Aufsatz 
Zur Lebensgeschichte des Dichters und Malers Friedrich Müller / Oertel
Entstehung
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eingeladen. Klinger, welcher diesen von Cöln aus besuchte, mahnte ihn, sein Vorhaben auszu- führen¹). Doch scheint er diesen Plan aufgegeben zu haben.

Der Jahresschluss 1777 führte Wieland nach Mannheim, der sich mehrere Wochen dort aufhielt. Müller verkehrte mit ihm ir im Schwan'schen Hause, dürfte aber von ihm wenig angeregt worden sein.

Die Mannheimer Verhältnisse sagten überhaupt Müller auf die Dauer nicht zu, so wenig sie Wieland bei seinem kurzen Aufenthalte behagten. Ein seichtes, mittelmässiges Treiben war dort herrschend geworden und die geistige Unfruchtbarkeit machte sich besonders auf dem Gebiete der Kunst geltend²). Müller hatte zwar seinen engern Kreis, in welchem er sich bewegte und wol fühlte, aber es drängte ihn, unter der Sonne Italiens seinem künstlerischen Streben die höhere Ausbildung und Weihe zu geben.

Da die Unterstützung des Kurfürsten zu diesem Zwecke nicht ausreichte, so traten seine Gönner in Mannheim für ihn ein. Durch Heribert von Dalberg angeregt, eröffnete dessen Bruder, der Statthalter in Erfurt, eine Subscription für Müller, an welcher sich der Hof zu Weimar, v. Knebel, Wieland und Göthe betheiligten. Sie erklärten sich ferner bereit, für die Dauer des Aufenthaltes in Italien die gezeichnete Summe jährlich zu zahlen, wogegen Müller Gemälde, Zeichnungen und Nachrichten zu senden versprach.

Eben reisefertig, wurde er plötzlich nach Zweibrücken gerufen, wo seine Braut auf den Tod erkrankt war. Er zögerte, dorthin zu gehen, weil schon Alles zum Unternehmen bereit und gerüstet war. Die Nachricht von ihrem Tode traf ihn nicht mehr in Mannheim; er empfieng dieselbe unterwegs und sie erfüllte ihn mit tiefem Schmerz.

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Im August 1778 verliess Müller Deutschland, welches er nicht wieder sehen sollte. Es war ein verhängnisvoller Schritt. 5

Der Aufenthalt in Rom wurde entscheidend für seine weitere Entwicklung. Der Zwiespalt, welcher ihn zwischen Poesie und bildender Kunst schwanken liess, trat hier noch stärker hervor und verliess ihn nicht bis zu seinem Lebensende. Während er auf einen bedeutenden Dichter angelegt war, ist es zu bedauern, dass seine hohe Begabung in dieser Hinsicht nicht zur vollen Entfaltung kam, weil er zu sehr dem künstlerischen Triebe nachgab, in dessen Befriedigung er die Aufgabe und das Ziel seines Lebens erkannte. Zeit und Verhältnisse wirkten hier ver- hängnisvoll mit ein. Dem lebendigen Verkehr mit Deutschland entzogen, unberührt von dem grossen Umschwung, den die Kantische Philosophie in der geistigen Entwicklung hervorgerufen, vermochte er nicht zu jener ästhetischen und moralischen Reinigung zu gelangen, deren Mangel bei ihm Göthe nicht ohne Bedauern wahrnimmt.

¹) Klinger an Müller 18. Juli 1777. ²) Heinse's Werke 8, 254 f.