Der Ausgang des Jahres 380 brachte einen großen und unerwarteten Umschwung der kirchlichen Verhältnisse des Orients. Am 24. November nämlich war Kaiser Theodosius im Triumphe in seine Hauptstadt Konstantinopel eingezogen, entschlossen, dem Irrglauben ein jähes Ende zu bereiten und das nicänische Bekenntnis zu einem vollständigen Siege zu führen. Schon zwei Tage darauf mußte der arianische Bischof Demophilus die Residenz erlassen, am 27. No- vember aber führte der Kaiser selbst unter militärischem Schutze Gregor von Nazianz in die Apostelkirche ein, nachdem er ihm zuvor alle Kirchen der Stadt feierlich zugesprochen hatte. ¹) So kam derjenige zu Ehren, welchen das herrschbegierige Alexandrien zu beseitigen versucht hatte. Ein deutliches Zeichen: Theodosius hatte sich von der ägyptisch-occidentalen Partei losgesagt und war auf die Seite der orientalischen Orthodoxie getreten, nachdem er zuvor den Maximus, welcher Unterstützung heischend zu ihm nach Ressalonich gekommen war, abgewiesen hatte. ²)
In der Folgezeit sollte diese Anderung des kaiserlichen kichenpolitischen Standpunktes noch deutlicher hervortreten. Am 10. Januar 381 erließ Theodosius ein Gesetz. wonach den „orthodoxen Bischöfen, welche sich zum nicänischen Glauben bekennen, im ganzen Reiche die katholischen Kirchen zurückgegeben werden“ sollten. ³) Bald darauf sandte er den General Sapor in den Orient mit dem Auftrage, diesen Erlaß auszuführen und die arianischen Bischöfe aus den Kirchen zu verweisen. In Antiochien nun übergab Sapor, der von Theodosius sicher auf- geklärt war, wen er dortselbst unter den streitenden Nicänern als orthodox anzusehen habe, die Kirchen dem Meletius,4)— ein noch unzweifelhafteres Zeichen, daß Theodosius zu Petrus von Alexandrien, der Hauptstütze der paulinianischen Partei, in einen schroffen Gogensatz getreten und den Meletianern zu einem siegreichen Ubergewichte im Oriente zu verhelfen entschlossen war.
Doch von noch schwereren Schlägen sollte Alexandrien getroffen werden auf der Synode, welche Theodosius, einem Wunsche der Abendländer entgegen, für den Mai 381 nach Konstan- tinopel einberufen hatte, und zu welcher den ägyptischen und macedonischen Bischöfen nur verspätete Einladungen zugestellt worden waren.5) Diese Synode nämlich setzte es sich direkt, zur Aufgabe, seine gewalttätige Herrschsucht, die in der Angelegenheit des Maximus klar zu Tage getreten war, tief zu demütigen und die angemaßte Primatialwürde des Orients dem ägyptischen Obermetropoliten für alle Zeiten abzusprechen. Meletius von Alexandrien, vom Kaiser hoch geehrt, führte den Vorsitz auf dem Konzile, zu dessen ersten Handlungen die feier- liche Erhebung Gregors von Nazianz auf den Bischofssitz der oströmischen Reichshauptstadt
gehörte,“)— eine Tat, welche die antialexandrinische Tendenz der Synode schon deutlich inau- ¹) Ullmann S. 152 Rauschen S. 62. 76. ²) Greg. carm. cit. vv. 1003 ss.— Die weiteren Schick Ssale des Maximus s. bei Ullmann S. 141.
³) Cod. Theod. XVI 5, 6; Just. 1 1, 2. 6
¹) Theodoret. V 2. 3. Vgl. auch Tillemont, Hist. V 728 s. note 7. Ifland S. 102.
³) Vgl. den Brief Ouamlibet(Ambros. ep. 12. Mansi III 623 s.) des Koncils von Aquileja, worin die Einberufung einer alexandrinischen Synode gewünscht wird. Über die Zeit des Briefes s. Rade S. 63 ff. Anm. 1.— Uber die Berufung der Agypter und Macedonier s. Lübeck S. 201.
6) Vgl. darüber Hefele, Conciliengeschichte II² 5 ff. Rauschen S. 9. 99.


