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v. Geissel. Was die Poesie namentlich zu diesem Zwecke bietet, gehört zu den zartesten und duftigsten Blüten der hl. Diehtungen. Allen voran steht der Hymnus„Pange lingua“ des hl. Thomas von Aquin(F† 1274), der dereits im 14. Jahrh. ins Deutsche übersetzt wurde. Unser Text stammt aus dem Ende des 15. Jahrh. und ist eines der gebräuchlichsten Lieder.
Vortrag des Liedes mit Pause nach Strophe 1, 3, 5.
Darbietung. In Anbetracht der mannigfachen sprachlichen Schwierigkeiten, die das Lied bietet, ist eine grammatische Behandlung desselben gewiss für das Verständnis sehr vorteilhaft. Es wird also gut sein, wenn man nach dem Vortrag des Liedes nochmals jede einzelne Strophe vorliest, sodann von den Schülern die darin befindlichen Sätze herausschälen und, wenn nötig, die einzelnen Satzteile mit ihren Beifügungen bestimmen lässt, und erst dann zur eigentlichen Erklärung übergeht. Gewöhnlich dürfte diese Art der Behandlung nicht am Platze sein, da sie nur zu geeignet ist den poetischen Schmelz eines Liedes(vgl. Lyon, Deutsche Prosastücke und Gedichte I S. 111 u. 112) und seine religiöse Weihe zu beeinträchtigen; im Interesse eines richtigen Ver- ständnisses ist es hier notwendig und darum entschuldbar.
Str. 1. Der Sänger fordert sich selbst auf, dass seine Zunge in frohem Jubel(„fröhlich singe“) erklingen soll dem geheimnisvollen Leib des Herrn zum Preis(„dem zarten Leichnam fron“.— Leichnam nicht bloss toter Leib, sondern Leib überhaupt; Frôn, mhd. Herr, noch erhalten in Frondienst, Fronvogt u. a.) und zum Preis des heiligen(„werten“) und kostbaren Blutes, welches(„so*) der Sohn Gottes so bereitwillig(„unverdrossen“) ver- gossen hat für das Heil der ganzen Welt(„aller Nation“).
Str. 2 enthält in grossen Zügen das Leben des Heilandes, wie er durch den göttlichen Ratschluss zum Erlöser bestimmt(„auserkoren“), von Maria, der reinsten Jungfrau, für uns Mensch ward(„uns geboren“), wie er dann unermüdlich(„fleissig“) sein ganzes Leben hindurch(„dreiunddreissig Jahr“) als Kind durch sein Beispiel, später durch Wort und Beispiel die Menschen die Wahrheit lehrte, und wie er endlich am Vorabend seines Leidens („an dem Schlusse seines Lebens“) sich unter den Gestalten von Brot und Wein zu unsrer Seelennahrung hingab.
Str. 3 schildert ausführlicher diesen feierlichen Augenblick im Abendmahlsaal zu Jerusalem(b. G. Nr. 66 N. T.), wie er, im Begriff aus dieser Welt, die so viel Jammer und Leid ihm geboten hatte(„Jammerthal“) zu scheiden, sich mit seinen Aposteln in einem Saal zu Jerusalem niedersetzte, um zum letztenmal das Lamm zu essen, welches die Juden nach dem Gesetz des Moses immer zu Ostern(„Osterlamm“) unter besonderen Ceremonien(b. G. Nr. 34 A. T.) geniessen mussten. Unmittelbar(„eben“) nachdem das Osterlamm genossen und die Fusswaschung vollzogen war, sprach er über Brot und Wein die geheimnisvollen Worte„das ist mein Leib“,„das ist mein Blut“, und gab sich so den Menschen zu einem wunderbaren Mahle(Abendmahl).
Str. 4 erklärt uns näher das Wunder, welches Jesus beim Abendmahl wirkte. Durch die Eingangsworte werden wir daran erinnert, dass es nicht ein gewöhnlicher Mensch war, sondern der Sohn Gottes(„Gottes Wort“ nach Joh. 1. 1. Im Anfang war das Wort u. s. w.), der in Menschengestalt(„Fleisch geworden“) durch sein Allmachts- wort Brot in sein Fleisch und Wein in sein Blut verwandelt hat. Wenn darum auch unsre Sinne das Wunder nicht fassen können(„was dem Sinne nicht wird inne“), indem das bleibt, was von Brot und Wein in die Sinne fällt, während das Wesen verändert wird, so überzeugt uns doch von der Wahrheit dieses Geheimnisses der feste Glaube an das Wort Christi, der uns nicht täuschen kann, während unsere Sinne der Täuschung fähig sind. Zur Vertiefung vgl. Kat. III F. 41, 42, 48, 49 und Lied Nr. 135„Deinem Heiland“.
Str. 5 fordert uns zur Anbetung(„neigen“) und Verehrung(„Ehr erzeigen“) des hl. Sacramentes auf. Die Vorbilder des alten Testamentes— Manna in der Wüste, Wasser aus dem Felsen, Opfer des Melchisedech, Schaubrote, goldene Schale mit Wein in dem Allerheiligsten u. a.— haben aufgehört, da dasjenige, wovon jene nur schwache Bilder waren, Wahrheit geworden, und was sie nur dunkel andeuteten, jetzt klar vor uns steht („Dieser Wahrheit, dieser Klarheit weicht das alte Testament“). Freilich reichen zur Erkenntnis dieser Wahr- heit nicht die sinnlichen Augen aus(„nimmer taugen da die Augen“), sondern der Glaube allein giebt uns hier Licht.
Str. 6. Lob und Preis der erhabenen(„hehren“) Dreifaltigkeit und besonders Lob und besonderer Dank der zweiten Person in der Gottheit(„Jesu Namen“), die zu unsrer Freude(vköstlich“) und unsrem Troste („tröstlich“) uns diese seither näher geschilderte, wunderbare Speise hinterlassen(„geweiht“) hat.
Bau des Liedes. Es besteht aus 3 Teilen: I. Selbstaufforderung zum Preis des hl. Altarssacramentes Str. 1; II. Wirkliches und eucharistisches Leben des Heilandes Str. 2—6; a) sein Leben in grossen Zügen Str. 2, b) die Einsetzung der Eucharistie Str. 3, c) Inhalt des Geheimnisses Str. 4, d) die ihm gebührende Verehrung Str. 5; III. Lob der heiligsten Dreifaltigkeit.
Verwertung. Lass das Lied, so oft du es singst, eine Mahnung sein, was du dem allerheiligsten Sacramente schuldest.


