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nicht in der jüngsten Zeit des Volkes Sehnsucht den Barbarossa aufs neue erweckt und nach Besiegung des wälschen Erbfeinds ein neues einiges deutsches Kaisertum wiederbergestellt?
In den älteren Fassungen dieser Kaisersage ist aber der Schauplatz keine deutsche Heide, sondern das heilige Land. Dorthin soll nämlich derç letzte römische Kaiser nach Besiegung seiner Feinde hinziehen, seine Krone niederlegen oder seinen Schild am dürren Baume aufhängen. Doch wie dem auch sein mag, wenn wir auch diese Kaisersage nicht als Beweis für das Vorhandensein einer deutschen Götterdämmerung verwenden dürfen, so enthält doch der nordisch-germanische Mythus eine hochtragische und zugleich tiefsittliche Lehre für jeden denken- den Menschen,— die Lehre, dass eine durch innere Fäulnis zerfallene Welt in Trümmer sinkt, dass aber aus der Sühne und Läuterung ein neues, reineres Geschlecht ersteht; es liegt darin zugleich die tröstliche Idee, dass nach dem Tode eine Wiedergeburt, ein neues, schöneres Leben ersteht: es enthält in heidnischem Gewande das hohe Lied von der Unsterblichkeit.
Ich kann mein Thema nicht abschliessen, ohne noch kurz, da mir der Stoff bereits über die mir gesteckten Grenzen ge- wachsen ist, der genialen Verwertung und eigenartigen Bedeutung zu gedenken, die R. Wagner, ohne Zweifel einer unserer grössten Dichter und Denker, diesem Mythus in seiner gewaltigen Ton- schöpfung:„Ring des Nibelungen“ gegeben, zumal ja eigentlich erst durch ihn der Name„Götterdämmerung“ zu einem ge- flfügelten Worte in unserer heutigen Kulturwelt geworden. Ich setze den Inhalt dieses Tondramas im allgemeinen als bekannt voraus und möchte nur auf die eigenartige Umgestaltung des überlieferten Stoffes in einigen Hauptzügen aufmerksam machen. Zunächst ist Wagnersche Erfindung, dass die Katastrophe der „Götterdämmerung“, d. h. des Untergangs der Götterwelt, mit dem Tode Siegfrieds, des Haupthelden des von Wodan be- schützten Wälsungengeschlechtes, und seiner Walkürenbraut Brun- hilde eng verknüpft ist. Siegfried spielt also gewissermassen die Rolle des Götterlieblings Balder, auf dessen Scheiterhaufen sich seine geliebte Gattin Nanna mitverbrennt, nachdem ihn seines blinden Bruders Höder Mistelger durchbohrt; an des


