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teorologie und Aſtronomie erwarb. Seine aus der Schweiz mitgebrachten Mineralien bildeten den Grundſtock zur Mineralienſammlung der Realſchule, die durch ſeine andauernden Bemühungen und ſeinen Sammelfleiß eine recht anſehnliche geworden iſt.— Auf einer in dieſe Periode fallenden, längeren Reiſe durch Italien, die ſich bis nach Neapel erſtreckte, bei welcher Gelegenheit er auch den Veſuv beſtieg, ſammelte er Materialien zu ſchriftſtelleriſchen Arbeiten auf dem Gebiete der Geſchichte und Geo⸗ graphie, deren weiter unten gedacht werden wird.
Die politiſchen und religiöſen Wirren, an welchen es in der Schweiz, wie in faſt allen übrigen europäiſchen Staaten, ſeit der neuen Geſtaltung der Dinge nach Napoleons I. Sturze und ganz beſonders nach der franzöſiſchen Julirevolution nicht fehlte, riefen mächtige Gährungsprozeſſe hervor, in Folge deren am 13. Januar 1841 die Aufhebung der Stifte und Klöſter im Cantone Aargau erfolgte, und die Schweiz in zwei Heer⸗ lager, die Radicalen und Conſervativen, geſpalten wurde. Daß ein Mann von der geiſtigen Regſamkeit Sanders dieſen Ereigniſſen nicht ganz fern bleiben konnte, war natürlich. Er gehörte der freiſinnigen Partei an; und da durch die Luzerner Con⸗ ſervativen im Vereine mit dem Landvolke der Antrag auf Berufung der Jeſuiten zur Leitung des Ingendunterrichtes durchgeſetzt worden war, ſo mußte Sander für die Zu⸗ kunft ſeine Exiſtenz bedroht ſehen, was ihn bewog, den damaligen Oberſchulräthen Schacht und Lüft in Darmſtadt den Wanſch der Rückkehr in ſein Heimathland vor⸗ zulegen. Dieſer Wunſch mußte noch beſtärkt werden durch ſeine am 11. April 1841 erfolgte Verehelichung mit Kath. Benigna Dolder von Münſter bei Luzern. Die Erfüllung ſeines Wunſches ließ nicht lange auf ſich warten, indem am 7. Februar 1841 der damalige Großh. Oberſchulraths⸗Director Heſſe das nachſtehende Schreiben an ihn richtete:.
„Es gereicht mir zur beſonderen Befriedigung, die Bekanntſchaft mit Ihnen, ge⸗ ehrteſter Herr Profeſſor, durch Mittheilung einer, wie ich hoffe, Ihnen angenehmen Nachricht einzuleiten. Au der Realſchule zu Bingen iſt die Stelle eines Directors und erſten Lehrers mit einem Gehalte von 800 fl. erledigt. Die Unterrichtsfächer ſind: Geſchichte, deutſche Sprache ꝛc. Für Naturkunde, Mathematik, franzöſiſche Sprache ſind beſondere Lehrer angeſtellt. Nun hörte ich von den Herren Oberſchulräthen Schacht und Lüft, daß Sie den Wunſch gegen beide geäußert haben, in Ihr Heimathland zu⸗ rückzukehren, und die vortheilhaften Nachrichten, die mir außerdem über Ihr akademiſches Studium, die beſtandene Prüfung, zukommen, veranlaſſen das Oberſchulraths⸗Colleg Sie für die gedachte Stelle in Vorſchlag zu bringen. Nach einer ſo eben erhaltenen Benachrichtigung hat des Großherzogs Königliche Hoheit Sie zum Director und erſten Lehrer in Bingen ernannt; man nimmt aber Anſtand, die Ernennung abgehen zu laſſen, weil man keine Gewißheit hat, ob Sie ihr folgen werden. Dies bezweifle ich nach den vorerwähnten Mittheilungen keineswegs und wünſche Ihnen und dem Lande Glück, daß wir Sie wieder zu unſeren Schulmännern zählen dürfen, Sie zugleich er⸗ ſuchend, mir mit umgehender Poſt von der Annahme der Stelle Nachricht zu geben und zugleich Ihre Abreiſe von Luzern möglichſt zu beſchleunigen. Hochachtungsvoll Ihr gehorſamſter Diener gez. Heſſe, Director des Großh. Oberſchulrathes.“
Ein zuverläſſiger Gewährsmann aus der Schweiz bezeugt, daß Sander in Luzern nicht nur bei ſeinen ehemaligen Schülern noch im beſten Andenken ſtehe, ſondern auch dafür belannt ſei, daß er ſein Scherflein dazu beigetragen habe, die liberale Partei nach der 40er Periode an's Ruder zu bringen.— Vor ſeinem Abgange von Luzern war er unter dem 29. März 1841 vom dortigen Erziehungsrathe zum Mitgliede der Commiſ⸗


