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auftreten lässt. Durch ihn kam er den philanthropischen Bestrebungen der Zeit fäher, wurde aber nicht von denselben berührt, da ihn sein klarer Blick das Unwahre und Fratzenhafte an ihnen leicht erkennen liess. Dass Müller einen mehr als gewöhnlichen Eindruck von seiner Begegnung mit diesem sonst unbedeutenden Manne, welcher aber trefflich zu blenden wusste, empfieng, dafür zeugt sein Brief, den er am 23. October 1776 auf und nach einer Fahrt gen Heidelberg an ihn schrieb. Sagt er doch hier, es sei ihm, als dürfe seine Bekanntschaft mit ihm nicht eine blos vorübergehende gewesen sein und erzählt eine ergötzliche Geschichte von einem Kaufmann bekannten Franziskaner in Heidelberg, welchem er, als er ihm sass, aus seinen Zügen prophezeite, er würde nicht in der Kutte sterben.—
Mit Schubart stand Müller seit 1775 in bprieflichem Verkehr, in dessen„Teutscher Chronik“ erschien sein Lied:„Sehnsucht und Verlangen“, welches er später in die Idylle Ulrich von Cossheim verflocht. Auch mit GClaudius kam er in nähere Verbindung und Merck wie Wieland verfolgten mit grosser Theilnahme seinen Entwicklungsgang.
Die Anerkennung, welche seinen poctischen Leistungen von den verschiedensten Seiten gezollt wurde, wirkte auf seine gesellschaftliche Stellung in Mannheim zurück. Es entstand ein Wetteifer, den talentvollen Müller zu protegiren. Heribert von Dalberg, vor allem Otto von Gemmingen, zogen ihn in ihre Kreise, Andere folgten, deren Beispiel.
Die mannigfachen, literarischen und künstlerischen Anregungen, welche er aus jenen Cirkeln sowol, als auch aus der Verbindung mit den Göthe'schen Freunden erhielt, blieben aber nicht ohne Einfluss auf Müller's dichterische und künstlerische Thätigkeit. Vornehmlich seine Beschäftigung mit Shakspeare, dann die Arbeiten seiner Freunde und das ausserordent- liche Interesse für das Theater führten ihn zu Versuchen auf dem Gebiete des Drama's. Zum Vorwurf für seine dichterische Production bot sich ihm zunächst ein älterer Stoff, welcher ihn schon
in Zweibrücken beschäftigt hatte, Rhin. Als Fragment desselben wirdl genannt der rasende Geldar, welcher 1776 im Musenalmanach erschien. Das Trauerspiel selbst ist verloren gegangen, seine Fabel war ohne Zweifel dieselbe, welche den zehn Liedern von der Liebe Rhin's und .Luitberta's, König Geltar's Tochter ¹), zu Grunde liegt. Bald jedoch wendet sich Müller den Geschichten und Sagen seiner Heimat zu, mit welchen er sich schon als Knabe getragen. Aus einer alten Chronik nimmt er den Stoff zu dem Drama Heinrich IV. Auch es ist verloren, in Urich von Cossheim nur eine Scene verwebt.
Nun tritt Faust in den Vordergrund, der Lisblingshd seiner Kindheit. Mit der ihm eignen, raschen Production entwirft er Situationen und Scenen. Immer aber ist es seine Genovefa, welche ihn mehr als jener fesselt, zu der er stets wieder zurückkehrt 2).—
Die einmal eingeschlagene Richtung in der Poesie influirte aber unmittelbar auf seine künstlerischen Bestrebungen. Wie er dort grosse sagenhafte und historische Stoffe ergriff, so
¹) Morgenblatt 1820 und Yorck a. a. O. S. 30— 73. ²) Nach einer mündlichen Ueberlieferung soll das Lied„Mein Grab sei unter Weiden“ ent- standen sein, als er bei einem Besuche, von Mannheim aus, den alten Lieblingsplatz in der Lohr
wieder aufsuchte. 2*


