Aufsatz 
Die Behandlung des Kirchenliedes im katholischen Religionsunterricht / von J. May
Entstehung
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hailer ¹),Lobt all Zungen des ernreichen ²), ferner das tiefempfundene PassionsliedDa Jesus an dem creuze stund ³), sowie die lieblichen WeihnachtsliederGelobet seist du Jesu Christ),Ein Kind ist g'born ze Bethleem, des fröwet sich iherusalem?) undDer Tag der ist so freudenreich 6). Aus dieser Zeit stammt auch die erste deutsche UÜbersetzung des ergreifend schönen Stabat mater dolorosaMaria stund in swinden smerzen), sowie der deutsche Text des Veni sancte spiritusKum senfter trost, heiliger geist)

Besonders reich an geistlichen Gesängen und an Kirchenliedern waren die beiden folgenden Jahrhunderte. Nach Wackernagel zühlten wir eine stattliche Anzahl Lieder, die aus dieser Zeit in unser Gesangbuch übergegangen sind.Ausserordentlich günstig, schreibt W. Bäumker,für die Vervielfältigung und Verbreitung des Kirchenliedes war die Erfindung der Buchdruckerkunst und später die Erfindung des Notendruckes mit beweglichen Typen zu Anfang des 16. Jahrhunderts. Viele Kirchenlieder erschienen jetzt in Agenden, Plenarien, Gebetbüchern, sowie in einzelnen Drucken und fliegenden Blättern). Aus der Zeit von 1470 1518 sind meluw als dreissig kirchliche Liedersammlungen in deutscher Sprache bekannt geworden ¹⁰). Besonders verbreitet war das 1537 von dem Stiftspropste Michael Vehe in Halle heraus- gegebene Gesangbuch ¹¹). Bis zum Schlusse dieses Jahrhunderts erschienen noch etwa 15 be- deutendere Gesangbücher, die teilweise mehrere Auflagen erlebten. In denselben sind die seither im Volke fortlebenden Lieder gesammelt, eine Anzahl neuer, vorzugsweise UÜbersetzungen lateinischer Hymnen und Sequenzen, sowie der Psalmen kommen dazu, auch enthalten sie eine Menge ursprünglich protestantischer Kirchenlieder, mehr oder weniger überarbeitet ¹²).

Was in diesem Jahrhundert begonnen war, wurde im folgenden mit regem Eifer fort- gesetzt. Abgesehen von den Bischöfen, welche die Diöcesangesangbücher einführten ¹³), waren es namentlich die Mitglieder der geistlichen Orden, welche den deutschen Volksgesang pflegten und um dessen Verbreitung sich bemühten. Bekannt sind die geistlichen Lieder des Jesuiten- paters F. Spee, dessenTrutznachtigall undgüldenes Tugendbuch einen guten Klang heute noch haben und die Lieder des Kapuziners P. Martin von Cochem, die jetzt noch namentlich in der Eifel gern gesungen werden.

Während man am Anfang des 18. Jahrhunderts die seither gebräuchlichen Gesang- bücher in mehr oder minder veränderter Form in neuen Auflagen erscheinen liess, trat plötzlich um die Mitte des Jahrhunderts ein vollständiger Bruch mit der Tradition ein. Viele altehr- würdige Lieder, als im Texte anstössig oder schlecht gereimt, wurden abgeschafft und neue an deren Stelle gesetzt. Der heiligen Poesie hat man damit einen schlechten Dienst erwiesen. Denn die alten kernigen, tiefempfundenen Lieder, an denen unsere Vorfahren Herz und Gemüt erfreuten, sind untergegangen und dogmatisierende oder moralisierende Reimereien ohne christ-

¹) M. G. Nr. 135. ) M. G. Nr. 130. ³) M. G. Nr. 54. 4) M. G. Nr. 33. ) M. G. Nr. 30. ) M. G. Nr. 36. ) M. G. Nr. 182. ³) M. G. Nr. 110.

²) W. BäumkerDas kath. deutsche Kirchenlied I. B. S. 14 u. II. B. S. 26 ff. ¹0) Vgl. das Verzeichnis bei Bäumker I. 36 39 und Anh. 2 u. 3; Wackernagel 807. 1) Vgl. W. Bäumker, I. Bd. S. 35. ¹²) Vgl. Bäumker a. a. 0. ¹⁵) 1605 erschiendas Mainzer Cantual. Vgl. Thalhofer Lit. I 573 ff. 1*