— 11—
§ 3. Zweites Skaſimpn.
v. 582 gibt man das aléy recht unbeſehen mit„Leben“, Thudichum und Donner mit„Geſchick“ wieder. Der Gedankenzuſammenhang verlangt entſchieden ein Anderes. Das Schickſal der Antigone iſt es, was als Gegenſatz jene Seligpreiſung eösaluoves cet. dem Chor entlockt. Die àra aber, unter der Antigone leidet, rührt nicht von den zax ihres eigenen „Lebens“ oder„Geſchickes“, wie es der Fall ſein müßte, wenn jenes alchy richtig wiedergegeben wäre, ſondern daher, daß ſie einem Hauſe angehört, von dem das Wort gilt ols 7% 2v Gει˙⁷ de6ev 56bog. Zu dem Axßαακνν oktxot v. 593, dem Oislrou 56uot v. 600 alſo iſt unſer adcoy der generelle Begriff, ſynonym eben mit 56u05 v. 584 ſowie„eveR v. 585, deutſch„Haus“, genauer„Generation“, lat. aevum.„Glücklich, wer einer Generation angehört, die noch kein Unheil gekoſtet(dann nämlich läßt ſich hoffen, daß auch er davon verſchont bleibt)— dagegen, wehe! ols ày s.εοεν⁴ ds6⁸ε„ 86 105, denn äras 055,&Meinet ſevsac nt dog Eoy.
v. 593 komme ich dem Verſe zu Hilfe, indem ich an Stelle des begrifflich einzig zutreffenden Aro das gleichwertige 26 4 ſetze. Wie ich nachträglich erſehen, hat ſchon Seyffert das Gleiche vorgeſchlagen.*)— Das„deusvey v. 594 verbinde ich als Prädikat eines gen. absol⸗ mit jenem 56 b y„unterm Schwinden des Hauſes“, vgl. 340 HXOGB, 3„ον τενοi.
Das Verſtändnis des zweiten Strophenpaares unſeres Staſimon liegt noch völlig im Argen, einfach darum, weil eben das punctum saliens bisher noch verhüllt geblieben. Daran ändert auch nichts der zuverſichtliche Ton Herrn Schmelzers:„Die Gedankenverbindung iſt offenbar: wie Antigone, ſo verfällt jeder der Verblendung u. ſ. w.“ Von Antigone iſt hier überhaupt nicht mehr die Rede, und das gerade iſt es, was man überſehen hat; kein Wunder, daß darum, wie auch Herr Schmelzer einräumt,„die Lesart der 2. Strophe ſehr unſicher iſt.“ Halten wir feſt, was Eingangs§ 2 überhaupt für die ſophokleiſchen Chorgeſänge erinnert wurde. In dem vorausgehenden Epeiſodion hat ſich das Schickſal Antigones erfüllt, ſie iſt um ihre Liebesthat dem Tode geweiht, ein Opfer der Kolliſion der Pflichten. Ihrem Schickſal iſt das erſte Strophen⸗ paar gewidmet. Wenn auch der Chor mit dem ſchließenden Xerov' avotæ al εv SvO; ſich weigert, ihre That als ſittlich zu Recht beſtehend gelten zu laſſen, die größere Hälfte der Schuld iſt auch hier„den unglückſeligen Geſtirnen“ zugewieſen— ſie fällt als letztes Opfer dem Fluche, der auf dem Labdakidenhauſe ruht, ein Gegenſtand des tragiſchen Mitleids.— Zugleich aber iſt mit der vorausgehenden Scene Kreon ſelber in den Mittelpunkt des Intereſſes gerückt, als erſehener Träger des tragiſchen Schreckens; meinte doch Schacht(Ueber die Tragödie Antigone, Darmſtadt 1842), es könne unſer Stück den Titel„Kreon“ führen.— Daß ſein Verfahren bei dem Chor eine noch viel ſchärfere Verurteilung findet, iſt zwar bisher noch nicht direkt ausgeſprochen, aber außer Zweifel gerückt. Und ſollte nach dieſer Seite der Chor in ſeinem anſchließenden Staſimon auch gar nicht Stellung nehmen? Das glaub' ein Audrer! Nur iſt der König noch zugegen, wie aus der Einleitung zum folgenden Epeiſodion ſich klar ergibt— kein Wunder, daß der Chor ſeines Herzens Meinung nur in verdeckter Weiſe kund thut. Er bewegt ſich in Gemeinplätzen, die aber in richtige Beziehung zu einander geſetzt,
* Wie derartige begriffliche Verwechſelungen beim Abſchreiben begegnen, erfuhr der Verfaſſer bei Drucklegung dieſer Arbeit, wobei in der Anmerkung zu pg. 1 dem Setzer ſtatt„von den Vätern“ ein„von den Müttern“ unterlief.


