Aufsatz 
Zur Lebensgeschichte des Dichters und Malers Friedrich Müller / Oertel
Entstehung
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9 1 zunächst nach Paris, um seine Studien bei Casanova oder Vernet fortzusetzen; er rechnete dabei auf des Herzogs Unterstützung. Von dort beabsichtigte er Italien und später England zu besuchen. Er bemühte sich, seinen Freund Ferd. Kobell in Mannheim für den etwas abenteuerlichen Plan als Theilnehmer zu gewinnen ¹).

Ueber dem weitern Verlaufe dieser Angelegenheit schwebt zur Zeit noch ein Dunkel, so viel ist aber gewis, dass Müller, als er in Schwetzingen dem Herzog während eines Aufent- haltes daselbst seine Bitte vortrug, nichts von ihm erreichen konnte. Er hatte sich bei Hofe Neider und Feinde geschaffen, vielleicht durch sein bizarres Wesen, das sich später bei ihm in so hohem Grade ausbildete. Ihren erfolgreichen Intriguen ist es wol auch zuzuschreiben, dass der Herzog Müller seine Demission gab und zwar in einer Art, welche ihn auf das empfind- lichste berührte 2). Mit schwerem Herzen verliess er den Ort, wo er seine beste Jugendzeit verlebt.

III.

Zu Anfang 1775 gieng Müller nach Mannheim. Hier hatte er zunächst eine Stütze an Kobell, in dessen Hause er wohnte. Er besuchte die dortige Akademie, welcher seit 1752 Peter von Verschaffelt vorstand.. 4

Die Schätze der Gallerie boten reichen Stoff zu Studien. Besonders die niederländische Schule mit ihrem Realismus war es, welche Müller anzog und seiner Neigung entsprach. Wie glücklich er in deren Geist und Manier einzudringen verstand, beweist unter anderm die ausserst anerkennende Kritik des Deutschen Merkurs von 1781, Bd. 4, S. 169, über eine von ihm gefertigte Copie nach Ph. Wouwermann. Radirungen, welche von seiner Hand erschienen, ländliche Scenen und Musikantengruppen darstellend, zeugen weiter für die von ihm einge- schlagene Richtung, sowie auch die im Briefe an Batt vom 28. October 1809 erwähntenüber tausend Handzeichnungen, theils Studien nach der Natur von Landschaften, Bauern und Thieren, theils grössere Compositionen. Sehr hoch schätzte er den vortrefflichen Melch. Roos. Er nennt ihn einenMann und sagt ihm gegenüber von den Zeichnungen einiger renommirter Pariser Künstler:Pah! wenn der liebe Gott so sein Vieh geschaffen, es könnte sich nicht. vom Fleck bewegen oder den Hals zur Erde bringen... wär's auch nur für eine Stunde Leben, Gras aufzuweiden. Die Stümpler, Pfuscher ich ärgere mich, wenn ich solche Kerls sehe, die sich brüsten und den Namen Genie entheiligen.... Gott ist's grösste Genie, aber wie vollendet, wie ausgeführt in und durch seine Schöpfung vom Wurm bis zum Flefanten ³).

Hieng nun diese Richtung in der Malerei noch enge zusammen mit den Stoffen, welche sein dichterisches Schaffen gestaltete, so macht sich doch bald ein Uebergang aus derselben bei Müller bemerklich.

¹) Müller an Kobell ohne Datum, fällt in das Jahr 1774. ²) Müller an Hahn ohne Datum, wol aus dem Jahr 1775. ³) Müller an Christoph Kaufmann 23. October 1776.