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eines grösseren Stabes festkittet und longitudinal erregt, so zeigt der Stab Transversalschwingungen. Es war Savart auffallend, dass durch die raschen Vibrationen des Stäbchens die viel langsameren des Stabes erzeugt werden konnten. Allerdings wird aus seinen Auseinandersetzungen nicht recht klar, ob das Stäbchen zcirkliche Longitudinalschwingungen ausführt, oder ob es blos als Träger für die sog.„Reibungskräfte“ dient. In der That vergleicht er die Wirkung mit der Thätigkeit des Violinbogens, so dass es sich einfach um die Theorie des„Streichstäbchens“ handeln dürfte. In meiner Abhandlung über Membranen ²⁰⁸) habe ich darauf aufmerksam gemacht(S. 24), dass schon Weber ²¹) die Wirkungsweise des Streichstäbchens erkannt und bei einigen Versuchen angewandt, hat. Da aber Savart eine entscheidende Ansicht nicht kundgibt, so bemächtigt sich Duhamel des Gegenstandes und bearbeitet ihn in der fruchtbarsten Weise. Anknüpfend an die Wirkungsweise des Violinbogens, dessen Theorie er in so eleganter Weise gegeben hat, erkennt er sofort, dass hier periodisch wirkende Reibungskräfte im Spiele sind. Longitudinale Erschütterungen des Stäb- chens bilden nicht die Erregungsursache des Stabes, es darf vielmehr das Streichstäbchen absolut starr sein. Man hat in demselben lediglich den äusseren Träger, die Handhabe, zu suchen, wodurch die Reibungskräfte übertragen werden. Duhamel macht daher den richtigen Schluss, dass man die periodisch wirkende Kraft auch direkt an irgend einem Punkte des Stabes anbringen darf. So wird denn Savarts Experiment in der mannigfaltigsten Weise variirt und vereinfacht. Schliesslich sehen wir an Stelle des Stabes eine Saite und an Stelle des Stäbchens eine tönende Scheibe.
Offenbar waren die erhaltenen Resonanzvibrationen von geringer Amplitude, denn Duhamel sah sich veranlasst, dieselben nach der von ihm erfundenen Methode ²*) auf einer geschwärzten Glasscheibe graphisch aufzunehmen. Indem er nun die Diagramme der Saite und der erregenden Scheibe mit einander verglich, gelangte er zu folgendem Resultat:
Die Beiwegung der Saite resultiert aus der Superposition von zwei deutlich ausgeprägten Lin- zelschwingungen. Die erste ist die Eigenschawingung, das heisst diejenige, welche entstehen würde, wenn die Saite, an beiden Enden festgeklemuit, für sich vibrierte. Die zweite ist ebenfalls periodisch und von der Schowingungsdauer des Erregers. Allmüählich verschawindet die erste Komponente, während die zweite mit der grössten Regelmässigkeit bestehen bleibt, so lange der Erreger schvingt. Bei dieser Beuwegung(die wir als Resonanzbewegung bezeichnen), bilden sich Knoten, wenn die Saite derartig gespannt ist, dass sie für sich langsamer schwingt als der Erreger. Schwingt dagegen die Saite rascher als der Erreger, so liegt die Sache so, als ob die Saite über das Erregungscentrum hinaus verlängert und dort bifestigt wäre(a. a. O. S. 117).
Wir finden hier schon einige Hauptgesetze, wenn auch nur andeutungsweise, so entwickelt, wie sie Melde für die sog. Transversalstellung aufgestellt hat. Es treten natürlich nur dann Knoten auf, wenn die Saite niedere Spannungen besitzt, also für sich langsamer schwingt als der
2⁰) Melde, Akustik, S. 113.
2¹) Schweigger-Seidels Journal, Bd. 14 d. n. F. S. 428, 1825. Auch Duhamel giebt auf S. 115 und 116 seiner Abhandlung interessante Gesetze. die zunächst nur für den Violinbogen entwickelt sind, aber ebenso gut für das Streich- stäbchen Anwendung finden. 1
²²) Der erste Erfinder der Vibrographie ist eigentlich Wilhelm Weber, vergl.: Melde, Lehre von den Schwingungs- kurven. Leipzig, Barth., 1864, S. 83.
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