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beſtrebt, die geiſtigen Kräfte ſeiner Schüler zu entwickeln und ihnen gediegene Kennt⸗ niſſe beizubringen, ſie aber auch namentlich zur treuen Erfüllung aller ihrer Pflichten, zu wahrer Neligioſität, zu Zucht und Sitte, zur Treue gegen den Landesfürſten und zur Liehe für das Geſammtvaterland zu erziehen, wozu ihm verſchiedene vaterländiſche Feſte willkommene Verqnlaſſung boten. Er ſuchte in ihnen bei jeder Gelegenheit auch den Sinn für Gemeinwohl zu wecken und zu beleben. So iſt es Jedermann bekannt, daß Sander bei Feuersbrünſten noch in höherem Alter ſofort ſeine Schüler verſammelte, mit ihnen auf die Brandſtätte eilte und überall, wo es nöthig war, hülfreiche Hand anlegte, was in dieſen Fällen um ſo leichter war, als die Schüler durch ihn im Turn⸗ unterrichte militäriſch disciplinirt worden waren.— Seine ſcharfe Aufſicht erſtreckte ſich nicht blos auf den Bereich der Schule, er verlangte vielmehr allenthalben ſittliches Ver⸗ halten, ſowie anſtändiges und ehrerbietiges Betragen der Realſchüler gegen Jedermann. Wo es nöthig war, ſtrafte er, wenn Ermahnungen und Tadel nicht mehr ausreichten, ohne Nachſicht und Anſehen der Perſon ſtreng. Deſſenungeachtet waren ihm ſeine Schüler an das Herz gewachſen; und noch in ſpäteren Jahren, ſelbſt wenn ſie ſchon verheirathet waren, pflegte er ſie mit dem vertraulichen„Du“ anzureden. Bei ſeinen Spaziergängen und Ausflügen im Sommer ſah man ihn ſelten, ohne daß ihn eine Anzahl Schüler begleitete. Dieſe Anhänglichkeit und Liebe mußten natürlich Gegenliebe erzeugen, und daß dieſelbe vorhanden war, offenbarte ſich ſchon während ſeines Lebens bei zwei Veran⸗ laſſungen in einer Weiſe, wie dies nicht häufig vorkommen dürfte, nämlich am 27. Februar 1864, als das 25jährige Beſtehen der Anſtalt, und am 17. April 1866, als das 25jährige Jubiläum Sander's gefeiert wurde. An dieſen beiden Tagen wurde ſo⸗ wohl die Schule, als auch insheſondere Sander ſelbſt nicht nur mit ſchr werthvollen Ehrengeſchenken von Bingen und aus der Ferne reichlichſt bedacht, ſondern es liefen te⸗ legraphiſche und briefliche Glückwünſche, Gedichte u. dgl. ein aus Bacharach, Ber⸗ lin, Bruck in Oeſterreich, Coblenz, Cöln, Darmſtadt, Erbach, Frank⸗ furt a. M., Friedberg, Gießen, Hagen, Hamburg, Heldenbergen, Köngernheim, Leipzig, London, Mainz, Mancheſter, Mörſch⸗ bach, München, Nottingham, Nördlingen, Nürnberg, Oberſtein, Odernheim, Oſthofen, Paderborn, Paris, Stuttgart, Pſedders⸗ heim, Thannn im Elſaß, Trier, Weinheim, Wetzlar, Wien, Worms und Zürich, an welchen Orten zumeiſt ehemalige Schüler der Anſtalt in geachteten Lebensſtellungen, dann auch Collegen, Studiengenoſſen oder ſonſtige Bekannten Sander’s lebten. Erhebende Schulfeierlichkeiten unter reger Betheiligung und Vorträge ehemaliger Schüler, in denen Sander's Verdienſte und Wirkſamkeit gebührend gewürdigt wurden, verherrlichten dieſe Tage.
Ein Beglückwünſchungsſchreiben der damaligen Realſchüler, womit Sander am 27. Februar 1864 eine goldene Ankeruhr überreicht wurde und ein Sonett von dem ehemaligen Realſchüler Schmoll, damals in Cöln in Garniſon, mögen hier einen Platz finden:
„Mit dankerfülltem Herzen für das ſeitherige ſegensreiche Wirken unſeres ge⸗ „liebten und gerechten Lehrers, des Herrn Director Sander, erlauben wir uns, „demſelben zur Feier des heutigen Tages ein kleines Andenken zu überreichen, als Er⸗ „innerung an das 25jährige Beſtehen unſerer Realſchule, und den aus unſer aller Her⸗ „zen kommenden Wunſch hinzuzufügen, daß der Schöpfer zum Wohle der Anſtalt ihn „noch recht viele Jahre geſund erhalten möge!“
Um freundliche Aufnahme bitten die ſämmtlichen Realſchüler.


