— 417—
Gladbach schied bereits im folgenden Jahre, Herbst 1808, wieder aus, weil der Privatunterricht, auf welchen er zugleich hingewiesen war, zu wenig lohnend sich erwies und man ihm eine Zulage versagte. An seine Stelle trat im Herbste desselben Jahres der Sprachmeister Köpp von Wiesbaden, ein gewesener Pfarrer, welcher sich dann eine Zeit lang in der französischen Schweiz und zuletzt in Frankfurt aufgehalten hatte. Bald nachher(1. Januar 1809) trat als Zeichenlehrer der Baucandidat Vigelius hinzu; ausser dessen Besoldung(200 fl., bald erhöht auf 250 fl., und 4 Malter Korn, 2 Malter Gerste und 2 Klafter Holz) verwilligte der Herzog auch 200 fl. ex fisco zur Anschaffung der nöthigen mathematischen und physikalischen
Instrumente u. s. w., da derselbe auch an weiterem Unterrichte sich betheiligen sollte..
Inzwischen hatte die Schule ein solches Anschen errungen, dass die Frequenz von der anfänglichen Zahl von 60 Schülern auf ca. 80 gestiegen war. Es erschien daher zweckmässig, eine weitere Theilung der Schüler durch Errichtung einer dritten Classe herbeizuführen. Dazu bedurfte man eines dritten Hauptlehrers. Somit erfolgte denn am 19. Mai 1808 ein Gesuch um Anstellung eines solchen, welches wie ein zweites vom 17. December auch von der Regierung warm befürwortet, aber von dem Ministerium, das die Geldmittel aufbringen musste, trotz wiederholter Mahnung unbeantwortet gelassen wurde; die ganze Sache ruhte, wohl in Folge der politischen Ereignisse, bis zu dem Jahre 1816.
Im Jahre 1811 ging der bisherige Conrecter Bickel in ein Pfarramt ¹) über;„den Verlust dieses geschickten und verdienten Mannes, welcher gegen eine geringe Zulage sich gern ferner der Erziehung gewidmet hätte“, bedauerte man umsomehr, je schwerer es sei, einen mit den nöthigen pädagogischen Kenntnissen und dem dono docendi versehenen Lehrer zu finden. An seine Stelle wurde am 18. Juni 1811 berufen der Collaborator des Idsteiner Seminares, Georg Christian Herrmann, ein Mann von grossen Talenten, welcher sich auch schriftstellerisch durch eine Uebersetzung des Tacitus bekannt gemacht hat ²). Er war der Sohn des 1825 zu Idstein verstorbenen Cantors Herrmann, geboren zu Flonheim bei Kreuznach im Jahre 1783; seit 1808 interimistisch, seit 1809 als Collaborator am Seminare zu lastein angestellt, trat er im Sommer 1811 als Conrector an der Friedrichsschule ein.
Das Jahr 1814 brachte mehrere Veränderungen; im Herbste erhielt der französische Sprachmeister, mit dessen Leistungen man wenig zufrieden war, seine Entlassung; schon im Sommer desselben Jahres war der Conrector Herrmann gleichfalls, wie sein Vorgänger, in eine Pfarrstelle übergetreten ³). Nachdem der Consistorialrath Schellenberg, damit der in Folge des Krieges seit acht Monaten gestörte Unterricht nicht noch weitere Unterbrechung erleide, während einiger Sommermonate dessen lateinischen Unterricht besorgt hatte, trat am 3. October 1814 der Conrector Steinmetz ein; dieser war vorher an dem Schellenbergischen Institute zu Neuwied(s. o.), dann an dem Gymnasium zu Weilburg 4) gewesen und von Schellenberg, der seine Ernennung vorschlug, so warm empfohlen worden, dass man gerne über das confessionelle Bedenken (er war katholisch) hinwegsah; so weitherzig war damals ein evangelischer Theologe und eine evangelische Regierung! Steinmetz sollte neben dem auf 12 Stunden wöchentlich herabgesetzten französischen Unterrichte zugleich die Stelle des Conrectors bekleiden; doch auch der Rector musste einen Theil von dessen Functionen übernehmen, ja war erbötig dazu die Obliegenheiten des Pfarrvicars zu versehen. Es sollten freilich die Besoldungen entsprechend erhöht werden, aber dafür entfielen auf den Rector und Conrector je 33 Stunden
¹) Er kehrte nicht wieder zur Schule zurück und starb im Jahr 1849 als Kirchenrath zu Brandoberndorf bei Usingen..
²)„Des Tacitus auf uns gekommene Werke, verdeutscht nebst einer durchgängigen Texteskritik und den nöthigen Sacherklärungen. I. Die Jahresberichte. B. 1—6, Giessen 1827.“ Lebensnachrichten von ihm im Programm des Pädagogiums zu Wiesbaden von 1829. Er starb im Jahr 1859.
²) Im Jahre 1828 ging er als Prorector wieder an das neugegründete Pädagogium, um 1836 abermals eine Pfarrei zu übernehmen.
⁴) S. Eichhoff, Geschichte des Landesgymnasiums zu Weilburg, 1840, pag. 210 u. 211.


