mit Hegel zu reden ⁴), die Lehre von den Tugenden das Besondere, auf Naturbestimmtheit Gegrün- dete des Charakters umfasst, wird sie zu einer geistigen Naturgeschichte. 1 1 Begriff der Tugend. Wir haben oben gesehen, dass die Tugend kein natürliches Vermögen (doεεε) sein kann. Eben so wenig ist sie ein Affect(xα⁴ιοσ); denn das Vermögen ist die Möglich- keit des Affectes, und dieser hinwieder das wirklich gewordene Vermögen. Beide haben also eine gleiche Basis— die Natur. Daher trifft auah den Affect als solchen weder Lob noch Tadel, während der durch die menschliche Freiheit auf gewisse Weise bestimmte Afkect gelobt wird. Da es nun ausserdem unter den Zuständen der Seele nur noch bleibende Beschaflenheiten oder Fertigkeiten(eseuε˙ ⁹⁶) gibt, welche die Art unseres Verhaltens in den Affecten— ob es nämlich gut oder schlecht ist— bedingen; so müssen die Tugenden solche Fertigkeiten sein. Dass die Tugend im Allgemeinen die Vollendung der eigenthümlichen Natur eines jeden Dinges 96), die des Menschen also eine Fertigkeit ist, wodurch er selbst gut wird und das ihm obliegende Werk gut vollbringt, wurde bereits oben bemerkt; worin aber ihr Wesen bestehe, wird sich aus folgendem ergeben.— Bei jedem Dinge, das unter den Begriff einer Grösse fällt, lüsst sich ein Mehr und ein Weniger nehmen, und ein Gleiches, welches die Mitte zwischen den beiden Extremen bildet, und zwar in objectiver wie in subjectiver Hinsicht. Objectiv oder auf das Ding selbst bezogen, ist diese Mitte eine arithmetische und für alle eine und dieselbe; subjectiv dagegen ist sie eine verhältnissmässige(geometrische), und nach den einzelnen Personen verschieden. So ist zwischen zwei und zehn sechs das arithmetische Mittel; aber, subjectiv gefasst, kann dies Mittel, als Mass eines beliebigen Dinges(2z. B. Nahrung, Leibesübungen u. s. w.) genommen, dem einen nach seiner Indiviqualität genügend sein, während es einem andern noch nicht genügt, oder auch zu viel ist. So gibt es nun auch in allen Affecten und Handlungen ein Uebermass und einen Mangel, welche beide fehlerhaft sind, und eine Mitte, welche das Beste ist. Denn überall, im Gebiete des Sittlichen nicht minder als in Natur und Kunst, zeigt sich die Mitte als das erhaltende und fördernde Princip ²*), während die Extreme einen schädlichen und zerstörenden Einfluss äussern. Eine solche Mitte nun ist die ethische Tugend, indem sie bestimmt, wann, worüber, gegen wen, warum und wie ein Affect sich äussern soll, und ebenso verhält sie sich auch zu den Handlungen. Die Extreme des Zuviel und Zuwenig sind die Laster, welche unter sieh und zu der Tugend als Mitte im Gegensatze stehen ⁹s). So ist, um einige Beispiele anzuführen, Tapferkeit(4ννρεα* die Mitte zwischen Verwegenheit(Spaou⁸ς) und Feigheit(dsu³ε⁴ια), Freigebigkeit(euseptor) 2wi- schen Verschwendung(aoœσ³α) und Filzigkeit(dveaerSeao), Mässigung(6 cG»zu„) zwischen Zügel-
das Sprüchwort sagt, lüuten hören, ohne zu wissen, wo die Glocken sind.«— In andern Schriften werden die Mel- von A. noch erwühnt: de Mem. 2. 453, a, 14; de Insomn. 3. 461, a, 14 3⅞ de Div. p. somn. 2. 463, b, 15; 464, a, 32; E. Nic. VII, 7, 8; 10, 3.— 94) Hegel's Rechtsgeschichte p. 216; Biese II, 307.— 95) Ueber den Unterschied von 28 ½ u. J⁴. ˙ ½ s. Categ. 8. 8, b, 27 Jαmέοε L816 Jαπειμεοιέόσ 10 ro* Xporτeov elyar ea Loνε G6εεο τοιννναι Jðᷣνυ αχ 1eu ft an ανι α dperal.... Ja Seori 98⁸ Atonas, d soπνιν mενᷣεπννa παeρν ενα⁵ναᷣοινπισαν doν eννα ασœ ρνᷣεmσςα, aab„⁴oos var vrteua Mi.— 96) Phys. VII, 3. 246, ap 13... dperh reXeεα Ʒαρ Gran Tp Aäßh rin, Hauros dpenty, rör³ Niera- rEA 0»„ ixαονσο 1423 1⁴ μἀιισ⁴ εοmσσ⁷ꝙα⁵ α qpbο‿ιν.) lla opä oiron al Leoαασσα‿ ib. b, 8.— Vgl. Cic. de Leg. I. 8. Est autem virtus nihil aPnd, quam in au perfecta et ad summum perdueta natura. Mi.— 97) De Part. an. II, 7. 652, a, 31; de Mem. 2. 452, a, 17.— 98) E. Nic. II. 57.


