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Gesuche eine ausführliche Denkschrift des Rectors Schellenberg vom 26. März 1804, welcher derselbe schon einen„Organisationsplan der Töchterschule für die gebildeten Stände“ beigefügt hatte. Ausgehend von der Nothwendigkeit der Errichtung einer solchen Töchterschule, der Bestimmung des Menschen, dem Zweck der Schule u. s. w. legt er einen bis in's Einzelne ausgearbeiteten Plan vor, welcher schon den Gedanken enthält, dass diese Schule in nähere Verbindung mit der Lateinschule gesetzt werden könne. Es mochte ihm dabei eine ähnliche Verbindung einer Knaben- und Mädchenschule vorschweben, wie sie in seiner Heimath Lahr einige Jahre vorher war eingerichtet worden, wesshalb das erste Programm dieser Anstalt den Acten beigefügt ist.
Der wohlwollende Fürst nahm das Gesuch gnädig auf und befahl dessen baldige Berücksichtigung. In Folge davon wurde der Superintendent Bickel zu Mosbach ¹), welcher fortan der Rathgeber der Regierung in dieser Angelegenheit bleibt, am 1. December 1804 zu einem Gutachten aufgefordert mit dem für jene Zeit charakteristischen und in der Weiterentwicklung des nassauischen Schulwesens noch lange nachwirkenden Bedeuten, dass in jener Lehranstalt kein positiver Religionsunterricht stattfinden solle.
Das Gutachten lautete im Allgemeinen ganz zustimmend. Da es später in etwas modificirter Gestalt Leben gewann, so übergeben wir es hier und bemerken nur, dass es die französische Sprache dem Privat- unterrichte überlassen wollte, und die Forderung eines blos allgemeinen Religionsunterrichtes geschickt ablehnte;„das ganze gelehrte kirchliche System und die kirchlichen Unterscheidungslehren der verschiedenen Confessionen, sagt es, gehörten allerdings nicht in die Schule; wolle man aber alles positive Christenthum und die Bibel unter diesem Namen ausmerzen, so sei dies sowohl zweckwidrig, da Christen doch auch Kenntniss ihrer Religion haben müssten, als auch gefährlich und schädlich, weil dadurch in den jungen Leuten Achtung und Gefühl für Religion verloren gehe“.— Die Sache scheint zunächst keine practische Folge gehabt zu haben, da die ersten Lehrer protestantische Theologen waren, die Schüler aber wohl alle der lutherischen Confession angehörten; als jedoch die Zahl der katholischen Bewohner der Stadt zunahm, sorgte man auch für katholischen Religionsunterricht. Dagegen wirkte jener Gedanke fort bei der Umge- staltung der Friedrichsschule zum Pädagogium, und mehr denn zwanzig Jahre lang wurde in den nassauischen gelehrten Schulen überhaupt nur allgemeiner, nicht confessioneller Religionsunterricht ertheilt; der letztere blieb den Geistlichen der verschiedenen Confessionen überlassen. Schuledict von 1817, Lehrplan der Päda- gogien§. 14. Vergl. das Programm des Pädagogiums vom Jahre 1842.
Nach diesem verheissungsvollen Anlauf gerieth die Angelegenheit in's Stocken. Es waren vornehmlich zwei Gründe, welche dies herbeiführten. Auf der einen Seite wollte die Regierung mit einem fertigen Vor- schlage, namentlich in Bezug auf die Frage nach den Persönlichkeiten der neuen Lehrer, vor den Fürsten treten, und gedachte in dieser Beziehung die Bittschrift der katholischen Kirchengemeinde um Anstellung eines zweiten Geistlichen dazu zu benutzen,„um mit derselben die projectirte neue Lehrstelle auf eine schick- liche Weise in Verbindung zu bringen“¹ ¹); offenbar sollte, was ebenfalls bezeichnend für den toleranten Sinn der Regierung des bis dahin ganz evangelischen Landes ist, der neue katholische Geistliche zugleich Lehrer an der neuen Anstalt werden. Der Plan zerschlug sich, aber gleiche Toleranz sehen wir später (1814) bei der Anstellung eines katholischen Conrectors an der noch ganz oder fast ganz evangelischen Priedrichsschule.
Der zweite Grund der Verzögerung lag in dem Widerspruch, den der ganze Plan bei dem Inspector
¹) Joh. Dan. Karl Bickel war geboren den 24. Juni 1737 zu Altweilnau; er ist bekannt als Verfasser des fürstlich-nassauischen Gesangbuchs(1779) und eines viel gebrauchten und gelobten„Spruchbuchs“. Er starb den 28. Jun. 1809..
¹) Bericht des Reg.-Raths Ibell und der Regierung vom 2. November 1805. Man dachte auch an einen der(katholischen) Pensionäre und hoffte offenbar dabei Geld zu sparen.


