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Weihnachtslieder freudiger Dank für die uns in der Menschwerdung erwiesene Liebe und Er- barmung Gottes. In den Fastenliedern giebt die Kirche ihrer Klage Ausdruck über den leidenden Erlöser und der Busse über die Sünden, die solches Leid verschuldet haben, in den Osterliedern dagegen ihrer Freude über den glorreichen Triumph des Auferstandenen. In der Pfingstzeit weiht sie dem Dreieinigen ihren Dank für die gnadenreiche Sendung des„Trösters“, in der Fronleichnamszeit preist sie in ihren Liedern die Liebe des Gottmenschen, der sich im allerheiligsten Sacrament des Altars uns geschenkt hat. So hat jeder Festkreis, ja ich möchte sagen, jedes einzelne Fest ein für seinen Charakter ganz eigentümliches Lied, welches mächtiger und nachhaltiger zu den Christen spricht, als ein blosses Wort, als eine wenn auch noch so schöne und eindringliche Ermahnung und Unterweisung über die Idee des Festes oder auch des Festkreises ¹). Wer die Sprache dieses Liedes versteht, welches er jedes Jahr zu derselben Zeit singt, wie er es in seiner Jugendzeit in sich aufgenommen hat, der wird viel eher und tiefer in den Geist der einzelnen Zeiten des Kirchenjahres eingehen, und viel lebhafter den Pulsschlag des kirchlichen Lebens empfinden und sich so viel lebhafter am Leben der Kirche beteiligen, als auf Grund früher gehörter, aber längst dem Gedächtnis entschwundener theoretischer Unterweisungen. Wenn Katechismus und biblische Geschichte längst bei Seite gelegt sind, dann ist das Gesangbuch noch ein gern und häufig benütztes und wertvolles Religionsbuch. Dieses verstehen und richtig gebrauchen lernen, kann gewiss keine Arbeit von untergeordneter Bedeutung im Religionsunterricht sein.
Das Kirchenlied ist endlich von hoher Bedeutung für den gesamten Religions- unterricht; es ist ein wertvolles Mittel zur Unterstützung, Belehrung und Erhebung der Religionslehre, mag sie im Katechismus, oder in der biblischen Geschichte, oder in der Liturgik ihren Ausdruck finden.
Gute Dienste kann das Lied dem Katechismusunterricht leisten. Fachkollegen wissen, welche Schwierigkeiten gerade dieser Unterricht an sich bietet, und wieviel Kunst und Uvung dazu gehört, ihn interessant und anziehend zu gestalten. Beschäftigt er sich doch vorzugsweise mit abstrakten, übersinnlichen Wahrheiten, die dem Anschauungskreise der Schüler ferne liegen. Wie schwer ist es nicht, diese in das Verständnis jener Wahrheiten einzuführen. Daher auch die berechtigte Forderung den Katechismus nie allein für sich durchzunehmen, sondern im Anschluss an die biblische Geschichte, wo uns die ewigen Wahrheiten gleichsam verkörpert und mehr sinnenfällig entgegentreten. Dieser Anschluss, so wichtig er auch sein mag, ist aber nicht immer möglich. Nicht für jede dogmatische Wahrheit lässt sich in der biblischen Geschichte ein Typus finden. Ich erinnere hier beispielsweise an die Lehre vom Ziel des Menschen, vom Glauben im allgemeinen, von der Kirche, von der Gnade und den Sacramenten ²). Und doch sollen auch diese wichtigen Wahrheiten dem jugendlichen Geiste so nahe gebracht werden, dass er sie nicht bloss lernen, sondern auch einsehen und behalten kann. Was jeder, auch noch so eingehenden Erklärung nur schwer gelingt, das erreicht nicht selten ein passendes Lied. Wie schön und fasslich ist Frage 1 des Katechismus erklärt in dem Lied Nr. 61„O edle Seel, o teurer Wert“, oder auch in Lied Nr. 97„Ach Gott, mein letztes Ziel und End“. Gegen- stand, Notwendigkeit und Eigenschaften des Glaubens findet man ebenso klar, wie kurz zusammen- gefasst in der Liedstrophe zum Credo des ersten Heiligenamtes„Ich glaub, o Herr, mit Zu-
¹) Vgl. Galle, der in seiner„Erkläruang kath. Kirchenlieder“ so treffliche Ansichten äussert, dass ich in diesem und mehreren andern Punkten nur beistimmen und folgen konnte. ²) Ich verweise übrigens hier auf die Konkordanz der bibl. Geschichte und des Katechismus in Knecht, Praktischer Kommentar S. 770 ff., die vielleicht nicht genug beachtet wird. 2*


