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benen„Bibliothek der neueren Geſchichte“, hat er für dieſe 1846 eine Ueberſetzung der Geſchichte Italiens von Franzesco Guicciardini geliefert. 1850— 1853 erſchienen die Annales Bingensoes, von Sander zum erſtenmale herausgegeben nach Handſchriften des Malers Joh. Scholl aus dem Jahre 1613.— Zu Anfang der fünfziger Jahre lernte Sander den berühmten Statiſtiker Freiherrn von Reden kennen, und beide ſchloſſen eine Freundſchaft, wie ſie ſel⸗ ten bei Männern ſolchen Alters noch geſchloſſen wird. In ihren Unterhaltungen über wiſſenſchaftliche Gegenſtände begegneten ſich ihre Anſichten über den Unterricht in der Geographie, und beide einigten ſich dahin, ein geographiſches Werk in 3 Theilen heraus⸗ zugeben. Der Plan zu demſelben war dahin feſtgeſtellt, daß Sander den erſten Band, die mathematiſche Geographie und den größten Theil des 2. Bandes, die phyſiſche Geographie, bearbeiten, dagegen Freiherr v. Reden den die Anthropographie behandelnden Abſchnitt des 2. Bandes und den 3. Band, die politiſche Geographie, übernehmen ſollte. Durch den am 12. Dez. 1857 er⸗ folgten Tod des Frhru. v. Reden iſt das Unternehmen, dem bei den ungewöhnlichen geographiſchen Kenntniſſen beider Autoren und bei der Berühmtheit des Frhrn. v. Reden, jedenfalls ein glücklicher Erfolg nicht gefehlt hätte, nur in ſoweit zur Ausfüh⸗ rung gekommen, daß blos der erſte Theil erſchien.. Als guter Bürger nahm Sander an den Angelegenheiten der Gemeinde und des Staates, in denen er wirkte, ſtets lebendigen Antheil, und ihr Wohl und Wehe fanden in ſeinem Herzen Wiederhall. Er erfüllte ſeine Pflichten gegen beide gewiſſenhaft und trug in ſeinem Kreiſe zum Gemeinwohl nach Kräften bei. Um den Uebeln, die als Ge⸗ folge der Noth und des Elendes in jeder Gemeinde mehr oder weniger vorkommen, ſteuern zu helfen, ſcheute er keine Mühe und Arbeit. Zwei ſegensreich wirkende Vereine ſind recht eigentlich ſein Werk, nämlich der Peſtalozzi⸗Verein für den Kreis Bingen zur Erziehung verwahrloſter Kinder und der Kranken⸗ unterſtützungs⸗Verein. Erſteren gründete er in Verbindung mit einigen hie⸗ ſigen Lehrern am 12. Januar 1846, dem Säkularfeſte der Geburt Peſtalozzi's; und während die meiſten damals gegründeten Vereine dieſes Namens von keiner Dauer wa⸗ ren, hat ſich der hieſige von ſeinen unbedeutenden Anfängen bis heute mehr und mehr gehoben, ſo daß er jetzt ein Vermögen von circa 4000 fl. beſitzt und jährlich 20— 26 Zöglinge unter ſeiner Obhut hat. Sander hat zum Beſten dieſes Vereins ſ. Z. eine Reihe von Vorleſungen über Aſtronomie gehalten und demſelben dadurch eine namhafte Summe zugewendet. Schon manches verwahrloſte Kind wurde durch denſelben zu einem brauchbaren und nützlichen Mitgliede der menſchlichen Geſellſchaft herangebildet. Gleich wohlthätig wirkt der Krankenunterſtützungsverein, der bedürftigen Mitgliedern für den Fall des Erkrankens eine tägliche Unterſtützung an Geld während der Dauer der Krank⸗ heit und für den Fall des Ablebens den Hinterbliebenen einen Beitrag zu den Beerdig⸗ ungskoſten gewährt. Sander hatte ſeine wohlhabenden Freunde und Bekannten veran⸗ laßt, dem Vereine als beitragende Mitglieder, aber mit Verzicht auf Unterſtützung, bei⸗ zutreten, wodurch auch dieſer Verein, deſſen Vorſitzender er ſeit ſeiner Gründung war, ein Vermögen von circa 5000 fl. erwarb.— Zahlreich ſind die Fälle, in denen er Mitbürgern, Corporationen und Vereinen durch ſeine gewandte und ſcharfe Feder auf die uneigennützigſte Weiſe Hülfe leiſtete.— Um auch bedürftigen. ſtrebſamen Knaben den Beſuch der Realſchule möglich zu machen, hat er, ehe die obenangeführten Stif⸗ tungen gemacht waren, für ſolche öfters entweder Dispens vom Schulgelde oder die Entrichtung desſelben durch wohlthätige Freunde erwirkt, was die Betreffenden gewöhn⸗


