Aufsatz 
Geschichte der Friedrichsschule zu Wiesbaden : Separatabdruck aus dem Programm des königlichen Gymnasiums, Ostern 1880 / von Fr. Otto, Oberlehrer am königlichen Gymnasium zu Wiesbaden
Entstehung
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Zum Heizen des Schulofens zahlte jeder Schüler am Anfang des Wintersemesters 30 Kreuzer; der Ueberschuss kam wohl, wie früher des in natura gelieferten Holzes, dem Rector zu Gute. Rechnet man die Naturalien nach dem damals für solche Berechnungen üblichen Preise, wie er sich in den Acten findet, so entsprachen sie im Jahre 1806 einem Werthe von etwa 111 fl.; die ganze Besoldung belief sich daher auf ungefähr 490 fl. Sie reichte, wie der Rector klagend bemerkt, kaum hin, um die Ausgaben für die körperlichen Bedürfnisse und den theuren Hauszins(66 fl. für zwei Wohnzimmer) zu bestreiten, so dass er genöthigt sei, den fehlenden Betrag durch Privatunterricht mühsam zu erwerben. Betrachtet man die grosse Arbeitslast, die auf seinen Schultern ruhete, so erstaunt man, wie der Mann dies Alles fertig bringen konnte, ohne die Freudigkeit in seinem Berufe zu verlieren, welche aus jeder Zeile, die er schrieb, hervorleuchtet. Da er schon der alten Lateinschule neues Leben eingehaucht hatte und die treibende Kraft wurde bei Umgestaltung derselben, so müssen wir einen Blick auf sein und einiger ihm nahestehender Männer Leben werfen. Sohn des Joh. Georg Schellenberg, welcher selbst Rector zu Wiesbaden(1755 1765), dann Prorector des Gymnasiums zu Idstein, zuletzt Pfarrer und Ephorus in Dinglingen und Altenheim bei Lahr in Baden gewesen, hatte Carl Phil. Salomo Schellenberg, geb. 1775, das Gymnasium zu Darmstadt zur Zeit seiner Blüthe unter Wenck ¹), dann die Universität Jena besucht und war hier Schüler von Paulus, Fichte, Schütz, Hufeland u. A. während der glorreichen Jahre 179699 gewesen. Nachdem er kurze Zeit eine Hauslehrerstelle versehen und auf Betreiben seines Oheims Jac. Ludw. Schellenberg am 25. September 1800. sich dem Examen in Nassau(nicht Hessen) unterzogen hatte, wurde er schon Anfang October desselben Jahres zum Rector der Lateinschule berufen und übernahm dies Amt mit dem Feuer der Begeisterung, die uns so vielfach noch in Aufzeichnungen der damaligen Zeit begegnet. In einem Berichte erwähnt er u. A. die Freudigkeit, mit der er den Eid bei Antritt seines Amtes geleistet, und die heiligen Vorsätze, die er in diesem feierlichen Augenblicke gefasst, alle seine Kraft der Bildung und Erziehung der Jugend zu widmen. Anregend wirkte auf ihn ein der Verkehr mit seinem an pädagogischen Erfahrungen reichen eben genannten Oheim Jac. Ludw. Schellenberg(1728 1808). Derselbe hatte während seiner Studienzeit in der Waisen- hausschule zu Halle als Lehrer mit Auszeichnung und Erfolg gewirkt und von 1752 1765 als Collaborator und Prorector des Gymnasiums zu Idstein zu der Blüthe, welche diese Anstalt unter seinem Gönner und Freunde, dem Rector Stritter, erreichte, viel beigetragen; auch als Pfarrer in Usingen und seit dem Jahre 1777 in Bierstadt hatte er seine pädagogischen Neigungen nicht abgelegt, sondern dort eine Lateinschule begründet, hier Zöglinge in sein Haus aufgenommen. Mit diesem wohlwollenden und erfahrenen Greise(er feierte im Jahre 1802 sein fünfzigjähriges Jubiläum und starb 1808) unterhielt unser Rector einen lebhaften Ideen- austausch über Fragen des Unterrichts und der Schuleinrichtungen. Auch der Sohn desselben, Dr. Carl Ad. Gottlob Schellenberg, geb. 1764, war nicht ohne Einfluss auf den jüngeren Vetter; Schüler von F. A. Wolf und Niemeyer in den Jahren 1781 86 hatte dieser als Student sich eine tüchtige philologische und pädagogische Bildung erworben; von jener zeugte seine Doctor-Dissertation: Antimachi Colophonii reliquiae, Hal. 1786. Die letztere verdankte er seiner Thätigkeit an der Schule des Waisenhauses zu Halle. Im Jahre 1789 wurde er als Prediger nach Neuwied berufen und begründete daselbst, nachdem er eine pädagogische Reise durch Deutschland gemacht, im Jahre 1799 eine Lehr- und Erziehungsanstalt, die sich eines grossen Rufes erfreute ²).

¹) Vergl. Uhrig, Geschichte des Gymnasiums zu Darmstadt, 1879.

²)Jacob Ludwig Schellenberg. Eine Autobiographie, im Jahre 1868 als Manuscript gedruckt. Ueber die persönlichen Lebensverhältnisse einiger hier vorkommenden Männer gab u. a. Aufschluss eine handschriftliche Sammlung biographischer Notizen von F. W. Schellenberg, die der Verein für nass. Alterthumskunde und Geschichts- forschung kürzlich erworben hat. Vergl. über die älteren Schellenberge auch Ritzhaub, Geschichte des Gymna- siums zu Idstein, 1797, pag. 87.