Aufsatz 
Geschichte der Friedrichsschule zu Wiesbaden : Separatabdruck aus dem Programm des königlichen Gymnasiums, Ostern 1880 / von Fr. Otto, Oberlehrer am königlichen Gymnasium zu Wiesbaden
Entstehung
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Rechnen wir dazu die oben aufgezählten Besoldungstheile des Rectors im Betrage von etwa 490 fl., so belief sich die ganze auf die Unterhaltung der Schule verwendete Summe auf etwa 1763 fl. 45 kr.

2. Schwierig war es, die Frage wegen des Locals zu lösen. Da es nothwendig war, dass die neuen Schulräume, deren man zwei bedurfte, in der Nähe der alten Lateinschule sich befanden, und die Versuche, dieselben miethweise zu erlangen, fehlschlugen, so wurde verordnet(27. Juni), dass auf das alte Schulgebäude an der Kirche ein zweites Stockwerk gesetzt werde, in welchem sowohl die nöthigen Räum- lichkeiten für die Schule als auch eine Wohnung für den neuen Lehrer gegen billigen Hauszins gewonnen werden könnten. Obgleich der Bau sofort in Angriff genommen wurde, so war er doch nicht vollendet, als die Schule eröffnet werden sollte; man fand eine vorläufige Unterkunft in dem Hause des Regierungs- rathes Huth in der Mühlgasse. Erst nach Jahresfrist war der Bau vollendet und wurde der neue Stock bezogen. Man besass nun drei Classenzimmer, zwei für die Knaben und eins für die Mädchen, sowie eine Wohnung für den inzwischen ernannten Conrector und bezahlte dafür an die Präsenz, welche die Baukosten im Betrage von 2168 fl. 17 kr. bestritten hatte, 100 fl. Miethe, von denen 32 fl. auf die Wohnung des Lehrers entfielen und von diesem entrichtet wurden; der Miethzins des Speichers(25 fl.) sollte die Kosten für etwaige Reparaturen decken..

Als im Jahre 1816 das alte, hundert Jahre vorher geschlossene ¹) Thor am Ende der Kirchgasse wieder geöffnet wurde, machte sich als grosser Missstand fühlbar, dass das Schulgebäude weit in die Strasse vorsprang, wie es sich auch auf einem in anderen Acten des Staatsarchives erhaltenen Plane des Mauritius- platzes aus dem Jahre 1740 zeigt. Um diesem, den Verkehr auf der belebten Strasse hemmenden Uebel- stande abzuhelfen, wurde in demselben Jahre so viel von dem Schulhause abgeschnitten, dass die Strasse in gleicher Breite mit dem neuen Thore verlief. Dadurch fiel aber einestheils die Wohnung des Conrectors weg, anderntheils wurde der Raum der Schullocalitäten überhaupt verengt. Dies führte den Neubau der noch stehenden sog. Marktschule herbei, welche im Jahre 1817 bei der Einweihung des Pädagogiums bezogen wurde ²), während die alte Stadtschule im folgenden Jahre veräussert wurde).

3. Wir kommen nunmehr zu der wichtigsten Frage und der eigentlichen Aufgabe der Schulcom- mission, zu der Feststellung des Lehrplans und der Gewinnung der Lehrkräfte. Bei den darüber zum Theil mündlich vorgenommenen Verhandlungen ging man von der Voraussetzung aus), dass wegen der auf 40 Schüler angewachsenen Frequenz der Schule, wozu 16 Mädchen kamen, noch ein zweiter Hauptlehrer unter dem- Namen eines Conrectors, sowie einige Nebenlehrer angestellt werden sollten; das Latein sollte auch künftighin Hauptunterrichtsgegenstand bleiben, sodass Jünglinge, welche zum gelehrten Stande bestimmt seien, wenigstens die Hälfte ihres Schulcursus hier absolviren könnten. Da aber ausser diesen auch andere Schüler sich fänden, die etwa zur Canzlei u. s. w. bestimmt seien, wobei man das Latein nicht ganz entbehren könne, so erscheine es zweckmässig, die Lateiner in zwei Hauptclassen zu theilen und es einem jeden zu überlassen, wie weit er sich damit abgeben wolle; denjenigen, welche sich dem gemeinen bürgerlichen Leben widmen wollten, solle das Latein gar nicht zugemuthet, sondern diese auf die Erlernung der französischen

¹) Im Jahre 1704. Vergl. m. Geschichte der Stadt Wiesbaden, pag. 129 und Annalen des Vereins für nass. Alterthumskunde und Geschichtsforschung, XV, pag. 81.

²) Wie die Schulnachrichten mittheilen, diente sie im Jahre 1879 80 als Gymnasial-Schulgebäude. Im Jahre 1831 war das Schulhaus auf dem Luisenplatz bezogen worden.

³) Wiesbadener Wochenblatt, 1818, Mai. Das Sauerländische Schulhaus, die sogen. Birk, wurde um dieselbe Zeit versteigert. Ebendaselbst 1817 November und 1818 Februar.

) Bericht des Superintendenten Bickel vom 26. September 1806.