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glüht, und ſprüht, in hellen Flammen den Abgrund erleuchtend, an welchem die Geſellſchaft angekommen war, und als Vorbote der Revolution in den Werken Beaumarchais', in welchen der Spott und Witz mit der ſiegesgewiſſen Kraft einer großartigen Ueberlegenheit auftritt. In der Reſtaurationsperiode rüſtet er ſich mit dem Harniſch und allen Waffen, welche volksthümliche Kraft, Studium der Alten und innere Begeiſterung darboten, und in der That vermochte es die Stimme Paul Louis Courier’s, dem die Franzoſen den Ehrentitel des großen Pamphletſchreibers gegeben haben, durch den bekannten Ton das franzöſiſche Volk auch in der ſchläfrigen Ermüdung nach der langen Aufregung zu erwecken und zu erſchüttern. Neben dieſen großen Erſcheinungen zieht aber noch ein ununterbrochener Strom volksthümlicher und unbekannter Dichtungen dahin. Wenn wir ſpäter finden werden, daß es gerade der Bruch mit dem Volksleben und die ariſtokratiſche Abſonderung war, welche die franzöſiſche Poeſie auf die falſche Bahn einer conventionellen Dichtkunſt geführt hat, ſo müſſen wir anerkennen, daß dieſe Richtung deswegen ſo Ausgezeichnetes leiſtete, weil hier die eine Seite des franzöſiſchen Geiſtes ſich in unverkümmertem Wachsthum entfalten konnte und weil dieſe Dichtungen ihre Wurzeln in der Tiefe des nationalen Bodens hinabſenkten. Unter den Aeußerungen dieſes Geiſtes, welche unmittelbar vom Volke ausgingen, erwähne ich nur die Chanſons, die politiſchen Lieder, Nachkommen der Fabliaux, welche zahllos entſtanden und die Menge beluſtigten und erheiterten und oft ihren Unmuth durch die Heiterkeit der Satire und des Lachens verſcheuchten.„Qufils chantent, pourvu qu'ils paient,“ ſagte Mazarin, als er erfuhr, daß er und ſeine Anhänger durch dieſe Lieder lächerlich gemacht würden. Unter dieſe Dichter, welche in den Reihen des Volkes ſtehen blieben und ſeine Ausdrucksweiſe entlehnend ſich mit ihm eins fühlten, gehört der oben erwähnte Villon, ferner Olivier Baſſelin, der fröhliche Schmied vom Val de Vire, woher die Vaudevilles ihren Namen haben und noch manche andere. Den höchſten Adel der Kunſtform aber hat die volksthümliche Chanſon erlangt in der Muſe Béranger's, dieſes nationalſten und volksthümlichſten Dichters, welcher die ganze Liebenswürdigkeit und alle Glanzſeiten der Franzoſen nebſt ihren Schwächen repräſentirt. Er hat in ſeinen einfachen, volksthümlichen Lauten die Tonleiter aller hohen und ergreifenden Empfindungen zu durchlaufen verſtanden und von der fröhlichen Stimmung einer Weinlaune bis zu dem mächtigſten Ausdruck ſeiner politiſchen und menſchlichen Ueberzeugungen blieb er immer dem Charakter des ſchlichten, populären, gutmüthigen Chanſonnier treu.
Neben dieſem realiſtiſchen Zuge derber Lachluſt und feiner Beobachtung lebt in dem nationalen Charakter der Franzoſen noch ein anderer, welcher namentlich im Mittelalter in Dichtung und Proſa äußerſt lebhaft hervortritt, welcher aber ſeit der Renaiſſance durch den academiſchen Ton, die klaſſiſche Rhetorik zurückgedrängt wurde; es iſt der naive, liebenswürdige, ſubjektive Ton, jenes anmuthige Sich⸗ gehenlaſſen, jene entzückende Unbefangenheit und Nachläſſigkeit, welche in den proſaiſchen Schriften Montaigne's und Amyot's noch heute die Bewunderung erregen, als deren unnachahmlicher Repräſentant in der Poeſie Lafontaine daſteht. In ſeinen Fabeln wie in Béranger's Liedern ſtrahlt der ächt franzö⸗ ſiſche Geiſt in ſeiner Reinheit, Naturfriſche und Unmittelbarkeit. Während das Zeitalter und die großen Schriftſteller ihre Welt nur in den Hofgemächern ihres Königs, den Salons, der Akademie fanden, ward Lafontaine von den Blumen des Feldes, dem Geſang der Vögel angelockt, konnte ſtundenlang dem Lauf eines Bächleins zuſchauen oder ſich in die Debatten und Spiele einer Schafheerde vertiefen; daher auch jene friſche und naturwahre Farbe in ſeinen Fabeln, in welchen die Subjectivität des Franzoſen und die Bonhomie des Menſchen Natur und Menſchenleben ſo unvergleichlich ſchön vermengt. In der


