Aufsatz 
Geschichte der Friedrichsschule zu Wiesbaden : Separatabdruck aus dem Programm des königlichen Gymnasiums, Ostern 1880 / von Fr. Otto, Oberlehrer am königlichen Gymnasium zu Wiesbaden
Entstehung
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führte er nicht nur die Oberaufsicht über die Friedrichsschule, sondern war auch von grossem Einfluss béi der Neugestaltung des gesammten Unterrichtswesens im Jahre 1817 ¹).

2. Der Lectionsplan erfuhr allmählich sehr bedeutende Veränderungen, in denen wir zum Theil den Einfluss des zuletzt genannten Schellenberg zu erblicken glauben. Ueber dieselben finden sich in den Acten nur sehr wenige Verhandlungen. Wir begnügen uns daher die Umänderungen einfach anzugeben und zusammenzustellen; dem Kundigen leuchtet von selbst ein, dass sie alle auch wirkliche Verbesserungen waren. Und da die Töchterschule davon nur wenig berührt wurde(sie erhielt allmählich Unterricht in den Kunstgegenständen, während das Französische und die Religionslehre an Stundenzahl verloren), so betrachten wir nur die Knabenschule.

Zunächst wurde das Latein in Classe I schon bald auf 11 Stunden, dann auf 10 Stunden und im Jahre 1816/17 auf je 8 Stunden in beiden Classen, der Religionsunterricht auf 3, zuletzt auf 2 Stunden wöchentlich beschränkt. Auch das Pranzösische behielt nicht die grosse Stundenzahl, wohl in Folge des Zusammenbruchs der napoleonischen Herrschaft. Dagegen traten schon im Jahre 1809 hinzu 2 Stunden Zeichnen, später Gesang und bisweilen Griechisch; auch der Geometrie wurde mehr Zeit gewidmet.

Von besonderer Wichtigkeit ist, dass man im Jahre 1816 statt der bisherigen zwei Classen drei ein- richtete; dadurch wurde man in den Stand gesetzt, den Unterricht mehr zu individualisiren, und brauchte nicht wieder zu dem Unwesen, eine Classe in Ordnungen zu theilen, wie man in den Jahren 1814 16 gethan, zurückzugreifen.

Wir stellen im Folgenden die verschiedenen Lehrpläne, wie sie sich in den Acten befinden, zu- sammen:

V 1806. 1809. 1813. 1814.[1815/16. 1816/17. Lehrgegenstände:, LrIIIInſIIn I nrſuſimſm. p 1. Religion 4 4 V 4 4 V 4 4 3 3 3 3 2 2 2 2. Naturkunde. 2 2 2 2 2 2 2 2 2 2 2 2 2 3. Latein. 14 10 11 10 11 10 10 10 10 10( 8 8S 4. Pranzösisch 6 6 6 6 6 6 4 4 4 4 3. 4 5. Deutsch 3 2 2 2 2 2 2 3 2 3 2 4 6 6. Geographie und Geschichte 2 2 2 2 2 2 2 2 2 2 2 2.2 7. Rechnen 2-2 2 2 2 2 2 3 2 3 2 2 4 8. Geometrie. 1 1 1 h 22 2 2 9. Schreiben. 1[2 3 2 2. 2 2 2 2 2 2 2 10. Zeichnen 2 2 2 2 2 2 2 2 2 2 2 11. Gesang.-- 1I---- 2 2 V 12. Griechisch..... Tacult. 3

Der Unterricht im Einzelnen, die Bestimmung der Classenziele und der ganzen Schule scheint in patriarchalischer Weise dem Geschick und Gefallen der Lehrer überlassen worden zu sein; wenigstens finden

¹) Er wurde sodann als Kirchen- und Oberschulrath ordentliches Mitglied der Landesregierung. Nach- dem er im Jahre 1828 zum ersten Stadtpfarrer vorgerückt und im Jahre 1829 von der Universität Göttingen zum Dr. theol. ernannt worden war, legte er in Folge seiner geschwächten Gesundheit sein Amt als Oberschulrath nieder und widmete sich bis zu seinem am 13. September 1835 erfolgten Tode ganz seinem geistlichen Amte.