Aufsatz 
Die Weihe des Kynikers Maximus zum Bischof von Konstantinopel in ihrer Veranlassung dargestellt / von Konrad Lübeck
Entstehung
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Zusammengehen aufgefordert,¹) aber deshalb hielt es Petrus doch noch nicht für notwendig,

seine Parteistellung zu verändern und ins Lager der Gegenpartei überzugehen. Er suchte vielmehr sicher derselben noch weiter entgegen zu arbeiten. Als nun die Kunde von den zahl- reichen Ordinationen derselben an sein Ohr drang, mußte er da in seiner Parteinahme für Paulinus nicht noch bestärkt und zu gesteigerter Tätigkeit für denselben angetrieben werden? Mußte sich da in ihm nicht der Plan regen, in gleicher Weise wie Meletius vor- zugehen, nämlich auf alle die Bischofssitze, auf deren Besetzung er Einfluß hatte, Freunde und Anhänger des Paulinus zu bringen und so ein Gegengewicht gegen die übereifrigen und

erfolggekrönten Meletianer zu schaffen? Mutßte er diesen Plan nicht umso mehr zur Ausführung

zu bringen suchen, als ihm in dogmatischer Hinsicht Meletius und seine Partei nicht einwands- frei erschien, und die Ehre seiner eigenen Person, seines Bischofsstuhles und seiner Politik auf dem Spiele stand?

Der einflußreichste und bedeutsamste Bischofssitz des Ostreiches, welcher damals gerade

erledigt war und einer Neubesetzung harrte, war zweifellos derjenige der Hauptstadt Konstanti-

nopel. Auch er war vom antiochenischen Schisma nicht unberührt geblieben: die Gemeinde hatte sich in zwei Parteien gespalten. Wenn nun auch Gregor von Nazianz die Leitung der Kirche in Händen hatte, rechtlich war der Bischofsstuhl frei und Paulinianern wie Meletianern mußte daran gelegen sein, ihn dauernd in ihren Besitz zu bekommen. Die letzteren allerdings hatten vorläufig daran ein geringeres Interesse; denn Gregor gehörte ja zu ihrer Partei und es schien keinem Zweifel zu unterliegen, daß ihm auch von auktoritativer Seite die byzantinische Kirche übertragen werden würde: sie wähnten sich also schon als die Herrn der orthodoxen Gemeinde. Anders die Partei des Paulinus. Ihr mußte es schon unangenehm sein, daß die Gegenpartei durch die Wahl eines den Meletianern anhängenden Bischofs nicht wenig gestärkt worden war, und dieses Mißbehagen mußte sich noch vermehren, als die glanzvolle und erfolgreiche Tätigkeit Gregors das Ansehen und die Macht ihrer Gegner hob. Als nun gar Gregor aus seiner meletianischen Gesinnung kein Hehl machte er mußte sich doch auch öffentlich Meletius erkenntlich zeigen, welcher bei seiner Berufung nach Konstantinopel die

Hand im Spiele gehabt hattel²) da ließ sich die Unzufriedenheit der Paulinianer nicht mehr

Unmöglich. Ein Mann, der zwanzig Jahre hindurch mit opferwilliger Ausdauer seine Sache zum Siege zu bringen sucht, bietet nach unerwartet erlangtem Siege keinen Kompromiss an. Ein solcher Vorschlag des Meletius war nur möglich zu einer Zeit, in der seine Sache sich zu verschlechtern drohte. Dies war aber im J. 378 bei seiner Rückkehr der Fall, als er seinen Gegner Paulinus von Rom und Alexandrien in der energischsten Weise unterstützt sah. Über- dies gibt das Ilaνoe, en ſspaun byra des Sokr. eine gute psychologische Erklärung. Das Abendland hat später des Meletius Vorschlag aufgenommen. Vgl. Ambros. ep. 13. 12(be- sonders die Stelle der römischen Ausgabe: Sed duia studia nostra tunc temporis habere effectum per tumultus publicos nequiverunt ohlatas pietati vestrae nostras repetimus preces quibus poposcimus ut altero decedente ete.); dazu Cavallera p. 234 ss. Rade S. 122.

¹) Basil. ep. 266..

²) Vgl. Herzog-Haucks Realencycl. II3 43. XIIS 557.