Aufsatz 
Eduard Gottlieb Ernst Sander. Ein Lebensbild
Entstehung
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VI

Feſtgruß 3

an meine ehemaligen Herren Lehrer. Ich kleide meinen Liebesgruß in Töne, Das Nützliche, das Gute und das Schöne! Daß er Euch deſto voller möge klingen, Man ſieht die Welt nach gold'nen Gütern greifen, Ein volles Herz will ſeinen Jubel ſingen, Deer ſchnöden Gunſt des Augenblicks zur Fröhne, Daß es des Dranges Ungeſtüm verſöhne. Und jeder vegetirt nach ſeiner Weiſe. O daß der Himmel Euer Wirken kröne, Ihr aber lebt: denn Eure Thaten reifen! Die Ihr da pflegt zu kräftigem Vollbringen Heeil Euch, Heil jedem Eurer Pflegeſöhne! Drei Güter, die des Lebens, Werth bedingen: Heil dreimal Euch und Eurem Jubelkreße

Die Vermehrung der Lehrmittel, der Sammlungen und der Bibliothek der Real⸗ ſchule hat Sander ſtets nach Kräften angeſtrebt. Für den Unterricht in Phyſik und Chemie wurden erſt unter ſeiner Leitung die wichtigſten Apparate angeſchafft, und die naturwiſſenſchaftlichen Sammlungen, denen ſeine aus Indien zurückgekehrten Söhne eine große Anzahl ſehr werthvoller Repräſentanten eines Theiles der dortigen Fauna einver⸗ leibten, in einen ſolchen Stand geſetzt, daß wenige Anſtalten aufzuweiſen ſein dürften, die ſie in ähnlicher Weiſe beſitzen. Die Lehrer⸗ und die Schülerbibliothek wurden theils durch Anſchaffungen, theils durch Geſchenke und Erbſchaften von ihrem urſprünglichen geringen Beſtande auf 3811 Bände und Hefte vermehrt.

Daß ſich die Realſchule unter Sander's Leitung auch der Anerkennung und des Vertrauens einſichtsvoller Bürger zu erfreuen hatte, beweiſen noch ganz beſonders zwei namhafte Vermächtniſſe, nämlich dasjenige des verſtorbenen Tabaksfabrikanten, Herrn Carl Gräff IJ. im Betrage von, 1000 fl. und ein anderes der Eheleute Joſeph. Meyer im Betrage von 3500 fl., beide zur Unterſtützung der Söhne armer oder wenig bemittelter Bewohner von Bingen. In der Urkunde zu letzterem iſt als Veran⸗ laſſung deſſelben die Wahrnehmung angegeben, daß ſchon mehrfach Schüler, welche die Realſchule beſucht hatten, ſich leichter zu ehrenvollen Lebensſtellungen emporgeſchwungen hätten; man wolle daher auch ärmeren Schülern hierzu Gelegenheit geben. Ein von dem verſtorbenen Director der Gewerbſchule in Darmſtadt, Dr. Külp, vorliegender Brief an Sander enthält die anerkennendſte Beurtheilung von Schülern der Bingener Realſchule, welche in die Gewerbſchule übergetreten waren.

Daß die lange Jahre geringe, erſt in der jüngſten Zeit namhaft aufgebeſſerte Beſoldung Sander's bei deſſen zahlreicher Familie unzureichend war, iſt ſelbſtverſtändlich, und er war deßhalb genöthigt, durch ſchriftſtelleriſche Arbeiten und Privatſtundengeben ſein Einkommen zu vermehren. Unter ſo andauernden und aufreibenden Anſtrengungen, wobei häufig die Nächte noch in Anſpruch genommen werden mußten, war es natürlich, daß trotz des kräftigen Körperbaues Sander's ſeine Geſundheit ſchon im beſten Man⸗ nesalter erſchüttert wurde. Im Jahre 1857 hätte er ſeine Lage namhaft verbeſſern kön⸗ nen, wenn er einer Berufung an die Handelsakademie in Wien Folge geleiſtet hätte. Er war aber mit der Realſchule, ſeinem Schmerzenslinde, bereits ſo verwachſen, daß er, da ihm auch der Gemeinderath von Bingen eine Zuloge von 150 fl. gewährte, in ſeinem ſeitherigen Wirkungskreiſe verblieb.

In Bezug auf ſeine ſchriftſtelleriſche Thätigkeit verdient angeführt zu werden, daß er Mitarbeiter an der bei Brockhaus in Leipzig erſcheinenden großen Encyclopädie von Erſch und Gruber war. Er hat für dieſelbe eine Geographie und Ge⸗ ſchichte von Italien und eine Abhandlung über die italieniſchen Fürſten, des Namens Karl geſchrieben. Als Mitarbeiter an der von Dr. Külb, früherem Stadtbibliothekar in Mainz, in Verbindung mit mehreren Geſchichtsforſchern herausgege⸗