Aufsatz 
Zur Lebensgeschichte des Dichters und Malers Friedrich Müller / Oertel
Entstehung
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Grade wahrscheinlich. Zum wenigsten waren es Götzens nahe Beziehungen zum Zweibrücker Hofe, welche er für seinen Schützling nutzbar machte. Seiner thätigen Vermittelung glückte es endlich, Müller nach Zweibrücken zu bringen, wo er durch Christian IV. dem Hofmaler Conrad Manlich überwiesen wurde, der ihn zu sich in die Lehre nahm. Dazu bestimmte diesen vornehmlich eine von Müller gefertigte Tuschzeichnung, welcheeine nach Polen ziehende Bettlerfamilie darstellte,die schielende Mutter voran, ein Maulthier leitend, welches die Hab- seligkeiten und die kleinen Kinder in Körben fortschleppt und hintennach der Alte mit hölzernem Stollfuss¹¹).

Der Zeitpunkt seiner Uebersiedelung nach Zweibrücken lässt sich nicht mit Sicherheit bestimmen, dürfte jedoch nicht wol vor das Jahr 1766 oder 1767 zu setzen sein.

II.

So war denn Müller die heiss ersehnte Laufbahn eröffnet. Es galt nun die Hoffnungen, die man auf ihn gestellt, wahr zu machen und so widmete er sich mit der ihm eignen Energie dem Studium seiner Kunst. 4

In Zweibrücken wurde er rasch heimisch, in einer seiner Mutter verwandten Familie fand er zunächst liebevolle Aufnahme. Einen wahren Freund gewann er an seinem Lehrer und mit dessen Sohn Christian von Manlich, dem späteren Kgl. Bayerischen Centralgalerie-Director zu München, knüpfte er ein engeres Band. Jener nahm sich seines Schülers mit grosser Sorgfalt und Liebe an und leitete die Studien desselben in väterlicher Weise. Unter seiner Aufsicht zeichnete Müller und erlernte die Technik der Oelmalerei. Auch im Radiren übte er sich und erlangte darin bald eine gewisse Gewandtheit. Frühe schon entwickelte sich bei ihm die Neigung für die Thiermalerei und diesem Zweige seiner Kunst wendete er sich bald mit Vorliebe zu. Studien nach der Natur zu machen, fehlte es ihm in und um Zweibrücken nicht an reichlicher Gelegenheit, zumal diese Gegend sich durch die Zucht einer eigenthümlichen und schönen Vieh- race von jeher auszeichnete. Vor allem zog ihn der Marstall mit seinen edlen Thieren an, er zeichnete und malte hier die Lieblingspferde des Herzogs. Dadurch gewann er dessen Gunst in hohem Masse und die Unterstützung, welche ihm der Herzog zuwandte, gewährte Müller die Möglichkeit, auch nach bestandener Lehrzeit in Zweibrücken zu verbleiben. Die Auszeichnung des Fürsten eröffnete ihm die höheren gesellschaftlichen Kreise; hier schloss er mancherlei Freundschaften, zu seinen Vertrauten gehörten der junge Johann Friedrich Hahn und der Philologe Exter. Das frische Wesen Müller's, sein feuriger Geist, seine anmuthige Er- scheinung, seine gefälligen gewandten Manieren machten ihn bald zum Liebling der Gesellschaft und selbst bei Hoffestlichkeiten wurde er mit zugezogen.

Herzog Christian IV. hatte seit seinem Regierungsantritt 1742 sich das Wachsthum und Gedeihen seiner Lande nach aussen und innen sehr angelegen sein lassen. Weise Ver-

¹) Nach handschriftlichen Aufzeichnungen.