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Haltung, welche den Sinn der Franzoſen für die einfachen, rührenden Töne ihrer Volkspoeſie verſchloß, wodurch gewiß viele koſtbare Perlen der Vergeſſenheit anheim gefallen ſind. Wir können darauf ſchlie⸗ ßen durch die wenigen Proben, welche der unglückliche Gérard de Nerval, der Ueberſetzer des Fauſt und von deutſcher Dichtung tief ergriffene Romantiker, wie er ſagt, aus dem Gedächtniſſe mitgetheilt, indem er beklagt, daß die meiſten jetzt im Grabe der Großmütter ſchlummern und daß„aucun chant des vieilles provinces où s'est toujours parlée la vraie langue française, ne nous sera conservé ¹).“ Wir finden in der That in allen dieſen Fragmenten, welche er anführt, alle die Reize, welche der Volks⸗ poeſie eigenthümlich ſind; die ächte, kunſtlos ausgeſprochene Empfindung, den kühnen Wurf des Aus⸗ drucks, das raſche, ſturmähnliche Voranſchreiten der Handlung, das innige Verwachſen des Rhythmus mit der Muſik, ſodaß uns die bloßen Worte ſchon wie eine Melodie erklingen. Neben der Anmuth und dem wahrhaft poetiſchen Duft, welchen dieſelben mit dem deutſchen Volksliede gemein haben, neben ſonſtigen großen Aehnlichkeiten in Form und Inhalt, iſt auch der ſcharf ausgeprägte nationale Unter⸗ ſchied nicht zu verkennen. Von der Traumſeligkeit, der tiefen, ſeelenvollen Innigkeit, den Grüßen an die Nachtigall und den ſchwermuthsvollen Liedern von Scheiden und Meiden iſt darin nichts zu finden, wohl aber Töne von kecker, friſcher Lebensluſt, von ſprühendem Humor, von jenem furchtloſen, ſtürmi⸗ ſchen Voranſchreiten, wie z. B. un beau tambour die Tochter des Königs begehrt und als dieſer ſie ihm abſchlägt:„Tant pis, dit le tambour, j'en trouverai de plus gentilles.“ Daß alle dieſe Lieder eine un⸗ mittelbare Gewalt auf das Herz des Volkes beſaßen, geht ſchon aus ihrer dichteriſchen Form hervor, auch wenn uns nicht verſichert würde, daß vielen derſelben z. B. Le roi Loys est sur son pont, die ſchönſten Melodieen zu Grunde lagen. Auch die Poeſie des Grauſens, die düſtere Gewalt des Schauri⸗ gen, welche auf die Phantaſie des Volkes ſo machtvolle Wirkung hat, wie ſie z. B. in Lenore, Erlkönig und ſo vielen ſchottiſchen Balladen hervortritt, hat in der franzöſiſchen Volkspoeſie eine Stelle; ich will hier unten nur ein Beiſpiel anführen ²), welches in Bezug auf Einfachheit und Tiefe, volksthümliche
1) Gérard de Nerval: La Bohème galante und Les filles du feu: Chansons et légendes de la province de Valois.— Auf Befehl des Kaiſers und auf Anregung Firmenich's, des Herausgebers von Germanien's Völkerſtimmen iſt ſeit 1852 eine umfaſ⸗ ſende Sammlung derfranzöſiſchen Volkslieder unter dem Titel Recueil général des poésies populaires de laFrance veranſtaltet worden.
2) Quand Jean Renaud de la guerre revint,„Ah dites ma mdre, ma mie, Il en revint triste et chagrin.„Ce que j'entends clouer ici?— „Bonjour, ma mère!“— Bonjour, mon fils. Ma fille, c'est le charpentier Ta femme est accouchée d'un petit. Qui raccommode le plancher. „Allez ma moère, allez devant,„Ah dites, ma mdre, ma mie, „Faites-moi dresser un beau lit blanc,„Ce que j'entends chanter ici?— 5 „Mais faites-le dresser si bas, Ma fille, c'est la procession „Que ma femme ne l'entende pas. Qui fait le tour de la maison. Et lorsqu'il eut sonné minuit,„Mais dites, ma mère, ma mie, Jean Renaud a rendu l'esprit.„Pourquoi done pleurez-vous ainsi?—
Hélas, je ne puis le cacher, O'est Jean Renaud qui est décédé.
„Ah dites, ma mère, ma mie,„Ma mere, dites au fossoyeux
„Ce que j'entends pleurer ici?—„Qu'il fasse la fosse pour deux,
Ma fille, ce sont les enfants„Et que l'espace y soit si grand
Qui se plaignent du mal de dents.„Qu'on puisse y mettre aussi l'enfant.
Sollte dieſe Ballade auf bretoniſchem Boden erwachſen ſein? Die tiefe innerliche Poeſie, das Düſtere der Färbung ſchei⸗


