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auch als Richtstätte der Götter(nach Grimnismaàl 29) sicherlich aus dem altgermanischen Rechtsleben geschöpft ist, so hat man doch in ihrer Ausschmückung jüngere, speziell isländische, ja sogar Einflüsse christlich- abendländischer Kultur erkennen wollen. In letzterer Beziehung haben namentlich die Studien des skandinavischen Gelehrten Sophus Bugge und die des Theologen Dr. Bang viel Staub aufgewirbelt.
Nach ihrer Uberzeugung sind in die Skaldenpoesie zur Zeit der nordischen Wikingerfahrten gen Westen im 8. Jahr- hundert durch Berührung mit den Iren und Kelten nicht nur antik-klassische, sondern auch spezifisch jüdisch-christliche Elemente eingedrungen. Diesen Behauptungen, die sie zum Teil mit sehr künstlich und weit hergeholten Beweisen von Xhnlich- keiten mit griechischen Mythen und christlichen UÜberlieferungen zu stützen suchten, ist von deutschen Gelehrten, besonders von dem berühmten Altertumsforscher Karl Müllenhoff(u. a. in seiner„Deutschen Altertumskunde V, 1) entgegengetreten worden. Müllenhoff hat die Eigenart speziell des nordisch-germanischen Eddalieds von der Weltschöpfung und dem Weltuntergang, der Völuspa, freilich oft mit groben Keulenschlägen zu verteidigen unternommen. Allmählich hat sich die Streitfrage etwas ge- klärt und, wenn die Germanisten jetzt zum grossen Teil auch der Ansicht sind, dass Sophus Bugge und Dr. Bang in ihren Theorien viel zu weit gegangen, so hat man doch die Grund- anschauung dieser beiden Gelehrten nicht völlig widerlegen können. Ja Elard Hugo Meyer sucht in seiner Untersuchung „Völuspa“(1889) z. B. eine Übereinstimmung dieses Gedichts mit der Genesis nachzuweisen. Ein Hauptvertreter einer vermitteln- den Anschauung ist der Rostocker Professor Dr. Wolfg. Golther.
In seinem„Handbuch der germanischen Mythologie“ (Leipzig, 1895), dessen ruhig sachlicher Ton wohlthuend von der selbstherrlichen und oft unmanierlichen Sprache mancher anderen Germanisten absticht, kommt er bei der Erklärung der Weltesche auf den überraschenden Schluss, dass Yggdrasil eine Nachahmung des Kreuzesbaumes, wie er im Glauben der christlichen Völker des Mittelalters lebte, und der Mythus von ihm erst in der Wikingerzeit entstanden sei.


