Aufsatz 
Zur Lebensgeschichte des Dichters und Malers Friedrich Müller / Oertel
Entstehung
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ordnungen und Einrichtungen begünstigten Handel, Verkehr, Landwirthschaft und Industrie, eine vorzügliche Rechtspflege und musterhafte Verwaltung sorgten für die öffentliche Sicherheit und Wolfahrt. Das lebendige Interesse, welches der Fürst für alle, ja selbst die geringfügigsten Gegenstände seiner Regierung bekundete, verknüpfte seine Beamten und Unterthanen mit ihm und bedingte ein harmonisches Zusammenwirken, das nur segensreiche Folgen haben konnte. Vnter seiner Herrschaft entwickelte sich das Land zu einer nie geahnten Blüte des Wolstands. Nicht minder besorgt war er für Kunst und Wissenschaft. In der hingebendsten Weise widmete er sich der Pflege des niedern und höhern Schulwesens, das Zweibrücker Gymnasium erhielt unter ihm einen fast europäischen Ruf. Verbreitung von Bildung und echter Humanität be- trachtete er nicht als die letzte seiner Aufgaben ¹).

Gegenüber einer so ernsten Auffassung und energischen Erfüllung seiner Regentenpflichten erscheint es in der That befremdlich, wenn wir ihn in das Treiben der damaligen Höfe ver- wickelt sehen, die nichts Höheres kannten, als das Muster, welches sie im Versailler Hofhalte erblickten, möglichst zu erreichen. Auch in Zweibrücken trat dieses Streben hervor und, wenn es gleich der gesunde Sinn des Regenten nicht zu masslosen Ausschreitungen kommen liess, so war doch jener leichtfertige, französische Ton, das Maitressenunwesen herrschend geworden und ein Luxus hatte sich entfaltet, welcher über die Grenzen des Schönen und Edlen hinausgieng. Vornehmlich bei festlichen Gelegenheiten liebte es der Herzog, sich mit all dem Pomp zu um- kleiden, welche seine Zeit für den Glanz des Herrschers unentbehrlich hielt. Wie man aber den Versailler Hof bis in's Kleinste getreulich copirte, so auch in der damals so beliebten Auf- führung von Schäferspielen. In Ermangelung einer stehenden Bühne bildeten sie ein erwünschtes Mittel, die Feste zu verschönern und die gesellschaftlichen Freuden zu erhöhen.

Müller wurde ebenfalls dazu herangezogen. Sein künstlerisches Talent half über manche Schwierigkeiten der Darstellung hinweg, besonders bei der Wahl der Scenerie und der Costüme. Doch auch handelnd trat er in ihnen auf, wobei ihm die angeborne Gabe der Mimik sehr zu Statten kam²). Wir besitzen noch ein Bild von dem jugendlichen Maler, welches ihn im Costüme eines der Schäferspiele darstellt, bei denen er mitwirkté ³)..

Allein jene Stücke sagten Müller in keiner Weise zu; sein reiner, poetischer Sinn liess ihn die Fehler und Schwächen dieser Dichtungsart bald entdecken. Das fade Liebesgetändel nicht nur, vor allem die fingirte Welt, in der sie sich bewegte, der Mangel aller Naturwahrheit stiessen ihn ab und innerlich trat er nach und nach in einen bewussten Gegensatz zu derselben.

War es für den Maler ein unverbrüchliches Gesetz, sich treu an die Natur zu halten, so stellte sich ihm die gleiche Forderung für die Poesie. Von dieser Erkenntnis aus erhielt auch sein dichterisches Streben eine bestimmte Richtung 4). Er begann seine Idyllen. Stand er gleich hier zunächst unter Gessner's Einfluss, so entledigte er sich doch bald dieser Fessel.

¹) J. G. Lehmann, Geschichte des Herzogthums Zweibrücken, S. 490 497.

²) Heinse's Werke 9, 149 151.

³) Friedr. Götz, Geliebte Schatten. Tafel 7.

³) Muller an J. H. Kaufmann, 20. Mai 1815:Mein Gefühl hat seit der ersten Jugend an