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Liegt der Erregungspunkt in der Mitte des Fadens, so nimmt den letztere beiderseits sym- metrische Bewegungen und Formen an, im entgegengesetzten Falle sind dieselben unsgmmetrisch. — Zuwischen zwei benachbarten 5) Schwingungen sind unzählich viele Ubergangsformen möglich, da man die Erregungsstelle in der beliebigsten Weise verändern kann.
Wenn Melde solche Resonanzschwingungen, bei denen die Halbwellen möglichst vollkommen ausgebildet sind, Eigenschwingungen nennt, so muss doch betont werden, dass das nach unserer Auffassung nicht genau zutreffend ist. Allerdings wählt der„Erreger“ bei geeigneter Lage des Vibrationscentrums aus der Unzahl der Übergangsformen in gesetzmässiger Folge solche Formen aus, welche die täuschendste Ahnlichkeit mit Eigenschwingungen haben, jedoch gewissermassen nur Grenzfälle der i'bergangsformen sind. Niemals aber kann es Ubergangsformen zwischen wirk- lichen Eigenschwingungen geben.
Nayleigh sagt(Bd. I, S. 208):„Es ist nicht leicht, eine solche Anordnung zu treffen, dass eine Saite von einer Kraft von gegebener Grösse ⁵⁷) dauernd angegriffen wird. Die beste Methode ist vielleicht die, eine kleine Eisenmenge anzuhängen, die periodisch von einem Elektromagneten angezogen wird“. Im Verlaufe der angeführten Arbeit liefert Melde eine solche Anordnung, auf die ich hier ganz besonders hinweisen möchte.
Es erübrigt noch, in kurzen Sätzen die Resultate unserer Untersuchung zusammenzufassen. Ich ordne sie hier nach ihrem inneren Zusammenhang, während sie oben, je nach dem Gesichts- punkte des betr. Abschnittes, oft sehr auseinander gerissen erscheinen mochten:
1. Resonanzschwingungen gespannter Saiten können erzeugt werden, wenn man einen oder mehrere Punkte derselben irgend einer äusseren periodischen Kraft(durch einen Erreger) unterwirft.
2. Die Periode solcher Vibrationen ist gewöhnlich diejenige des Erregers, kann aber auch grösser oder kleiner sein.
3. Man unterscheidet primäre, sekundäre und tertiäre Resonanzen, je nachdem ihre Periode 2 7, T oder ½ T ist, wenn T die Periode des Erregers bezeichnet.
4. Während des einen Teils der Periode empfängt die Saite Energie vom Erreger, während des übrigen Teils gibt sie diese Energie wieder ab.
5. Schwingungszahl und Knotendistanz einer jeden vollständig ausgebildeten Halbwelle der Resonanzschwingung befriedigen Taylors Formel, wenn der Einfluss der inneren Steifigkeit nicht zu gross wird.:
6. In der resonierenden Saite treten auch Eigenschwingungen auf, d. h. solche Bewegungen, welche entstehen würden, wenn die Saite mit festen Enden für sich vibrierte. Sie werden ge- wöhnlich durch die intensiveren Resonanzwellen verdeckt.
7. Die Koexistenz von Eigen- und Resonanzschwingungen lässt sich graphisch nachweisen, auch gelingt es, beide experimentell von einander zu scheiden.
8. Die Saiten zeigen bei allen Spannungsgraden Resonanzschwingungen, am deutlichsten dann, wenn die Periode des Erregers nahezu gleich der Periode eines Eigentons ist. Die auftretenden Wellen sind nicht mit einer Eigenschwingung zu verwechseln.(Auswählende Resonanz.)
56) Melde gibt Zeichnungen von Schwingungsübergängen bei Fäden mit 1 bis 5 Halbwellen. ⁵1) Zur Erzeugung von Resonanzschwingungen.


