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und Litteratur der Neuzeit kühn den Nachweis liefern, dass sich unsere nationalen Göôttergestalten und Belebungen germa- nischer Sagen in ästhetischer Beziehung dreist mit den Meister- werken antiker Plastik und den Epen eines Homer messen dürfen,— diesmal kommt es uns darauf an, den ethischen und pädagogischen Gehalt der germanischen Mythologie in seiner Verwertung für den Jugendunterricht zu betonen.
Und da möchte ich mir denn erlauben, die Worte eines unserer berufensten Interpreten germanischer Götter- und Helden- sagen zu citieren, die Worte Wilhelm Jordans, des genialen Neugestalters der Nibelungensage, in seinen Epischen Briefen, worin er nach der feinsinnigen Deutung des Mythus vom Winter- sonnengott Freya und der Riesentochter Gerda, der Verkörperung des Nordlichtes(XI. Brief, p. 244), sagt:
„Wie ist es denn möglich gewesen, dass wir so lange geglaubt haben an die niederträchtige römische Lüge, unsere Altvorderen seien dennoch nur eine Art halbwilder Barbaren und Bärenhäuter gewesen? Wo in aller Welt und in allen Zeiten wäre denn ein Volk zu finden, dessen Göttersage sich auch nur messen dürfte mit der unserer Ahnen an Tiefsinn und Naturbetrachtung, an sittlichem Ernst, an gleich heiterer als mannhaft tapferer Auffassung des Lebens mit seiner Lust und seinem bitteren Leide, an entzückender Schönheit, plastischer Kraft und malerischer Farbenfülle der poetischen Anschauungen?“
In der That, liest man zu Jordans prosaischer Auslegung dieses germanischen Göttermythus noch seine eigene poetische Ver- wertung in seinem Epos„Nibelunge“ bei Gelegenheit, wo Brunhild ihrem Freier und Liebeswerber Rätsel auferlegt, so wird man diesem Ausbruch moralischer Entrüstung nur beipflichten können.
Die einzige Entschuldigung dieser Verkennung einheimischen Wertes könnte nur Unkenntnis unserer Mythologie sein,— und in der That war sie uns lange eine terra incognita, ja es wurde uns allen Ernstes bestritten, dass wir eine solche hätten. Nun ist es ja freilich wahr, dass uns der Eifer christlicher Send- boten bei Ausmerzung alter heidnischen Erinnerungen in unserem engeren Heimatlande wenig von unseren ältesten Uberlieferungen übrig gelassen hat und dass wir zu unserem stammverwandten


