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ymnasiums in Bensheim, Ostern 1897.
Die Behandlung des Kirchenliedes im katholischen Religionsunterricht.
Von
Grossh. Gymnasiallehrer und Religionslehrer J. May.
Der im verflossenen Jahre erschienene Lehrplan für die Erteilung des katholischen Religionsunterrichtes an den höheren Lehranstalten bestimmt, dass namentlich in Tertia„die Schüler mit der Einrichtung des Diöcesangesangbuches und mit den wichtigsten und schönsten Kirchenliedern bekannt gemacht werden. Letzteres kann im Anschluss an den Katechismus oder an das Kirchenjahr geschehen“.
Bei der ausserordentlich wichtigen Stellung, welche das deutsche Kirchenlied im Gottes- dienst unserer Diöcese wenigstens einnimmt, ist diese Forderung nur zu gerechtfertigt. Es ist nicht der Zweck dieser Arbeit, eine Untersuchung anzustellen über die Berechtigung dieser Stellung. Die gründlichen Forschungen, welche unter anderen Wackernageli) und in neuerer Zeit namentlich W. Bäumker auf dem Gebiet des deutschen Kirchenliedes gemacht haben, beweisen zur Genüge, dass dasselbe nicht erst von heute und gestern ist, sondern seit einer Reihe von Jahrhunderten Bürgerrecht besitzt. Bei der Behandlung des Kirchenliedes in der Schule darf dies gewiss hervorgehoben werden, und eine, wenn auch gedrängte Ubersicht über die geschichtliche Entwickelung desselben ist zum Verständnis mancher Lieder wenigstens unerlässlich.
Der eigentliche liturgische Gesang der Kirche ist der Cantus Gregorianus, der Gre- gorianische Choral³); obwohl schon Jahrhunderte alt, ist er noch immer jugendfrisch; wegen seiner hohen Würde, seiner grossartigen Einfachheit und eindringlichen Kraft wird er von den grössten Musikkennern bewundert und gepriesen4). Auf dem Choral baut sich auf der
¹) Ph. Wackernagel, Das deutsche Kirchenlied von der ältesten Zeit bis zum Anf. des 17. Jh. 5 Bde. Leipzig 1864— 1877.
²) W. Bäumker, Das kath. deutsche Kirchenlied in seinen Singweisen von den frühesten Zeiten bis gegen Ende des 17. Jh. 3 Bde, Freiburg 1883— 1891.— Über die Stellung des d. Kirchenliedes im Gottesdienst vgl. Dr. J. Selbst, Der kath. Kirchengesang beim hl. Messopfer, 2. Aufl. Regensburg 1890, und Paul Krut- scheck, Die Kirchenmusik nach d. Willen d. Kirche. 3. Aufl. Regensb. 1891.
) Er trägt diesen Namen vom hl. Gregor. Dieser grosse Papst(590— 604) ordnete endgiltig die Liturgie der römischen Kirche und wandte namentlich dem liturgischen Gesang die grösste Aufmerksamkeit zu.
⁴) Hector Berlioz, der berühmte Komponist eines grossartigen Requiem, sah sich zum Geständnis gezwungen,„dass nichts in der Musik mit der Wirkung des Chorals„Dies irae' verglichen werden kann, der
Programm Nr. 654. 1


