Aufsatz 
Geschichte der Friedrichsschule zu Wiesbaden : Separatabdruck aus dem Programm des königlichen Gymnasiums, Ostern 1880 / von Fr. Otto, Oberlehrer am königlichen Gymnasium zu Wiesbaden
Entstehung
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3) Am Mittwoch den 28. Mai fiel wegen der Einweihungsfeier der neuen evangelischen Bergkirche der Unterricht aus...

4) Am 11. Juni v. J., als dem Tage der goldenen Hochzeit Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin fiel der Unterricht aus. Eine auf das freudige Ereignis bezügliche allgemeine Schulfeier zu veranstalten war leider unmöglich, da es uns in der Marktschule an einem alle Zöglinge umfassenden Versammlungssaale fehlte. Dagegen machten am Tage vor der Jubelfeier die Ordinarien durch Ansprachen an die Schüler auf die Bedeutung des Festes in geeigneter Weise aufmerksam.

5) Am 31. Juli, 1. und 4. August wurde der Nachmittagsunterricht wegen grosser Hitze ausgesetst.

6) Am 1. August ertrank in der Nähe von Biebrich beim Baden im Rhein ein recht begabter Schüler der Untersecunda, Georg Siebrecht aus Wiesbaden. Lehrer und Schüler der oberen Klassen leisteten ihm bei seiner Bestattung auf dem Friedhofe zu Biebrich am 4. August die traurige letzte Pflicht.

7) Am Schlusse des Sommersemesters schied aus dem Lehrerkollegium nach beendetem Probejahr der Candidat des höheren Schulamtes Dr. Heinrich Spiess, um einem Rufe an das Gymnasium zu Liegnitz zu, folgen.

8) Die Herbstferien dauerten vom 15. August bis 19. September. Mit dem Beginne des Winter- semesters wurden dem Gymnasium seitens der städtischen Verwaltung, nachdem inzwischen die neu erbaute Schule in der Bleichstrasse vollendet worden, auch diejenigen Räume in der Marktschule überlassen, welche im Sommersemester noch von Elementarklassen benutzt worden. Da der Erweiterungsbau des Gymnasiums im Sommer unvorhergesehener Hindernisse wegen nicht fertig gestellt werden konnte, so musste es die Anstalt um so dankbarer aufnehmen, dass sie durch das sehr freundliche Entgegenkommen der städtischen Behörden aus einer grossen Verlegenheit befreit wurde. Der Berichterstatter fühlt sich deshalb gedrungen, den Organen der städtischen Verwaltung an dieser Stelle den aufrichtigsten und herzlichsten Dank für das bewiesene Wohlwollen Namens des Gymnasiums ergebenst auszudrücken.

9) Da die wie oben S. 25 erwähnt zu Anfang des Wintersemesters erfolgte Teilung der Sexta die Heranziehung neuer Lehrkräfte erforderlich machte, so beauftragte das Königliche Provinzial- Schulkollegium den Lehrer an der höheren Bürgerschule zu Diez, Dr. Schäfer, mit provisorischer Versehung einer Lehrerstelle und berief gleichzeitig als Hilfslehrer den Schulamts-Candidaten Dr. Thomae an das Gymnasium. Ferner überwies dasselbe den Candidaten Ludwig Spiess aus Sulzbach der Anstalt zu seiner weiteren pädagogischen Ausbildung und den Candidaten Wilhelm Gotthardt aus Oberrod vom 20. November ab zur Ableistung des vorschriftsmässigen Probejahres.

10) Eine weitere Veränderung in der Zusammensetzung des Lehrerkollegiums bestand darin, dass Herr Weber, Lehrer der hiesigen Elementar-Mädchenschule, seine Thätigkeit als Turnlehrer des Gymnasiums am Schlusse des Sommersemesters aufgab. Derselbe hat 10 Jahre lang mit unermüdlichem Eifer und gutem Erfolge die Turnübungen der Gymnasiasten geleitet und sich ein besonderes Verdienst um die Anstalt noch dadurch erworben, dass er im Winter 1878/79 die Sorge für die innere Einrichtung der neu erbauten Turn- halle übernommen hat, welche in Folge seiner Bemühungen mit Geräten in der zweckmässigsten Weise ausgestattet worden ist. Die Schule wird ihm daher stets zu Dank verpflichtet bleiben. An seiner Stelle wurde von Beginn des Wintersemesters an die Leitung des Turnunterrichts dem Lehrer an der Flementar- Knabenschule Jakob Güll übertragen, welcher mit Ostern d. J. als ordentlicher Elementarlehrer an dem Gymnasium eintreten wird, nachdem seitens des Herrn Ministers die Creierung einer neuen Stelle genehmigt worden ist.

11) Die Weihnachtsferien dauerten vom 20. Dezember 1879 bis zum 5. Januar 1880.

12) Am Mittwoch den 3. März c. starb plötzlich der erste Oberlehrer des Gymnasiums Professor Dr. GCarl Ludwig Kirschbaum. Derselbe. war geboren zu Usingen am 31. Januar 1812. Nach vorhergegangener Vorbereitung durch Privatunterricht besuchte er von Herbst 1824 bis Frühjahr 1826 das damalige Pädagogium zu Wiesbaden, von da bis Ostern 1831 das Gymnasium zu Weilburg. Schon im Frühjahre 1830 legte er die Maturitätsprüfung ab mit dem Prädikate No. I(vorzüglich), doch besuchte er auf die Anregung des Direktors die Prima des Gymnasiums freiwillig ein weiteres Jahr, da er sich dem Gym- nasiallehrfache widmen wollte, unter Dispensation von einer Anzahl Lehrstunden und unter Verwendung als

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