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von Kundts Luftwellen in Röhren nähert. Schon früher ¹⁴) habe ich auf die merkwürdige Überein- stimmung der letztgenannten Phänomene hingewiesen.
Die Litteratur über Meldes Fadenschwingungen ist seit 1860 recht stattlich angewachsen, und es sind hauptsächlich die Arbeiten von Valérius, Gripon, Bourget und Postula, welche nam- hafte Erweiterungen geliefert haben. Ich ging daher schon seit einigen Jahren mit der Absicht um, die mannigfaltigen Darstellungen zusammenzufassen, zu sichten und für weitere Untersuchungen zu verwerten. Die meisten Physiker ergänzen Meldes Versuche und bemühen sich, dieselben nach den verschiedensten Richtungen hin zu erklären, nur wenige ewiderlegen die Auffassungen des Ent- deckers. Das Erscheinen einer neuen Schrift ¹⁷) brachte meinen Entschluss zur Reife, denn es fand sich hier eine auffallende Unbekanntschaft mit den wichtigsten einschlagenden Arbeiten. In den fol- genden Blättern, die auch mancherlei neue Beobachtungen und Entwicklungen darbieten werden, lege ich weniger Gewicht auf glänzende Demonstrationsversuche(Tundall),— nur gelegentlich werde ich auf die Erläuterung der Gesetze von Eigenschwingungen durch Resonanzschwingungen zu sprechen kommen,— vielmehr hebe ich nur diejenigen Untersuchungen hervor, welche der
schärferen wissenschaftlichen Erklärung meist unter dem Aufwande der feinsten Hülfsmittel ge- dient haben.
II.
Savarts Experiment. Duhamels und Rayleighs mathematische Theorie.
Es ist interessant, dass schon im Jahre 1843 der französische Physiker Dahamel die mathe- mathische Analyse derjenigen Fadenschwingungen gab, die später Melde auf ganz anderem, rein expe- rimentellem Wege und unter wesentlich verschiedenen Gesichtspunkten wiedderentdeckt hat. In dem„Memoire sur un phénoméne relatif à la communication des mouvements vibratoires“ ¹s) geht Duhamel aus von der hochwichtigen Untersuchung Savarts: Sur la communication des mouvements vibratoires. ¹*) Dieser unermüdliche Experimentator, welcher hier die Grunderscheinungen der Re- sonanz in seltener Ausführlichkeit, aber leider ohne die richtige Auffassung demonstrierte, hatte eine jetzt wohlbekannte Erscheinung beobachtet: Wenn man ein Stäbchen senkrecht zur Längsrichtung
¹6) Untersuchungen über die Tonhöhen der Transversalschwingungen poröser Gipsstäbe. Pogg. Ann. Bd. CLV, 1875, S. 494.
¹7) Elsas, Ueber erzwungene Schwingungen weicher Fäden. Inaug.-Diss., Würzburg, 1881, 39 S. Verl. von Fassbender, Elberfeld.
¹8) Liouville, Journal de Math. pures et appliquées, tom. VIII, 1843.
¹⁰) Ausserdem gehört noch zur richtigen Auffassung von Savarts Experimenten das umfangreiche„Mémoire sur les vibrations des corps solides en général“ Ann. de Chim. et de Phys. tom. 24, p. 56— 89, u. tom. 25, p. 12— 50, 138— 178, 225— 269, 1824. Ferner„Note sur les modes de division des corps en vibration“, ibid. tom. 32, p. 384 etc. — Im Anschluss daran entwickelte sich die oben erwähnte Unterscheidung der Re sonanz- und Eigenschwingungen von
Seiten Webers, welcher in den citierten Aufsätzen(Schweigger-Seidels Journal) treffliche Auszüge der Savart'schen Ar- beiten in deutscher UÜbersetzung gab.


