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wenn man schweres und wiederholtes Missgeschick mit Leichtigkeit erträgt, nicht aus Gefühllosigkeit, sondern aus edler und hochherziger Gesinnung. Entscheiden aber, wie gesagt, die Thätigkeiten über das Leben, so dürfte wohl kein Glückseliger je elend werden, denn nie wird er das Hassenswerthe und Schlechte thun; vielmehr wird der wahrhaft gute und verständige Mann nach dem Masse seiner Mittel stets das Schönste zu leisten wissen, gleichwie der gute Feldherr das ihm zu Gebote stehende Heer für den Krieg auf'’s beste verwerthet, und der Schuster aus dem vorliegenden Leder die besten Schuhe verfertigt. Ist nun dem also, so wird der Glückselige nimmer elend sein; aber er wird seine Seligkeit auch nicht behaupten können, wenn Priamische Schicksale über ihn hereinbrechen. Jedoch ist er darum nicht veränderlich und wandelbar; denn sowie er sich sein Glück nicht leicht und nicht von jedem Windstoss zertrümmern lässt, so wird er auch— wenn überhaupt— das verlorne nur wiedergewinnen, nachdem ihm während eines langen Zeitraums Grosses und Schönes zu Theil ge- worden ist.
Auf diese Weise stellt A. im ersten Buche seiner Ethik die Seligkeit des in sich gefesteten, seiner Tugend gewissen Mannes der Wandelbarkeit des Glückes gegenüber; in andern Stellen desselben Werkes, sowie namentlich in der mehr auf'’s Praktische gerichteten Politik, weist er nun noch besonders nach, dass es zur Glückseligkeit keineswegs ausserordentlicher Mittel bedürfe 5).) Wenn gleich nämlich die Tugend, soll sie im Leben sich auswirken, in gewisser Hinsicht von äusserer Begünstigung abhängig ist, so wird doch auf der andern Seite das Mass derselben durch sie bestimmt. Denn die äusseren Güter sind als Werkzeuge wie alles Nützliche durch den Zweck begränzt ⁴), ein Uebermass derselben ist sonach entweder schädlich, oder muss wenigstens aufhören nützlich zu sein. In dieser Beziehung haben edlere Naturen ein Doppeltes vor minder tüchtigen voraus, indem sie einerseits ein grösseres Quantum von Gütern als diese dem höchsten Zwecke entsprechend zu verwenden verstehen, andrerseits aber ein geringeres nöthig haben ⁵⁵), um ihr Leben schön zu gestalten. Denn nicht in der Ueberfülle liegt das Sichselbstgenügen ⁵); auch ohne dass man über Land und Meer gebietet, mit mässigen Mitteln, vermag man das Schöne zu thun. So fasste Solon den Begriff des Glückseligen, und auch Anaxagoras scheint nicht den Reichen und nicht den Herrscher im Auge gehabt zu haben, wenn er von dem Glück- seligen sagt: er wundere sich nicht, wenn ein solcher der Menge lächerlich erschiene ⁷),— denn diese lässt sich in ihrem Urtheil bloss durch das Aeussere leiten.— Glückselig wird sonach derjenige zu nennen sein, der während eines ganzen Lebenslaufes bis zu seinem Ende der vollendeten Tugend gemäss thätig, und hierzu mit äussern Gütern hinlänglich ausgestattet ist 5s).
Bis jetzt haben wir die Eudämonie im Allgemeinen erörtert und nawentljeh diczenige Wonu. der- seibgn, welche das praktische Leben angeht und durch Bethätigung der ethischen Tugenden erlangt wird. Aber die ethischen Tugenden gehören dem untergeordneten Seelentheile an; sie sind in mancher Hinsicht von der Beschaffenlieit des Körpers abhängig 59), und wenn gleich der Geist das Bestimmende für sie ist, 80 ist es dfe Bſs TrAuttfache Peichteo also Vielfach mit dan MMateriellen, verflochtene und
— 153) E. Ne. X, 8, 95 Lal VI. 13 Iy, u.— 54) Pal. VII, 15 I, 8. 1256, be 31; veb 1257, 9, d, 25. 36) Ib. VII, 13. 1331, b. 41.— 56) E. Nic. X, 8, 9.— 57) S. E. Eud. 1, 4,1215, b, 63 Val. Max. VII, 2, 12.— 58) E. Nic. I, 10, 15 9 ½ ao*e Aerεν 2uqaihoa, ròy aar Aperd» TeAelaν Leeoa, Alαbπονςα εμιμ⁸ς araSois iaaνς eeopnnon„ Auh d rvxoe XO6„νον⁄ςιἀ τινεαιοο εενι 5ꝓo0,e reoν, l*³ 8 G6, eoν oıτ al τeleuroeνυνυα uαd 267u3.— 59) E. Nic. X, 8, 2, u. 3. 3


