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ſard bei ſeinen Lebzeiten gefunden hatte, bald nach ſeinem Tode verſtummte derſelbe gänzlich und machte bitterem Tadel Platz.
Gegenſatz des franzöſiſchen und deutſchen Geiſtes in Denten und Dichten. In der darauffol⸗ genden Periode, dem Zeitalter Ludwig's XIII. und Richelieu's haben wir eines anderen Einfluſſes zu gedenken, der aus einer der weſentlichſten Eigenthümlichkeit des franzöſiſchen Geiſtes herzuleiten iſt, die in ihrer Bedeutung für Sprache und Poeſie hier am beſten beſprochen wird, ich meine aus dem ſocialen Elemente. Dies iſt eine der Grundverſchiedenheiten des franzöſiſchen und deutſchen Geiſteslebens und vielleicht ſind die meiſten Gegenſätze und Eigenheiten, welche uns die franzöſiſche Poeſie ſo fremd er⸗ ſcheinen laſſen, aus dieſer einen Quelle herzuleiten. Schon oft iſt es geſagt und ausgeführt worden, daß dem Franzoſen das ſociale Leben und die ſociale Ausbildung, dem Deutſchen das individuelle, ſich frei aus ſich geſtaltende als die Zielpunkte ihres Strebens erſcheinen. Wohl mögen die erſten Eindrücke, welche die Kindheit der beiden Nationen bei ihrem Eintritt in die Weltgeſchichte begleiteten, dieſe Grundverſchiedenheit erklären; denn anders wird ein Volk denken und empfinden, welches mitten in der römiſchen Bildung, unter der geordneten, ſtrengen militäriſchen und civilen Adminiſtration, unter Thea⸗ tern, Säulenhallen und Forum heranwuchs, anders ein Volk, deſſen Jugend an die heimathlichen Ge⸗ filde, an das geheimnißvolle Rauſchen der dunkeln Wälder, an Freiheit und Kampf gebunden iſt. Es mögen hier des beſchränkten Raumes halber nur einige charakteriſtiſche Züge angeführt werden. Wer empfindet nicht, wenn er ein echt deutſches oder engliſches Gedicht lieſt eine ahnungsvolle, tiefe Erregung, welche der Sammlung, der Einſamkeit, der Innigkeit des individuellen Gefühles eigen iſt; wer empfängt nicht auf der anderen Seite in der franzöſiſchen Poeſie den Eindruck, daß der Dichter das Bewußtſein hat, vor einem Zuhörerkreiſe zu reden, und ſorgfältig darauf bedacht iſt, nur ſolche Worte und Gedanken zu verbinden, welche eine möglichſt unmittelbare und allgemeine Wirkung hervorbringen? Von dem deutſchen Dichter und Schriftſteller verlangen wir, daß er das, was er uns mittheilen will, auf eine möglichſt originelle und eigenthümliche Weiſe vorbringe; wir wollen gleichſam den Charakter und das Gepräge des Mannes in ſeinen Worten finden; wir ſind geneigt, ſelbſt in der Dunkelheit der Dar⸗ ſtellung ein Verdienſt zu finden, weil wir ſie aus der Tiefe des Gegenſtandes oder der Auffaſſung her⸗ leiten; wir freuen uns, wenn die Worte ſtatt beſtimmter, ſcharfer Umriſſe gleichſam von einer Atmoſphäre umgeben ſind, welche noch mehr ahnen läßt, als wirklich geſagt worden iſt; wir ergeben uns ſogar darein, unſere Geduld mit nebelhaften, abſtracten Theoremen lange mißbrauchen zu laſſen, und ſuchen uns in die fremden Gedanken hineinzuarbeiten, bis es uns klar wird, daß ein Verſtändniß unmöglich iſt, weil die myſtiſche Umkleidung die innere Leere verbergen ſollte. Wir ſuchen in dem Buche eben einen Gefährten der Einſamkeit, in dem Schriftſteller einen Freund, mit welchem wir die liebſten Stunden verbringen. Wie ganz anders der Franzoſe! Ihm iſt das Wort:„Literatur“ eine öffentliche Inſtitution, an welcher Alle Theil haben, ſeine Sprache das große Medium, in welchem allgemeine Intereſſen und Wahrheiten Geſtalt gewinnen und zum Gemeingut werden; er verlangt vor allen Dingen Klarheit und legt bei der Beurtheilung den großen allgemeinen Maßſtab des bon sens an. Daß da⸗ durch oft die Oberflächlichkeit gefördert wird, iſt nicht zu läugnen; aber ebenſowenig, daß die Franzoſen dadurch vor der Einſeitigkeit individueller Gedankengänge, vor allem Abſtruſen, Unbeſtimmten, Nebel⸗ haften bewahrt werden. Niemals verläßt den Schriftſteller das Bewußtſein, daß er gleichſam vor allen ſeinen Landsleuten zu reden hat und daß jedem ein Urtheil über ihn zuſteht; wenn wir daher von dem


