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Passionslied. (Gesangbuch Nr. 69.)
1. O Haupt voll Blut und Wunden, Voll Schmerz, bedeckt mit Hohn; O0 göttlich Haupt, umwunden Mit einer Dornenkron! O Haupt das andrer Ehren Und Kronen würdig ist; Sei mir mit frommen Zähren Viel tausendmal gegrüsst.
2. Der Purpur deiner Wangen, Der Lippen frisches Rot, All Schönheit ist vergangen In bittrer Todesnot. Doch strömt aus deinen Blicken Noch himmlische Geduld, Selbst Sünder zu beglücken Mit unverdienter Huld.
3. Ach, Herr! was du erduldet Ist Alles meine Last; Ich habe das verschuldet, Was du getragen hast. Ich, Jesu, bins, ich Armer, Der dies verdienet hat; O tilge, mein Erbarmer, All meine Missethat!
5. Ich dank dir, Herr, von Herzen, 0 Jesu, bester Freund! Für deine Todesschmerzen; Wie gut hast du's gemeint! Ach gieb, dass ich mich halte Zu dir und deiner Treu, Dass nimmermehr erkalte Im Herzen Lieb und Reu!
4. Lass an dem Kreuz mich stehen In Demut, Herr! bei dir; Dir willig nachzugehen, Das einzig ziemet mir; Ich will dich nie verlassen; Und wenn mein Auge bricht, Dann lasse mich umfassen Dich, meine Zuversicht!
6. Wenn ich einst werde scheiden: O dann verlass mich nicht! Sei auch im Todesleiden Mein Trost, mein Heil, mein Licht! Wenn mir am allerbängsten Einst um das Herz wird sein: Dann reiss mich aus den Angsten Kraft deiner Angst und Pein!
Erweckung der Stimmung: Wer kennt nicht das tiefergreifende Bild des dorngekrönten Heilandes, das wir mit dem Namen„Ecce homo“ bezeichnen? Betrachtet mit Aufmerksamkeit dieses Antlitz, in welchem sich der grösste körperliche und seelische Schmerz abspiegelt. Um das wirre Haar schlingt sich der Dornen- kranz, unter welchem einzelne Blutstropfen hervorquellen. Schmerzerfüllt ist das matte Auge zum Himmel ge- richtet. Die Wangen sind von Blut überronnen, bleich und eingefallen, der Mund ein wenig geöffnet, als wolle er uns das Leid klagen. Das ganze Haupt ist etwas zur Seite geneigt, gleichsam dem Übermass des Schmerzes nachgebend. Und doch liogt ein hoheitsvoller Zug in dem ganzen Bild. Man kann es immer wieder betrachten, und jedesmal wird man davon ergriffen. Der Anblick dieses Bildes entlockte wohl dem hl. Abt Bernhard von Clairvaux seinen Gruss„Salve caput cruentatum“, welchem Paul Gerhardt unser Lied frei nachgebildet hat.
Vortrag des Liedes mit Pause nach Str. 2.
Darbietung: Str. 1. Begrüssung des Hauptes des Erlösers. Wie wird das Haupt geschildert? Voll Blut und Wunden von der Dornenkrone, voll Schmerz, der in allen Zügen ausgeprägt ist, bedeckt mit Hohn, weil die Vorübergehenden ihn lästerten mit dem Ruf:„Sei gegrüsst, König der Juden(b. G. Nr. 78 N. T.), und weil die Dornenkrone ja auch nur zum Spotte ihm aufgesetzt war(b. G. Nr. 75 N. T.). Aber dieses Haupt ist ein göttliches, das andrer Ehren(der Ehre, die nur Gott gebührt, also der Anbetung) und Kronen(der ewigen Herrlich- keit) würdig ist. Beachte die Gegenüberstellung:„O Haupt voll Blut und Wunden“ und„o göttlich Haupt“,„H. be- deckt mit Hohn“ und„H., das andrer Ehren“,„o H. umwunden mit einer Dornenkron“ und„o H., das andrer Kronen würdig ist“. Dieses schmachbedeckte und doch so ehrwürdige Haupt verdient gewiss, dass wir es mit frommen(teilnehmenden) Zähren(Thränen) begrüssen: Inh.:„Sei mir viel tausendmal gegrüsst“.


