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Auch in den verfloſſenen beiden Schuljahren erhielt die Lehrerbibliothek durch verſchied ene Schenkungen einen erfreulichen Zuwachs. Das hohe Miniſterium ſchenkte, wie oben bemerkt Camoens ſämmtliche Werke und die Publicationen aus dem preuß. Staatsarchiv; das Königl. Prov. Schul⸗ collegium überſandte die von den Profeſſoren der Univerſität in Berlin gehaltenen Feſtreden. Viele⸗ Verlagsbuchhändler ſandten neu erſchienene Werke aus dem Gebiete der Schulliteratur, namentlich die Herren Schöningh in Paderborn, Winter in Heidelberg, Weidmann in Berlin, Herder in Frei⸗ burg, Vandenhoeck in Göttingen, Tempski in Prag, Hinstorff in Wismar, Teubner in Leipzig, Neff in Stuttgart u. a.
Herr Poſtmeiſter Mack in Montabaur ſchenkte der Bibliothek eine ſchöne Ausgabe von Goethes Werken; Herr Schmitz⸗Köbig in Trier eine Anzahl von Büchern für die Schülerbibliothek; Herr Pfarrer Weckerling von hier einige Schulbücher; Herr Buchbinden Kunſt von hier eine Reihe von Schulbüchern. Allen freundlichen Gebern ſagen wir unſern beſten Dank.
Am 6. Juli machte das Gymnaſium den herkömmlichen Turnzug. Die drei untern Klaſſen machten weitere Spaziergänge in der Umgegend von Montabaur, welche eine große Menge reizender Ausſichten gewährt. Die beiden Tertien wanderten nach Coblenz und fuhren von hier mit der Moſelbahn nach Bullay, von wo aus die Ruine Marienburg mit ihrer herrlichen Ausſicht erſtiegen wurde; den Nachmittag brachten die Schüler in Cochem zu. Die Sekunda wandte ſich nach Ehren⸗ breitſtein und fuhr von hier mit der rechtsrhein. Eiſenbahn nach Königswinter, von wo aus der Drachenfels und die Ruine Heiſterbach beſucht wurde; die Rückfahrt erfolgte über Rolandseck und Coblenz. Die Prima endlich machte einen zweitägigen Ausflug nach Frankfurt a. M., wo außer den ſehenswürdigſten Gebäuden und Monumenten insbeſondere der Palmengarlen, der zoologiſche Garten und das Panorama der Schlacht von Sedan beſichtigt wurden. Das ſchönſte Wetter begünſtigte die ſämmtlichen Ausflüge.
Außerdem haben die meiſten Klaſſen an freien Nachmittagen bei ſchönem Wetter weitere Spaziergänge in Begleitung ihrer Ordinarien nach den Dörfern der Umgegend gemacht; insbeſondere wurde der Faſtnachtsdienſtag⸗Nachmittag des l. J. von allen Klaſſen zu einem ſolchen Ausflug be⸗ nutzt. Die Oberprima erhielt Erlaubnis am 30. Nov. v. J. den Nachmittag zu einer Fahrt nach Coblenz zu benutzen, wo die Hochfluth des Rheines einen ſchauerlich impoſanten Anblick gewährte.
Im allgemeinen war der Geſundheitszuſtand bei Lehrern und Schülern während der abge⸗ laufenen Periode ein befriedigender; doch traten im vergangenen Winter, als in der Stadt Scharlach und Diphtheritis herrſchten, einzelne derartige Fälle auch bei Schülern ein, gingen aber ohne Nachteil vorüber. Von den Lehrern mußten nur einzelne krankheitshalber für einen oder zwei Tage vertreten werden; nur der Unterzeichnete wurde für 4 Wochen vom 13. Jan. 1882 ab beurlaubt, um ſeine angegriffene Geſundheit wiederherzuſtellen; ſeine Stunden wurden von den Herren Collegen bereit⸗ willig übernommen, wofür er ihnen hiermit ſeinen aufrichtigen Dank abſtattet.
Mit dem Schluß des Schuljahrs verliert die Anſtalt den Herrn Oberlehrer Dr. Iltgen, welcher an derſelben 14 Jahre lang, faſt von ihren erſten Anfängen an, mit hingebendem Eifer und glücklichem Erfolge gewirkt hat. Derſelbe iſt am 6. Januar d. J. von Sr. Majeſtät dem Könige zum Königl. Gymnaſialdirektor ernannt worden und von dem Herrn Miniſter mit der Direktion des Gymnaſiums in Culm(Weſtpreußen) betraut worden. Wenngleich wir alle über dieſe ehren⸗


