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wenigstens ist mir nichts vor einer so wichtigen Bedeutung und tiefsinnigen Beziehung des ersten Menschenschädels zur Gottheit bekannt, wie sie Mimirs Haupt. als Urquelle versteckter Weisheit, zu Odin, dem Göttervater, hat. Gewagt scheint mir auch die Erklärung der Tiere(Drachen, Eichhörnchen, Hirsche, Vögel), die das Laub der Weltesche benagen, nach ähnlichen Dar- stellungen auf nordenglischen aus dem 7.—9. Jahrhundert stammenden Steinkreuzen mit Rankenwerk, die also die Wikinger bei ihren Fahrten gen Westen gesehen und zur Ausschmückung ihres Weltbaumes verwandt haben sollen.
Des zur Unterstützung leitet Golther den Namen„rata- toskr“ für das Eichhorn von den englischen Lehnwörtern rati (Ratte) und toskr(angels. tusc, d. i. Zahn) her. Die Bezie- hungen der Tiere untereinander, die freilich auf den englischen Weinranken nicht erkenntlich seien, habe dann die umbildende Phantasie der Nordleute, vielleicht durch eine Fabel ayngeregt, zuwege gebracht. Wie es Golther dann weiter ausführt, ist ja wohl eine recht geistreiche Hypothese, aber eben doch nur eine Hypothese; er schliesst seine Beweisführung mit den Worten:
„Dass ein Baum, welcher dem höchsten Gott wie einem Geopferten zum Galgen dient, davon seinen Namen erhält und in dieser Eigenschaft zum heiligen Symbole der Welt erhoben wird, streitet bestimmt gegen die Vorstellung von heiligen Bäumen und vom obersten Gott, wie wir sie bei heidnischen Völkern anzutreffen gewohnt sind. Alle Ungereimtheit schwindet, sobald wir des Kreuzes gedenken.“
Es ist mir trotzdem auffallend, dass bei der ganzen Schilderung der Weltesche auch nicht die geringste Anspielung von Odins Aufopferung an demselben, wie an einem Galgen, zu finden ist. Die Stelle wenigstens, die sich in dem nordischen Liede Havamal findet, dass Odin speerwund neun Nächte im windigen Baum gehangen, um in den Besitz der Runenweisheit zu gelangen, kann auch ich nach E. Mogks Mythologie(p. 343) nicht auf eine Parallele mit Christus am Kreuze deuten. Nach El. Hugo Meyers„Völuspa“(1889) ist Yggdrasil nicht ein Name für Odin, sondern für die Esche selbst und bedeutet „Hengst“, weil der Windgott gewissermassen auf Bäumen wie


