Trieben Mass und Form gibt, und überhaupt die wahre Sittlichkeit erst möglich macht, so vermag sie hinwieder auch ihrerseits nur im Verein mit der ethischen Tugend sich zur Fertigkeit zu entwickeln; denn nur der sittlich Tüchtige erkennt den Zweck und das Beste, die Schlechtigkeit fälscht die Prin- cipien( οαααα ντσανmõMʳεᷣνς) und führt auf Abwege. Daher ist in Wahrheit nur der Gute vernünftig, und nur der Vernünftige gut ¹²⁵).— So bildet die pövnoig die höhere Einheit, in der alle übrigen(nur der Naturanlage nach trennbaren) Tugenden als Momente enthalten sind 126).
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Einsicht in’s Einzelne bei'm sittlichen Handeln die Hauptsache ist, wesshalb auch die Fertigkeit des praktischen Geistes nicht der Jugend eignet ¹²⁷), und man auf die unbewiesenen Ansichten erfahrener, älterer und vernünftiger Männer nicht minder als auf Beweise zu achten hat, weil diese aus der Erfabhrung den richtigen Blick für die Principien haben (did τ mνᷣεν εέν ij eν ενεεμας εμη̈α νρισ ασς ⁴ρννας) 12). Zwar muss selbstverständlich die Klugheit auch das Allgemeine besitzen, doch vermag dieses, das Wissen um das Sittengesetz, für sich allein zur tugendhaften Thätigkeit keineswegs zu genügen ¹²⁸⁹), wie Sokrates irrig annahm. Denn für's erste kann das Wissen auch ein ruhender Besitz sein, so dass es im vorliegenden Falle gar nicht in's Bewusstsein tritt. Ferner kann es, da alles Handeln wie ein Schlussverfahren zu Stande kommt 1¹³⁰), selbst wenn der dem Wissen entnommene allgemeine Grundsatz präsent ist, gleichwohl geschehen, dass aus Unkenntniss des Besonderen, welches den Inhalt des Untersatzes(riüc treνα xoraενς) bildet, gefehlt wird,— oder auch, dass das Besondere zwar gleichfalls erkannt ist, aber die Subsumtion unter das Allgemeine unterbleibt, weil die Vernunft(wie es bei dem Unenthaltsamen geschieht) von der nach dem gegenwärtigen Genusse hindrängenden Begierde überwältigt wird 13¹). Diese Fälle zeigen deutlich, dass mit dem theoretischen Wissen ohne Kenntniss des Einzelnen und ohne Beibülfe der Gewöhnung in der Praxis wenig auszurichten ist.
In dem Porskehenden haben wir die Praktische Weisheit von Seiten ihrer allgemeinen Wirksam-
werde.„oðg u. po. sind vielmehr synonym u. bezeichnen an beiden Stellen ein u. dassolbe— das unvermittelte Ergreifen des Zweckes. Darum ist auch die alo ο c. 8, 9 ganz in demselben Sinne zu nehmen, wie c. 11, 5. Es wird nämlich, wie der Zusammenhang zeigt, an ersterer Stelle nicht der voðg, insofern er das einzelne r,c instinctiv erfasst, der(speciellen) Pp welche auf die Mittel geht, gegeniber gestellt, sondern der voðς Se6ομνενασ als das Vermöͤgen, welches die ersten Principien des Wissens enthält, steht im Gegensatze mit der(allgemeinen) FPo d. h. mit dem„oε⁹ςσ aαmeνα⁸„ der auf das Letzte od. concrete Einzelne im Handeln gerichtet ist. Wie die 5004 dem 16„: so sind die oo‿r der eισmρν unerreichbar; beide erfordern ein intuitives Ergreifen durch den rose, je nach seiner theoret. oOd. prakt. Seite, u. die Tugend der letzteren ist die Pebrnots.— 125) E. Nic. VI, 13, 6 Ou* 06 Te A*α⁴b» Ivα κηνρεοσ dνεr oppovigeos. 05 5 T& ν Q Q˖ ον dvev rie iSixis Aperig.— Was den stets gegen A. wiederholten Vorwurf betrifft, das Verhultniss zwischen dpei u. Gp. bilde einen Zirkel, so macht Trendelenburg(a. a. O. p. 385) gegen diese Behanptung zwei Gründe geltend, welche jedes Bedenken beseitigen müssen. 1. Die dperi u. ꝙpp. haben einen gemeinsamen Ursprung u. stehen in Wechselwirkung mit einander. Sie werden u, wachsen eine mit der andern; daher erscheint, wenn sie ausgebildt sind, die eine durch die andere vol- lendet. 2. Die werdenden Tugenden des jüngeren Geschlechtes haben die cfo. des älteren zu ihrem Prius, u. es ist die Aufgabe der Erziehung die Kinder von früh an dahin zu bringen, dase die Gefhle der Lust u. Unlust keine falsche Richtung nehmen. Vgl. E. Nic. II, 4.— 126) E. Nic. VI, 13, 6.— 127) E. Nic. VI, 8, 5.— 128) E. Nic. VI, 11, 6.— 129) E. Nic. VI, 7, 7; de An. III, 11. 434, a, 20.— 130) De Motu animal. 7. 701, init.; de An. III, 11. 4384, a, 7.— 131) E. Nic. VII, 3, 6— 12; de An. III, 10. 433, b, 5.


