— 14—
zurückhalten: der offene Streit zwischen den beiden Parteien brach los. Derselbe war für die Gemeinde umso verderblicher, als schon die apollinaristischen Lehranschauungen sie entzweit hatten. ¹)
Gregor mußten solche Zustände unter seinen Gläubigen gar schmerzlich und unangenehm berühren. Seine Wirksamkeit mußte sich daher naturgemäß darauf erstrecken, dieselben so rasch als möglich zu beseitigen.²) Er versuchte dies in einer uns noch erhaltenen, überaus pathe- tischen Rede„Uber den Frieden“, welche er im Jahre 379 vor seiner Gemeinde hielt.*)„Teurer Friede“, so begannen seine eindrucksvollen Worte,„teurer Friede, du süßes Wort, welches ich jetzt über das Volk ausgesprochen und von ihm empfangen habe(ich weiß freilich nicht, ob es von allen auf eine redliche und des Geistes würdige Weise ausgesprochen, und ob nicht der öffentliche Bund im Angesichte Gottes gebrochen worden ist),— teurer Friede, du mein täg- licher Gedanke und mein Schmuck, der mit Gottes Wesen selbst aufs innigste verbunden ist, ....— teurer Friede, von allen gepriesenes, von wenigen bewahrtes Gut, wie lange hast du uns schon verlassen? und wann wirst du wieder zu uns zurückkehren?“ Dann bedauerte er leb- haft den doppelten Zwist in seiner Gemeinde:„Für, uns ist gar kein Ende des Streitens, nicht nur mit den Andersdenkenden und denen, die in der Glaubenslehre von uns abweichen, son- dern auch mit den Gleichdenkenden, welche gegen die nämlichen und für die nämlichen kämpfen. Und dies ist wahrhaftig außerordentlich traurig und bedauernswert.¹)“ Hinsichtlich des antio- chenischen Schismas insbesondere bemerkte er:„Zu unserer sonstigen Unwürdigkeit kommt auch
¹) Greg. Naz. carm. de vita sua v. 607 ss. 679 ss.
¹) Dass Gregor„zum Teil desswegen die mühselige Verwaltung des Bistums von Konstantinopel übernommen“ habe, um so das antiochenische Schisma im Oriente besser beseitigen zu helfen (Ullmann a. a. O. S. 124), ist durch nichts bewiesen.
²) Greg. Naz. or. 22. Die Zeit der Rede ergibt sich 1.) aus c. 2, wo vom Goteneinfall die Rede ist und die Frinnerung an die Schlacht von Adrianopel noch sehr lebendig ist; allerdings zeigt C. 14(6ds z te 850 boiα dv Ar. 00 5 77 16„ 263M0„ o³ᷣdPvn zal 105o 95 26 H6 24¹ʃ 24ι urν 377,Nve La, Aide), dass dieses letztere Ereignis schon längere Zeit stattge- funden hat. 2.) aus c. 8, wo Gregor sich noch als Fremdling(dον*dssiae srnbov 1n2a) be- zeichnet und die Häretiker noch im Besitze der Kirchen sind. Sie dürfte also um die MNitte des Jahres 379 gehalten worden sein.— Der Ort der Rede ist die Stadt Konstantinopel; vgl. c. 8: 2A⁴ν τaēοεται εν odεε ω ταν sowie Greg. or. 21 c. 5, welche den gleichen Vorwurk ent- hält. Rauschen S. 53 meint, die Rede sei an eine Versammlung von Bischöfen oder an den 4 Klerus von Konstantinopel gehalten worden; u. E. mit Unrecht. Denn c. 1 heisst es ausdrück- lich: ipivn gikn, o Tkord zal AuM zat Sv0b,, e ve ee en we eeSo, 2.(wegen der Apostrophe steht nicht baty). Auch passt der ganze Ton der Ausführungen viel besser auf ein grösseres Publikum als auf eine immerhin kleine Versammlung von Klerikern oder Bischö- fen(an eine 5505Q 5o5e«& ist jedenfalls nicht zu denken). Die Worte c. 6:»dy zal 6ν Aε- Hrto doe 25 Korr 7o²2 sdiaenae Sio,ee, dA d,a oir zo(Matth. 7, 6) können auch vor dem Volke gesprochen sein, ebenso die herzliche Anrede c. 16: 6 Ʒϑέιι τ‿àQ i 452ol.— Eine deut- sche Übersetzung der Rede gab J. Röhm, Ausgewählte Schriften des hl. Gregor von Nazianz (Kempten 1877) II 228— 248(Bibl. d. Kirchenväter). 4) Greg. Naaz. or. 22 c. 4.


