Aufsatz 
Geschichte der Friedrichsschule zu Wiesbaden : Separatabdruck aus dem Programm des königlichen Gymnasiums, Ostern 1880 / von Fr. Otto, Oberlehrer am königlichen Gymnasium zu Wiesbaden
Entstehung
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In Bezug auf die Ferien wurde verordnet, dass die bisherigen Ferien sowohl zu Herbst- als Ostermesse auf 14 Tage eingeschränkt werden sollten, welche durchaus nicht zu überschreiten seien. Auf eine Remonstration, dass die Lehrer durch allzu gehäufte Arbeiten und Lehrstunden zu sehr ermüdet und die Ferien zu Ostern auf drei Wochen auszudehnen sein möchten, erfolgte der Bescheid, dass die Bemerkung über die Stundenzahl nicht zutreffe, da die beiden ersten Lehrer kaum fünf Stunden täglich informirten, und dass es in Betreff der Ferien sein Bewenden behalte, da andere Staatsdiener nicht einmal soviel Zeit zur Recreation hätten. Auch in dieser]Beziehung sind unsere Anschauungen andere geworden.

Die Aufsicht über die Friedrichsschule wurde dem Superintendenten Bickel übertragen; man löste sie somit los von dem bisherigen Verhältnisse zu dem Stadtpfarrer und städtischen Schulinspector; doch wagte der Fürst noch nicht auf den Vorschlag der Regierung einzugehen, sie aller geistlichen Aufsicht zu entziehen. Die Regierung hatte nämlich vorgeschlagen, ihr allein die Leitung der Schule zu überlassen; da diese von Kindern verschiedener Confessionen besucht werde, könne so aller Verdacht, Misstrauen und Argwohn am leichtesten entfernt werden.(27. Januar 1807.) Der Fürst hielt wenigstens an der geist- lichen Oberaufsicht durch das Consistorium fest, weil die Schule in einer zweckmässigen Verbindung und Relation mit dem Gymnasium zu Idstein gehalten werden müsse; es werde demnach die Schulcommission ihre künftigen Anträge vorerst dem Consistorium vorlegen, das aber darüber jedesmal mit der Regierung communiciren solle.(17. Februar 1807.) In Wirklichkeit führte, wie die Acten ergeben, diese in der Folge die Oberaufsicht.

Wir fügen in Bezug auf eine oben gemachte Bemerkung noch hinzu, dass die Schulcommission sofort den Auftrag erhielt, nunmehr Vorschläge zur Verbesserung der übrigen städtischen Schulen zu machen. Trotz wiederholter Erinnerungen jedoch rückte die Sache nicht von der Stelle. Am 24. Januar 1809 erweiterte man diesen Auftrag dahin, dass jene einen Plan entwerfen solle, wie das Schul- und Er- ziehungswesen überhaupt, und insbesondere für Protestanten und Katholiken am zweckmässigsten nach dem Geiste der Zeit zu organisiren oder einer besonderen Schulcommission oder einem Schulrathe zu übertragen sei; dessfalls nöthige Schriften oder die in anderen Staaten erschienenen organischen Verordnungen solle der Superintendent Bickel auf Kosten der Regierungsbibliothek anschaffen. Auch diese Aufgabe vollendete Bickel nicht; nach seinem am 28. Januar 1809 erfolgten Tode ging sie in andere Hände über. Doch die Verfolgung dieser Organisation liegt ausser den Grenzen unserer Arbeit.

III.

Wir wenden uns zum dritten Theile unserer Darstellung, der Geschichte der neuen Anstalt, und wollen hier die einzelnen Punkte, welche in Betracht kommen, der Reihe nach vorführen, und dabei die allmähliche Umbildung der Schule nachweisen.

1. Als Aufsichtsbehörde tritt überall nur die Regierung, für wichtigere Fragen, seit etwa 1809, auch das Ministerium hervor, während das Consistorium entweder nur Zwischenbehörde ist, oder in Geld- fragen herangezogen wird und da nur widerwillig zu den angeforderten Zahlungen sich versteht. So löste sich doch das Band, welches bis dahin die gelehrten Schulen mit der kirchlichen Behörde verbunden und der Fürst noch festgehalten hatte. Auch die Schulcommission tritt nach einigen Jahren zurück. Nach dem Tode des Superintendenten Bickel wirdCommissarius des Consistoriums bei der Priedrichsschule der Super- intendent Koch; nach dessen Tode(1811) bleibt die Stelle unbesetzt. Später übte hervorragenden Einfluss auf unsere Schule aus der obengenannte Dr. K. A. G. Schellenberg. Derselbe war im Jahre 1813 als zweiter Stadtpfarrer von Neuwied nach Wiesbaden berufen und zugleich unter dem Titel eines Consistorial- und Schulraths mit dem Referate in Schulangelegenheiten bei dem Ministerium betraut worden. Als solcher

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