— 15.—
Die Walküren gehören ohne Zweifel zu den poetischsten Gestalten germanischer Dichterphantasie.„Mit Helm und Schild, in fester Brünne, mit funkensprühenden Speeren, von leuchtenden Blitzen umspielt, reiten sie auf ihren Wolkenrossen dahin durch die Lüfte; schütteln sich die Rosse, so fällt von den Mähnen fruchtbarer Thau in die Thäler und Hagel ins hohe Gehölz.“ Odin sendet sie zur Walstatt, Sieg zu verleihen oder dem Tode verfallene Helden zu küren. Wer kennt ihre Erscheinung nicht aus R. Wagner's„Walküre“? Auch ein sinniges Gedicht Felix Dahns über den Beruf der Walküre möge hier Platz finden:
„Froh sah ich Dich aufblüh'n, Du freudiger Held,
Lang folgt' ich Dir schwebend und schweigend gesellt,
Oft küsst ich des Schlummernden Schläfe gelind
Und leise die Locken, die Dir wehen im Wind.
Hoch flog ich zu Häupten— Du kanntest mich kaum—
Durch die Wipfel der Wälder, Dein Trost und Dein Traum.
Und nun, da die Norne den Tod Dir verhängt,
Hab' ich Dir den schnellsten, den schönsten geschenkt.
„Sieg!“ riefest Du selig,„Sieg, Sieg allerwärts!“
Da lenkt' ich die Lanze Dir ins herrliche Herz,—
Du lächeltest lieblich,— ich umfing Dich im Fall—
Ich küsse die Wunde,— und nun auf:— nach Walhall!“
Eine solche Schöpfung, wie die der Walküre, konnte nur bei einem Volke eigenartig erstehen, bei dem die Verehrung der Frauen so ausgeprägt war, wie bei den Germanen. Genossen doch manche, wie uns Tacitus in seiner Germania berichtet, als Wahrsagerinnen und Priesterinnen fast göttliche Ehren und reichten sie ihnen nicht nur bei den Gelagen den Trank herum, sondern standen sie doch auch, wie ausdrücklich bezeugt wird, im Falle der Not ihren Männern kämpfend zur Seite. Auch in der letzten Entscheidungsschlacht, beim Ausbruch der Götter- dämmerung, sollen sie, wie die Einherier ihrem Walvater Odin helfend zur Seite stehen.
Diese Katastrophe vorausahnend, hält an der Regenbogen- brücke der getreue Himmelswächter Heimdall Wacht, um in sein gellendes Giallarhorn zu stossen, sobald er Gefahr drohen sieht.
In ähnlicher Pracht wie Odins Hochburg erschimmern die anderen Götterheime, wie Fensal die Halle von Prigg, der Ge- mahlin Walvaters, Thrudheim, des gewaltigen Donnerers Thors


