stadtrath die Verwaltungskoſten des Schulfonds deckte.
Im Herbſte 1786 erſchien eine Kurfürſtliche Deputation von 3 Mitgliedern in der Stadt, um den Zuſtand des Schulweſens zu unterſuchen; das nächſte Reſultat ihrer Reviſion war,„daß aus dem trieriſchen Schulfundus 100 Thaler jährlich für einen Lehrer des Tyrocinii zu Monta⸗ baur ausgeworfen wurden.“ Wie ſich aus dieſem Berichte des Hofraths Linz ergibt, hatte Montabaur ſchon vor dem Jahre 1740 eine höhere Schule mit 2 Lehrern, zu denen durch Stiftungen wohlthätiger Privatleute drei weitere Lehrer hinzukamen. Es waren ſämmtlich Geiſt⸗ liche, deren es damals in Montabaur eine große Zahl gab. Die hieſige Kirche war die Mutter⸗ tirche von Wirges, Heiligenroth, Oberelbert, Kirchähr, Artzbach u. ſ. w. Es beſtand an ihr ein ſogenanntes Halbſtift, an welchem neben dem Pfarrer 18 Altariſten fungirten. Sie ſangen nach der Weiſe der Collegiatkirchen feierlich den Chor und hielten das hohe Amt. Ihre Ernennung geſchah durch das. Stift ad St. Florinum zu Coblenz. Gegen Anfang dieſes Jahrhunderts war die Zahl der Altariſten auf 4 zuſammengeſchmolzen. Außerdem harg Montabaur in ſeinen Mauern ſeit langen Jahren ein Franziskaner⸗Kloſter. Urſprünglich war den Franziskanern die


