Aufsatz 
Die Weihe des Kynikers Maximus zum Bischof von Konstantinopel in ihrer Veranlassung dargestellt / von Konrad Lübeck
Entstehung
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rasch in den Besitz jenes Bistums setzen sollte? Ersteres war sicher sehr riskant, letzteres zwar kaum zu billigen, aber welche zweckbewußte Politik hatte noch nicht zu Gewalt- mitteln gegriffen, wenn sich ein hochbedeutsames Ziel nicht anders sicher erreichen ließ? Zudem hatte Gregor kein strenges und eigentliches Recht auf den byzantinischen Sprengel, und es hatte ja auch sein Freund Meletius, Paulinus anhängende Minderheiten oder Mehr- heiten nicht achtend, also in nicht ganz einwandfreier Weise Bischofsstühle in seinen Besitz gebracht; ¹) warum sollte er da mehr Scheu vor Recht und Gerechtigkeit an den Tag legen als sein rücksichtsloser und deshalb erfolgreicher Gegner? ÜUberdies war jetzt alles einem Ge- waltstreiche günstig: Gregor war noch nicht eigentlicher Bischof von Konstantinopel, sondern nur Administrator jenes Sprengels; die Paulinianer der Hauptstadt waren erstarkt, denn Gregor hatte sich ihnen ja durch die Mitanerkennung des Paulinus gebeugt; und was das wichtigste war Petrus hatte in dem zu Byzanz weilenden Kyniker Maximus eine Persönlichkeit gefunden, welche bereit war, sich bei einem eventuellen Gewaltstreiche gebrauchen zu lassen und dann als Bischof von Konstantinopel in steter Abhängigkeit von Alexandrien dessen Geschäfte am Kaiserhofe zu besorgen. Lud dies alles nicht geradezu zu einem gewaltsamen Vorgehen ein?

Näheres über die Beziehungen, Besprechungen und Abmachungen zwischen Petrus und Maximus ist uns zwar nicht bekannt, aber wir werden wohl nicht fehlgehen, wenn wir die Reise des Maximus nach Alexandrien, welche er gegen Ende des Jahres 379 antrat, ²) als die Gelegenheit bezeichnen, bei welcher beide Männer einander näher traten bezw. Petrus den Ehr- geiz des Maximus kennen lernte. Die Annahme, daß bei des Maximus Ankunft in Alexandrien schon bei Petrus Absichten auf den byzantinischen Bischofsstuhl bestanden, kann zwar nur wenig Wahrscheinlichkeit für sich haben. Falls aber des Maximus Aufenthalt in der ägyp- tischen Metropole, seiner Vaterstadt, über den 28. Februar 380 hinaus sich ausdehnte, so wird man wohl mit Fug und Recht behaupten dürfen, daß während jener Anwesenheit des Maximus die entscheidenden Abmachungen zwischen ihm und Petrus getroffen wurden Von wem der Plan ausging bezw. zur Besprechung gebracht wurde, läßt sich bei dem Fehlen jeglicher ge- schichtlicher Notizen nicht angeben; auch nicht, was Maximus für den Fall des Mißtlingens des Planes von Petrus als Ersatz geboten werden sollte.

Doch wie dem auch sei: sicher ist, daß Petrus zu einer gewaltsamen Verdrängung des ihm nicht gefügigen und darum für ihn entbehrlichen) Gregor von Nazianz sich entschloß,

keit. Er besass eben ein ausgesprochenes Führertalent und in seiner Veroehrung stimmte Alles zusammen(vgl. Greg Naz. or. 21:'A-aν⁴ανοι ετπαισνν dοεωm˙ τπαϊ ο⁰S(. Ob aber Petrus dieselben hervorragenden Eigenschaften in sich fühlte?

¹) S. o. S. 11. Dass sich in den dort genannten Städten auch Paulinianer befanden, ist schon von vornherein wahrscheinlich. Von Johannes von Apamea bemerkt überdies Theod. V 4 aus- drücklich: 5 ro- 2 10 Tfe Sane aic do, 6 B OS0 Szvs 907.1,00v.

¹) Vgl. Greg. Naz. or. 25. Rauschen S. 54. Man könnte versucht sein, diese Rede ins Jahr 380 zu verlegen; aber die Ausführungen in c. 19:(u νννο) z4*ε b*5 oo d90X... Tkly E& LXS5 * Xal n=vt) o5 vMr a& GX 3vIOPO... d Seyév d woipvta weisen sie u. E. cher dem d. 379 zu..

³) Dies ist der dνos des Petrus, von dem Gregor ſcarm. cit. v. 855] spricht; s. o. S. 5.