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trieb es ihn hier zur sogenannten Historienmalerei, welche zugleich seiner Neigung für die Darstellung der Natur und dem Drange entsprach, das, was ihn bewegte, individuell zu gestalten. Doch sich offen dazu zu bekennen, erschienen ihm vorerst die Umstände nicht günstig; denn in der Thiermalerei waren seine Leistungen hervorstechend und berechtigten, einem Urtheile jener Zeit gemäss, zu den grössten Erwartungen ¹). Zudem musste Müller darauf bedacht sein, auch eine materiell gesicherte, feste Stellung zu erhalten. Er hatte deshalb sein Augenmerk wieder auf Zweibrücken gerichtet, wo seit Jahresfrist der Herzog Karl II. in der Regierung nachgefolgt war, und auf ihn seine Hoffnungen gebaut ²); allein sie erfüllten sich nicht.
Das Jahr 1777 brachte die Entscheidung in dieser Hinsicht, wie es überhaupt für Müller's weitere Entwicklung von grosser Bedeutung wurde.
Gleich im Anfang desselben traf er mit Lessing zusammen. Verband sie schon das gemeinsame Interesse der Mannheimer Theater-Angelegenheit, so noch in viel höherem Masse der beiden Dichtern gemeinschaftliche Vorwurf des Faust. Täglich verkehrten sie mit ein- ander. Müller theilte Lessing den Entwurf seines Faust mit, sie besprachen die Oekonomie des Stückes, die Entwicklung des dramatischen Ganges ausführlich und eingehend. Lessing eröffnete jenem seine Ansichten darüber, wies ihn auf die Schwierigkeit der Lösung hin und rieth ihm, seinen Faust gleich dem verlornen Sohne sich bekehren und dem himmlischen Vater in die Arme werfen zu lassen ³).
Gemeinschaftlich durchwanderten sie die nähern Umgebungen von Heidelberg, wohin Müller dem bei Verwandten seiner Frau daselbst weilenden Lessing nachgefolgt war. Dass sie auch über Kunst verhandelten, dafür bürgt Lessing's lebhaftes Interesse an derselben. Hätte es aber dazu eines äussern Anknüpfungspunktes bedurft, so wäre er schon damit gegeben gewesen, dass Müller sich damals bereits mit Plänen trug, nach Italien zu gehen, dessen Kunstschätze und Herrlichkeit noch zu frisch in Lessing's Erinnerung lebten. Gerade mit Rücksicht auf die Kunst mag dieser ihm die wiederholte Aeusserung gethan haben:„Müller, wir müssen noch künftighin zusammen seyn, zusammenleben, sey's hier in der Pfalz, sey's anderswo 4).“..
Dass der Verkehr mit'einem Manne wie Léêssing bei Müller einen tiefen, nachhaltigen Eindruck hinterliess, steht ausser aller Frage. Wie er ihn zum Nachdenken über seine Poesieen anregte, so auch gewis über die Kunst. Durch ihn ward zweifelsohne zunächst der Grund zu jener kritischen Richtung gelegt, die sich bereits bei Müller in Deutschland, noch mehr aber in. Italien, entwickelte. Spuren dieses Einflusses lassen sich unter anderm schon aus Heinse's
¹) OIla potrida 2. Bd. drittes Vierteljahr Juli IX., S. 150: Kenner und Kunstfreunde wissen, dass Deutschland wegen der Richtigkeit des Umrisses und der Wahrheit des Karakters in der Thier- malerey einen andern Roos an ihm(Müller) würde erhalten haben.
²) Exter an Müller 14. November 1776.
³) Beilage zur Augsburger A. Z. No. 220 1874, mitgetheilt aus dem Original, das in meinen Händen ist.
*) Anmerkung zu Müller'’s Oden. Aus dem noch ungedruckten Original.


