Aufsatz 
Die Weihe des Kynikers Maximus zum Bischof von Konstantinopel in ihrer Veranlassung dargestellt / von Konrad Lübeck
Entstehung
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das noch hinzu, daß wir, obgleich von Gott mit dem Heile begnadigt, doch um anderer Men- schen willen streiten, und daß unsere Streitsucht so weit geht, daß wir selbst den Ehrgeiz anderer dazu benutzen und um fremder Bischofssitze willen unter uns Feindschaften anfangen und zwei schwere Sünden auf einmal begehen, indem wir nämlich die Herrschsucht jener noch mehr entflammen und zugleich für unsere eigenen Leidenschaften dies als Stütze ergreifen. ¹)

Gregor hatte sich nicht viel Erfolg von seiner Rede versprochen.²) Ihr Resultat war, daß man übereinkam, jegliche Stellungnahme zum antiochenischen Schisma fürderhin zu unter- lassen undbeide Bischöfe gleicherweise zu verehren, d. h. beide als rechtmäßig anzuerkennen. ³)

Dem Frieden in der byzantinischen Gemeinde mag ein solches Abkommen wesentlich nützlich gewesen sein, Meletius jedoch und seinem Anhange dürfte es wenig Freude bereitet haben. Auch den Paulinianern mag es von zweifelhaftem Werte gewesen sein, Petrus von Alexandrien aber befriedigte es sicherlich nicht, zumal nach dem auch für Paulinus äußerst gün- stigen Ereignis, welches zu Beginn des Jahres 380 eingetreten war.

Ende Januar oder Anfang Februar 380) nämlich war Kaiser Theodosius zu Thessa- lonich von schwerer Krankheit befallen worden und hatte als Anhänger der christlichen Reli- gion, näherhin des Nicänums, nach der bis dahin noch verschobenen Taufe verlangt. Acholius,5) der Bischof der Stadt, erteilte sie ihm und wurde, als sich die Kraft der Krankheit gebrochen, der kaiserliche Berater in den Fragen hinsichtlich der kirchlichen Verhältnisse des Reiches. Alexandrinisch-römisch war natürlich die Tendenz und Färbung eines jeden von diesem Freunde des Papstes Damasus erteilten Rates und Aufschlusses.

Für religiöse Dinge gerade zu dieser Zeit empfänglich, vernahm der Kaiser mit beson- ders tiefem Schmerze, daß im Gegensatze zu Jllyrien und Macedonien, wo alles in ungetrübter Einheit an der Orthodoxie festhielt, der Orient von den Greueln schändlicher Häresieen befleckt und geteilt sei, und daß zumal in Konstantinopel, seiner Residenz, der Irrglaube sich breit mache. Entschlossen, diesen Zuständen ein Ende zu bereiten, erließ er deshalb am 28. Februar 380 an die Einwohner von Konstantinopel ein Edikt, wonach alle Völker, welche die Milde seiner Gnade regiere, denjenigen Glauben haben sollten, welchen der hl. Apostel Petrus den

¹) Greg. or. cit. c. 13. Vgl. Ullmann S. 123. 124.

²) Greg. or. cit. c. 14.

³) Greg. Naz. or. 23 GC. 4: 5 231v 5 SraAlodasv, Xidy uονναιενmμννκς ε6Mbsy X0, 052 170s? 2b5, A7h⸗ 550 GSGOy. 209 55737bSy 3 α ετ1 dabpderv. Diese Rede wurde wohl anfangs 380 in Konstantinopel gehalten; vgl. c. 13: 7& 9 D11055 /8. dA 5D, dr**.4s h Ofisiav, Dfial?s dofscm eine Schilderung der kirchl. Zustände, wie sie erst nach dem kaiserlichen Edikte v. 28. Febr. 380 möglich war. Fraglich ist, wer unter dem xarhp ö†ko, wer unter dem xals 20e⸗ der Rede zu verstehen ist(vgl. Tillemont, Mém. IX 711 note 30). Es liegt nahe, an Hiero- nymus zu denken, welcher damals bei Gregor exegetische Studien trieb(Grützmacher S. 177 fl.) und wohl sicher seinen Parteistandpunkt(s. o. S. 11) nicht verleugnet hatte, oder an den Kyniker Maximus(vgl. Rauschen S. 76 f.).

¹) Vgl. Rauschen S. 61.

⁵³) So nennt ihn Ambros. ep. 15. Asrλ heisst er Sokr. V 6. Sozom. VII 4.