Aufsatz 
Geschichte der Friedrichsschule zu Wiesbaden : Separatabdruck aus dem Programm des königlichen Gymnasiums, Ostern 1880 / von Fr. Otto, Oberlehrer am königlichen Gymnasium zu Wiesbaden
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12

Sprache hingewiesen werden. Auf Grund dieser Voraussetzungen hatte der Rector einen Entwurf ausge- arbeitet, welcher drei Knabenclassen schaffen wollte, die dann in künstlich ausgedachten Combinations- oder getrennten Stunden unterrichtet werden sollten. Der practische Sinn des Superintendenten Bickel schob, während er die Auswahl der Lehrgegenstände, wie der Rector sie angesetzt hatte, gerne beibehielt, dies leise bei Seite und verlangte mit richtigem Blicke nur Classenunterricht, den er, wenigstens für die zahl- reicheren Knaben, fast ganz durchführte.

Bemerkenswerth ist, dass er dem Zeichnen keinen Platz anwies, sondern es, wie das Singen, dem Privatunterricht überlassen haben wollte. Danach stellte er folgenden Lehrplan auf:

Lehrgegenstände: I. II. Dehth Summa. 1. Religion und Moral........ 6 Rect. 6 Conr. 12 Stunden. . 6 R 2. Latein.......... 4 C. 6 C 16 3. Französisetche............ 4 4 4 12» 4. Deutsch 3..... tl-hs 3 R 2 C. 42 0. 7 5. Geographie und Geschichte....... 2 R. 2 C. 2 R. 6» 6. Naturkunde............. 2 Rect. 2 R. 4» 7. Rechnen............. 2 R. 2 C. 2 C. 6» 8. Mathematikk............ 1 1 9. Schönschreiben 1 2 2 5

Zugleich legte er einen vollständigen Stundenplan bei, nach welchem die Knaben von 7 11 und 13 Uhr, die Mädchen von 7 8, 10 12 und 23 Uhr, zweimal von 3 4 Uhr die Schule besuchen sollten; am Nachmittag des Mittwochs und Samstags fiel für die Knaben, für die Mädchen auch am Morgen des Samstags der Unterricht aus. Wichtig sind die auf den Vorschlag des Rectors zugefügten Forderungen: dass kein Kind aufgenommen werden solle, wenn es nicht den Anforderungen der Friedrichsschule ent- spreche, sowie dass die Aufnahme und das Versetzen in höhere Ordnungen weder von dem Alter noch von willkürlichen Verfügungen von aussen, sondern allein von der Entscheidung der beiden Hauptlehrer und der darauf sich beziehenden Genehmigung der verordneten Schulcommission abhängen dürfe. Erst dadurch wurde ein geordneter Schulgang und das Einhalten der gesteckten Classenziele möglich; zugleich war es der erste Schritt zur definitiven Loslösung der Schule vor der bis dahin festgehaltenen Aufsicht des geist- lichen Schulinspectors.

Soweit der erste Entwurf, welcher der Regierung vorgelegt wurde. Man billigte hier die Vor- schläge im Allgemeinen, doch verordnete der Fürst auf Antrag der Behörde am 11. October, dass statt vier, wöchentlich sechs Stunden für die französische Sprache in jeder Classe, dessgleichen einige Stunden mehr für die lateinische Sprache angesetzt werden sollten; was, fügt er hinzu, sehr gut angehe, wenn, wie hierdurch angeordnet werde, auch am Samstag Nachmittag zwei Stunden durch alle Classen Schule gehalten werde; ferner solle der Unterricht des Nachmittags nicht schon um 1 Uhr beginnen, sondern der Stunde von 1 2 die von 121 oder 3 4 substituirt werden. Die Begierung nahm ihrerseits auch schon zwei wöchentliche Stunden für das Zeichnen in Aussicht.

Nunmehr entwarf und überreichte Bickel am 5. November 1806 einen zweiten Plan, welcher die von Smus befohlenen Aenderungen aufgenommen und folgende Gestalt gewonnen hatte:

2 b