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Lehrer am Privatpädagogium zu Weilburg. Von Ostern 1831 bis Ostern 1834 besuchte er die Universität Göttingen, wo er Mitglied des philologischen Seminars wurde. Die Staatsprüfung in sämmtlichen Gymnasial- Lehrfächern bestand er am 23. August 1834 vor der damaligen Nassauischen wissenschaftlichen Prüfungs- Commission mit dem Prädikate No. I(vorzüglich). Die Doktorwürde erhielt er im Jahre 1865 von der philosophischen Fakultät der Universität Göttingen. Von Herbst 1834 bis zum 1. Juli 1837 war er als Lehrer am Privatpädagogium in Weilburg thätig. Darauf wurde er durch Dekret vom 24. Juni 1837 als Collaborator am Herzoglich Nassauischen Pädagogium zu Hadamar angestellt und am 1. Januar 1839 in gleicher Eigenschaft an das Gymnasium zu Weilburg versetzt. Mit dem 1. Juli 1841 wurde er zum Con- rektor befördert und am 1. April 1845 dem Gymnasium in Hadamar überwiesen; von dort berief die Regierung ihn am 1. October 1846 an das hiesige Gymnasium, welchem er seitdem bis zum Tode, also 33 ½ Jahre seine Kräfte gewidmet hat. Durch Dekret vom 22. December 1848 wurde er zum Professor an demselben ernannt. Vom Jahre 1839 bis 1845 und sodann von 1847 bis 1866 war er Mitglied der wissenschaftlichen Prüfungs-Commission für die Candidaten des höheren Lehramtes in Nassau, von 1854 bis 1866 Mitglied der wissenschaftlichen Prüfungs-Commission für die Candidaten der Bergbau- und Hütten- kunde sowie der Markscheidekunst, von 1862 an Mitglied der Prüfungs-Commission für die Candidaten der Forstwissenschaft, der Medicin und Pharmacie.
Im Jahre 1855 wurde Kirschbaum von Seiner Hoheit dem Herzog Adolf unter Belassung in seinem Gymnasial-Lehramte zum Inspektor des Naturhistorischen Museums und beständigen Sekretär des Nassauischen Vereins für Naturkunde ernannt, welche Stellung er bis zu seinem Tode bekleidet hat.
Die Berufung in dieses Amt verdankte er seinen bedeutenden Leistungen auf dem Gebiete der Naturwissenschaft, insbesondere der Zoologie. Obwohl er nämlich zu Göttingen vorzugsweise klassische Philologie studiert und auch als Lehrer lange Zeit altsprachlichen Unterricht durch alle Klassen erteilt hatte, wandte er doch sein Hauptinteresse allmählich den beschreibenden Naturwissenschaften zu und erwarb sich in diesem Fache den Namen eines hervorragenden Forschers, was um so bewunderungswerther erscheint, als er hier durchaus Autodidakt war. Ueber seine literarischen Leistungen auf diesem Felde folgt der Bericht- erstatter den ihm gütigst überlassenen Mitteilungen eines höchst kompetenten Beurteilers, des Herrn Dr. von Heyden zu Bockenheim. Kirschbaums Erstlingsarbeit erschien 1853 in der Stettiner Ento- mologischen Zeitung T. 14, pag. 28— 31; pag. 43— 49 unter dem Titel:„Verzeichniss der in der Gegend von Wiesbaden, Dillenburg und Weilburg aufgefundenen Sphegiden“. Es folgten entomologische Miscellen in den Jahrbüchern des Nassauischen Vereins für Naturkunde und in derselben Zeitschrift 1855, Heft 10, pag. 161— 348„Rhynchotographische Beiträge(Capsinen)“. Diese Schrift erschien auch separat unter dem Titel:„Die Rhynchoten der Gegend von Wiesbaden, Heft I: Die Capsinen“. Wiesbaden bei Kreidel 1858, pag. 189. Hiermit bewies Kirschbaum auf das glänzendste seine Befähigung zur Bearbeitung schwieriger Insectengruppen, und allein dieses Werk sicherte ihm den Ruf eines der vorzüglichsten Kenner der Hemip- teren. Für alle Zeiten ist sein Name mit der Naturgeschichte und Arterkenntnis dieser Insekten- ordnung eng verknüpft. Auch in anderen Zweigen der Zoologie hatte Kirschbaum umfassende Kenntnisse, wie manche Arbeiten bezeugen. Hier ist zu nennen eine im Gymnasialprogramm 1859 zuerst er- schienene Schrift„Die Reptilien und Fische des Herzogthums Nassau. Verzeichniss und Bestimmungs- tabelle“. Nochmals abgedruckt und erweitert in den Jahrbüchern XVII und XVIII, 1865, pag. 77, bildet diese Arbeit nebst den einschlägigen Arbeiten von Siebold die Grundlage der Kenntnis unserer ein- heimischen Reptilien und Fische. Im Jahre 1868 liess Kirschbaum dann eine dritte, wieder auf das Gebiet der Entomologie sich beziehende grössere Schrift erscheinen:„Die Cicadinen der Gegend von Wiesbaden und Frankfurt a. M.“. Wiesbaden bei Niedner. 202 Seiten.
Ausserdem schrieb er eine grosse Anzahl kleinerer Abhandlungen in Zeitschriften oder dem Gymnasialprogramm, sowie die Artikel„Naturgeschichte, Naturhistorische sSammlungen, Naturgeschicht- liche Excursionen, Naturwissenschaften“ in Schmid, Encyclopädie des gesammten Erziehungs- und Unter- richtswesens.
In den letzten Jahren war Kirschbaum mehr der praktischen Entomologie zugewandt. Nachdem er im Herbst 1874 im Auftrage des Reichskanzleramtes den Congrès international viticole et sericicole in Montpellier besucht hatte und im Frühjahr 1875 Mitglied der in Berlin versammelten Commission zur Unter- suchung der Reblauskrankheit des Weinstockes gewesen, wurde er durch Erlass des Reichskanzleramtes vom 1. August 1875 zum Sachverständigen für die Verhinderung der Einschleppung und eventuell die Vertilgung der Phylloxera vastatrix in den rechtsrheinischen Weinbaugegenden des Königreichs Preussen ernannt. Er hat in diesem Amte den gefährlichen Feind in der Gemarkung Sachsenhausen ausgerottet, eine meisterhafte


