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schon lange zuvor die erste und angesehenste Stelle unter den morgenländischen Bischöfen zugefallen war!¹) Die Synode von Nicäa(325) hatte die erste Staffel in seinem Aufstreben zur Primatialgewalt des Morgenlandes gebildet. Damals erfocht seine Dogmatik den Sieg, welcher ihm die Führung der orthodoxen Partei in die Hände gab. Und er behielt sie, als bald darauf ein wütender Kampf entbrannte, in welchem Kaisertum und Häresie ihre besten Kräfte zur Vernichtung der Orthodoxie ins Feld riefen. Der große Athanasius stand damals mutig und weitschauenden Blickes an der Spitze der nicänischen Partei. Mußte er auch wieder- holt vor der feindlichen Ubermacht zurückweichen und das Brot der Verbannung genieben, immer wieder sahen sich die Gegner genötigt, seine Rückkehr zuzulassen oder gar zu veran- lassen. Dies war für sie eine Niederlage, für ihn aber ein Sieg. Und Athanasius focht dann weiter den Kampf für die nicänische Lehre sowie für die Unabhängigkeit und Freiheit der orientalischen Kirche. Willig folgte ihm diese, sie ersah in ihm ihren klugen, unerschrockenen und kampferprobten Führer. Diese treue Ergebenheit und unerschütterliche Hingabe des ganzen Morgenlandes aber an den alexandrinischen Bischof erhöhte nicht wenig dessen Ansehen und Einflut. Sie verlieh ihm und damit auch seiner Kirche eine Großmachtstel- lung im Oriente, welche Kaisertum und Häresie zwar anzugreifen, aber nicht zu vernichten vermochten. ²)
Mit dem Tode des Athanasius(373) war sie in Frage gestellt,— aber es war klar, daß seine Nachfolger alles aufbieten würden, sie sich und ihrem Bischofsstuhle zu erhalten. Der Episcopat des Petrus ließ sich unheilvoll an: sein vierjähriger Aufenthalt in Rom mußte die Orthodoxie des Orients der alexandrinischen Führung entwöhnen. Petrus mußte daher zwar mit Schmerz den Verlust der kirchlichen Hegemonie gewahren, aber nicht wenig durfte er auf- jubeln, als das Edikt des Theodosius vom 28. Februar 380 seinem Bischofssitze den alten Glanz, die alte Macht und Stellung zurückzugeben schien. Es hieß jetzt nur, die Zeichen der Zeit verstehen und kraftvoll ausnützen,— die Primatialgewalt des Orients mußte wieder in die Hände des alexandrinischen Bischofs zurückfallen!
Vor allem schien es da notwendig, sich die Gunst des Kaisers dauernd zu erhalten. Von Agyptens Hauptstadt aus auf die kaiserliche Residenz einzuwirken, war zu schwierig und unsicher: ein Alexandrien völlig ergebener und willfähriger Bischof von Konstantinopel, der zu Theodosius freundliche und intime Beziehungen unterhielt, konnte allein geeignet sein, die alexandrinisch-kirchlichen Pläne am Kaiserhofe zu vertreten und ihnen eine siegreiche Ver- wirklichung zu verschaffen. Petrus wußte es ja, zu welchem Einflusse es ein Bischof der
¹) Über Alexandriens Obermetropolitanstellung, deren Rang und Entstehungsursachen s. Lübeck, Reichseinteilung S. 110 f. 219 ff. 224 ff. Vgl. auch A. Harnack, Mission u. Ausbreitung des Christentums in den ersten drei Jahrhunderten(Leipzig 1906) II“ 132—151.
¹) Vgl. Rohrbachs Aufsatz„Die Patriarchen von Alexandrien“ in: Preuss. Jahrbücher Bd. 69(1892) Heft 1 und 2. J. Gummorus, Die homöusianische Partei bis zum Tode des Konstantius (Leipzig 1900).— Die Stellung Alexandriens zur Kirche Agyptens hatte sich im 4. Jahrhun- dert wenig geändert: der Arianismus hatte dort nur geringe Erfolge zu verzeichnen gehabt; vgl. Harnack, Dogmengeschichte IIs 261 Anm. 5. 3


