Aufsatz 
Über Resonanzschwingungen gespannter Saiten / von Dr. Heinr. Karl Müller, Gymnasiallehrer
Entstehung
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Beobachtung Gripons that. Ich stimme daher der Ansicht des letzteren bei: Es gelingt, die beiden durch die Theorie angezeigten Beiegungen, Resonanz- und Eigenschwingung, von einander zu iso- lieren. Letztere verschaowindet geuöhnlich fast ganz, besonders bei starken Spannungen, und es bleibt erstere zurüch. Aber auch dann kann man sie wieder hervorrufen, awenn man, besonders bei schwachen Spannungen, den Erreger heftig vibrieren lässt. Dabei können die Resonaneschoingungen sogar ganz eurücktreten. 4

Gripon hat nun die Eigenschwingungen auch mit dem Ohre untersucht, indem er stärkere Drähte verwandte, und fand folgende Thatsache, die besonders bei dem Grundton der Eigen- schwingungen ¹⁴⁵) hervortrat: Der Eigenton ist immer tiefer als der Stimmgabelton; er tritt nur dann kräftig auf, wenn er sich nicht zu sehr vom Tone des Erregers oder dessen tieferen Oktave ent- fernt. Man sieht die eine Beivegung(Resonanzbewegung) gewähnlich zuerst auftreten, doch kann sich die andere(celui qui dépend de l'ëtat initial, Eigenschzwingung) ebenfalls sofort deutlich ausbilden. Damit ist allerdings Duhamels Ansicht besser bestätigt, als er selber dachte. Ich habe schon oben betont, dass in der That der Grundeigenton der Saite etwas tiefer sein muss als der Gabelton, wenn überhaupt schöne Resonanzen auftreten sollen. Es zeigt sich nun hier, dass beide Schwing- ungen recht wohl koexistieren können. Das dritte, jetzt folgende Gesetz Gripons aber giebt dieser Auffassung den höchsten Grad der Gewissheit.

Wir haben oben Seite 10 und 11 gesehen, dass Bourget einen singulären Fall der Resonanz- schwingungen, welcher Duhamel entgangen war, untersuchte. Er veranlasste damals Gripon, in seinen Experimenten auch diesem theoretischen Resultate Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn nämlich die Schwingungszahl des Erregers gleich oder ein genaues Fielfaches der Eigenschwingungen der Saite ist, und wenn alsdann die Theorie illusorisch wird, so muss dieser mathematischen Dis- kontinuität auch eine physikalische entsprechen: Lässt man die Saite genau unisono mit dem Er- reger(Stimmgabel) und setet letzteren in Thütigkeit, so entstehen keine Resonanzschwingungen, welche ja unisono mit der Gabel sein müssten, sondern Eigenschwingungen, deren Ton tiefer ist. Meist bildet sich plötelich nur eine einzige Welle, die auch sehr rasch wieder verschawindet, während die Gabel trotz des heftigsten Strichs sofort verstummt. Dieselben Gesetze gelten, wenn die Gahbel mit einem Partialeigenton der Saite genau unisono ist.

Überhaupt tritt der Ton sozusagen störrisch auf und ist sogar häufig noch tiefer als der Eigenton der Saite verlangt.Les deux corps échappent ainsi, en quelque sorte, à la condition que le calcul impose à la corde, d'avoir dans ces cas une amplitude infinie. Ohne die mathe- matische Analyse würden allerdings solche singuläre Erscheinungen unerklärlich sein, und sie sind, wie Bourget sagt,l'une des démonstrations les plus remarquables de la précision atteinte par la théorie de l'élasticité dans les phénomènes acoustiques.

Die dieser Arbeit vorgesteckten Grenzen gestatten nicht, näher auf die Untersuchungen ein- zugehen, welche Gripon mit Hülfe der Meldeschen Erregungsmethode an dünnen Stäben augestellt hat. Er nimmt zu diesem Zwecke Stäbchen aus Metalldraht etc., ganz ähnlich, wie der belgische

¹⁵) Selbst Partial-Eigentöne können deutlich hörbar sein.